Test

Analogue Solutions Treadstone im Test: semi-modularer Synthesizer

Überraschung von Analogue Solutions: Mit dem Treadstone kommt ein Analoger mit semimodularem Aufbau im kompakten Desktop-Format, der nicht nur klanglich überzeugt.

Anzeige

Features:
  • analoger Synthesizer
  • VCO mit Rechteck & Sägezahn
  • Suboszillator
  • Noise Generator
  • 24-dB-Tiefpassfilter
  • LFO mit Dreieck & Rechteck
  • Audio-Eingang
  • MIDI-Loop-Sequenzer
  • Lo-Fi-Digitalecho
  • MIDI-In
  • Eurorack-Patchbuchsen

Treadstone ist der neueste Zugang der synthBlocks-Serie der 1-Mann-Firma Analogue Solutions, die sich mit kompromisslos analogen handgefertigten Geräten einen Namen gemacht hat. Nach zwei Effektgeräten, der Filterbox Mr. Hyde und dem Ringmodulator Dr. Strangelove, bietet das dritte Produkt der Serie einen vollwertigen Synthesizer. Wie seine Geschwister ist Treadstone ein kompaktes Modul im Desktop-Format, das autark ohne Eurorack betrieben werden kann, dank Patch-Buchsen aber dennoch einfach in ein Modularsystem integrierbar ist.

Robustes Gehäuse

Das handliche Gehäuse entspricht den Geschwistern aus der synthBlocks-Serie. Es ist aus Metall gefertigt und macht einen robusten und live-tauglichen Eindruck, mit den Seitenteilen aus Holz sieht es auch chic aus. Bedient wird der Synthesizer mit 15 Drehreglern und 5 Kippschaltern. 13 Patchbuchsen im Eurorack-freundlichen Miniklinke-Format erlauben die Verbindung mit anderem analogem Equipment. Hinzu kommt erfreulicherweise ein MIDI-Eingang zur Einbindung in die digitale Welt, der passende Adapter von Miniklinke auf DIN liegt dem kleinen Paket bei. Auf der Rückseite befindet sich der Anschluss für das mitgelieferte externe Steckernetzteil, Batteriebetrieb ist nicht möglich.

Analoge Klangerzeugung

Der Aufbau der Klangerzeugung ist simpel, aber effektiv. Ein Oszillator erzeugt die Wellenformen Sägezahn und Rechteck, zwischen denen sich stufenlos überblenden lässt. Für dickeren Sound ist Pulsweitenmodulation per Hüllkurve oder LFO möglich. Der Suboszillator bietet eine Rechteckwelle, die eine Oktave tiefer schwingt. Alternativ dazu kann ein Rauschgenerator aktiviert werden. Über vier Patchbuchsen kann der VCO durch externe oder interne CV-Quellen in Tonhöhe und Pulsweite moduliert werden, zudem ist die Rechteckwelle separat abgreifbar.

Es folgt ein 24-dB-Tiefpassfilter im SSM2044-Stil, wie es auch im Korg Monopoly, PPG Wave 2.3 oder Fairlight CMI verwendet wurde. Das Filter kann ordentlich zupacken und dünnt auch bei höheren Resonanzwerten kaum aus. Damit ist Treadstone perfekt für knackige Bässe und auch analoge Percussion geeignet. Denn auch die Hüllkurve, die die Filterfrequenz moduliert, ist schön schnell. Sie verfügt in alter Moog-Manier über einen gemeinsamen Regler für Decay und Release, hinzu kommen Attack und Sustain. Die Filterfrequenz reagiert auch auf MIDI-Velocity, sodass sich Treadstone ohne zusätzliche Verkabelung dynamisch per MIDI steuern lässt. Die Modulationstiefe der Anschlagdynamik lässt sich mit einem eigenen Regler stufenlos anpassen. Zwei CV-Eingänge erlauben die Modulation der Filterfrequenz durch analoge Quellen. Wenn Sie den Rechteck-Ausgang des VCO mit einem dieser Eingänge verbinden, ist Filter-FM möglich.

Hüllkurve & LFO

Die Hüllkurve kann in einen Drone-Modus versetzt werden, wodurch sie dauerhaft geöffnet bleibt. Wie der Name schon sagt, ist dies praktisch für jede Art von lange gehaltenen Drone-Sounds, aber auch beim Einschleifen externer Signale und Nutzung als Filterbox. Alternativ kann die Hüllkurve durch den LFO getriggert werden, oder via Patchbuchse durch ein analoges Triggersignal. Eine zweite Patchbuchse gibt das Signal der Hüllkurve aus, was insbesondere für eine interne Pitchmodulation interessant ist. Der eingebaute LFO bietet die Wellenformen Dreieck und Rechteck und kann in der Geschwindigkeit geregelt werden. Die eingestellte Geschwindigkeit wird durch eine LED signalisiert, eine Synchronisation zu externem Equipment ist leider nicht möglich. Beide Wellenformen des LFO sind separat über zwei Patchbuchsen abgreifbar.

Von der Redaktion empfohlener Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt. Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Der Verstärker wird entweder durch die Hüllkurve moduliert oder direkt durch das eingehende GATE-Signal geöffnet. Interessant ist die Option, entweder den Rauschgenerator oder den VCO unbearbeitet am Filter vorbei direkt in den VCA zu schicken. Wenn Sie beispielsweise mit hohem Resonanzwerten ein Filter-Zap erzeugt haben, können Sie auf diese Weise noch reines Rauschen für einen Percussion-Sound hinzufügen.

Echo & Sequenzer

Hinter den VCA ist noch ein digitaler Echo-Effekt nachgeschaltet. Er ist in Verzögerungszeit und Feedback regelbar und kann dem Ausgangssignal stufenlos beigemischt werden. Klanglich ist er auf einer Stufe mit den im Korg Volca Keys und Minilogue oder Dreadbox Erebus verbauten Varianten: Lo-Fi-Sound mit Charakter, gut geeignet für Retro-Science-Fiction-Klänge, Ambient-Drones und ähnliches.

Anzeige

Treadstone verfügt auch über einen simplen Sequenzer mit bis zu 16 Schritten. Er speichert die letzten 16 empfangenen MIDI-Noten und erzeugt hieraus eine Sequenz. Gestartet und synchronisiert wird der Sequenzer durch ein Clock-Signal, das am SEQ Clock Eingang anliegt. Wenn Sie den Rechteck-Ausgang des LFO mit dieser Buchse verbinden, startet der Sequenzer auch ohne externen Taktgeber. Bei Nutzung des MIDI-Eingangs startet der Sequenzer, sobald er MIDI-Clock empfängt – dies lässt sich durch einen kleinen Schalter auf der Unterseite bei Bedarf aber auch deaktivieren. Über die MIDI-Noten C6 und C#6 lassen sich auch Pausen und gebundene Noten programmieren.

Voll-analog

Bis auf MIDI-CV-Interface und Echo-Effekt ist Treadstone wie nahezu alle Geräte von Analogue Solutions komplett analog aufgebaut. Viele als analog beworbene Synthesizer bieten zwar einen analogen Signalweg, Hüllkurve und LFO werden aber digital berechnet. Dies ist besonders bei Audiomodulationen durchaus hörbar. Auch Plug-ins und VA-Synthesizer gelangen hier oftmals an die Grenzen und quittieren dies mit digitalen Artefakten und eher unangenehm harschem Klang. Treadstone dagegen besitzt echte VCO, auch Hüllkurve und LFO werden analog erzeugt, und entsprechend überzeugend klingt der kleine Synthesizer in allen Bereichen einschließlich Filter-FM/Crossmodulation.

Lesetipp

Analogue Solutions Fusebox im Test: So gut ist dieser Synthesizer wirklich

Synthesizer von Analogue Solutions garantieren kräftigen Vintage-Analogsound, die Fusebox ist dank semimodularem Aufbau und polyrhythmischem... mehr

Fazit

Treadstone bietet kompromisslosen Vintage-Analogsound und ist mit seinem kräftigen Filter und der schnellen Hüllkurven vor allem für saftige Bässe und knackige Synth-Percussion geeignet. Das eingebaute MIDI/CV-Interface inklusive Steuerung der Filterfrequenz via Anschlagdynamik erlaubt spannende Sequenzen in Verbindung mit einer DAW, dank zahlreicher Patchbuchsen ist Treadstone auch eine gute Ergänzung zu einem analogen Modularsystem. Das semimodulare Konzept in Verbindung mit dem eingebauten Step-Sequenzer macht den kompakten Synthesizer aber auch ohne weiteres Equipment zu einer potenten Klangquelle mit überzeugendem Klang.

Dieser Artikel ist in unserer Heft-Ausgabe 149 erschienen.

Bewertung
Name
Analogue Solutions Treadstone
Pro
  • satter Analogklang
  • kräftiges Filter
  • komplett analoge Klangerzeugung
  • semi-modular
  • Loop-Sequenzer
  • MIDI/CV inkl. Velocity
Preis
569 EUR
Bewertung
(83%)
Mehr zum Thema
zur Startseite