Test

Test: Neuzeit Instruments Orbit - Gelungene Überraschung

Wie würde man eine Kombination aus Bitcrusher, Harmonizer, Filter und Envelope Follower am besten nennen? Hersteller Neuzeit Instruments hat sich für Orbit entschieden und präsentiert mit seinem Eurorack-Modul eben jene Bestandteile unter einer Haube. Allerdings mit (brachialen) Eigenheiten

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Während manch anderes simpel aufgebautes Modul auf den ersten Blick erkennen lässt, was es tut und was mit dem zugeführten Signal passiert, ist bei Orbit zuerst büffeln angesagt. Denn ist die Grundfunktion des Bitcrusher noch recht selbstverständlich, entstehen bei vier Knöpfen namens MSB und LSB mit je drei verschiedenen Modi doch Fragezeichen vorm geistigen Auge. Selbiges beim Harmonizer mit seinen sechs Reglern, die nur mit kleinen Symbolen betitelt sind. Zum Glück gibts beim Hersteller ein aufschlussreiches Tutorial-Video, das schnell und viel Licht ins Dunkel bringt.

Was ist drin?

Prinzipiell durchläuft ein Signal in Orbit parallel den Bitcrusher und den Harmonizer, die beide im Filter münden, während eine dritte, unbearbeitete Version direkt zum Filter läuft. Alle drei lassen sich separat per Reglern mischen. Darüber hinaus bietet das Filter einen Extra-Eingang, mit dem sich auch Feedbackschleifen realisieren lassen, denn Harmonizer und Bitcrusher bieten separate Ausgänge.

Vor dem Bitcrusher hängt ein Mini-EQ, der den Bass anhebt oder reduziert, was gerade bei Sampleraten-Spielereien extrem willkommen ist. Der Crusher arbeitet wahlweise mit 8 oder 12 Bit und tut, was man von ihm erwartet, aber mit einem Extra: Über vier Knöpfe lassen sich Bit-Bereiche (für Tiefen, Mitten und Höhen) unabhängig voneinander ein- oder ausschalten oder aber auch invertieren, wodurch sich der Crusher gezielter auf bestimmte Frequenzen ausrichten lässt.

Der Harmonizer

Mit dem Harmonizer findet sich ein echtes Highlight im Modul, denn dieser analysiert die Tonhöhe des Signals am Audioeingang und addiert bis zu fünf Rechteck-Oszillatoren. Einer davon auf gleicher Tonhöhe, zwei andere jeweils eine Oktave darunter und darüber. Zu wenig Subbass ist also schon mal kein Problem mehr. Oszillator vier und fünf arbeiten ebenfalls auf gleicher Tonlage und eine Oktave darüber, die exakte Tonlage lässt sich aber per Regler um +/- 12 Halbtöne einstellen. Das Resultat sind nicht nur Akkorde und enorm reichhaltige Sounds, sondern auch abgefahrene. Denn während saubere Wellenformen einfach wie erwartet „nur“ angedickt werden, kommen bei Vocals und Drums extrem viele Artefakte dazu, die vor allem im Zusammenspiel mit dem Filter und dessen Envelope Follower ein beeindruckend grooviges Eigenleben entwickeln. Vor allem Basslines sind so schnell erstellt und immer harmonisch und rhythmisch passend zum zugeführten Signal. Top!

Sollen die Ergebnisse noch knackiger klingen, steht Hardsync als Option bereit. Ebenso können die Tonhöhen der letztgenannten beiden Oszillatoren fixiert werden, um beispielsweise Drums anzudicken, ohne dass die Tonlage permanent variiert. Oder um konstante Bassline zu erzeugen, die zusammen mit dem Envelope Follower entstehen. Zu guter Letzt lassen sich beide Oszillatoren auch als Rauschquellen nutzen, um Hi-Hats oder Shaker-Rhythmen zu erzeugen.

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Mehr als nur ein Filter

Die dritte und letzte Station im Signalpfad ist das Filter bzw. Multifilter. Tief- und Hochpass können per Fader überblendet werden, parallel dazu läuft das Bandpassfilter. Beide Pfade lassen sich separat ein- und ausschalten und werden gleichermaßen von Cutoff und Resonanz beeinflusst. Nutzt man beide gleichzeitig, entstehen nochmals fettere Sounds, ohne dass Überladungen entstehen. Für klare Signale empfiehlt sich dennoch die Nutzung nur eines Filtertyps. Der Klang ist äußerst satt und pfeift bei aufgedrehter Resonanz recht ordentlich. Übrigens erzeugt das Filter bei voller Resonanz einen Sinus-Ton und ist dank Modulationseingang tonal spielbar. Schade nur, dass sich der Filter-Output nicht in den Bitcrusher oder Harmonizer routen lässt.

Apropos Modulation: Der Envelope Follower kann ebenso gut als reguläre Hüllkurve mit Attack und Decay arbeiten und ist darüber hinaus loopfähig, was das Umfunktionieren zu einem LFO möglich macht.

Fazit

Es ist unschwer zu erkennen: Der Orbit ist ein ziemliches Multitalent und in keiner seiner Disziplinen zimperlich. Der Bitcrusher kann zwar auch sachte eingreifen, viel lieber haut er das Signal einfach gnadenlos kaputt, dass es aus den Speakern nur so kracht. Aber egal, ob man einfache Wellenformen, komplexe Loops oder Vocals zuführt, die Ergebnisse klingen immer angenehm dreckig und knackig. Addiert man dann noch den Harmonizer mit seinen fünf Oszillatoren, müsste die Definition von „fett“ eigentlich neu geschrieben werden. Und dank der schlauen Hüllkurve mit ihren verschiedenen Modi ist das Modul nicht nur ein Effekt, sondern auch ein prima Lieferant für Basslines, eigenartige Grooves, geisterhafte Synth-Vocals und vieles mehr. Und das immer herzhaft. Einziger Makel: Die 23 Regler haben deutlich zu wenig Platz. Davon abgesehen: Hammer!

Bewertung
Name
Neuzeit Instruments Orbit
Pro
  • satter Klang
  • Einzel-Outs
  • Modulationen
Contra
  • zu wenig Platz
Preis
448 EUR
Bewertung
(92%)
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