Nach sieben Jahren Entwicklung ist Ultra aus der Feder des Komponisten und Sounddesigners Nigel Stanford erhältlich und spielt sofort an der Spitze mit, um Platzhirschen wie Serum, Vital, Massive, Spire und Sylenth die Stirn zu bieten. Wir nehmen den Synth für euch auseinander, damit ihr wisst, ob ihr Ultra auch noch in eurem Arsenal benötigt und sprechen im Anschluss noch ausführlich mit seinem Entwickler.
Ultra setzt auf eine neue Synthese-Methode namens UltraWave, die Sampler und Wavetable verschmelzen lässt. Bei dieser besteht ein Sound aus Attack-Transient als Sample, Wavetable-Body, Pitch Curve, Amp Curve sowie optionaler Stereo-Konfiguration. Die Import-Engine des Plug-ins wandelt WAVs automatisch in UltraWaves um: Attack, Cycles werden dabei automatisch erkannt.

Wenn du aus einer Aufnahme Pitch- und Amplitudeninformationen übernimmst, bekommen Wavetables plötzlich Artikulation und Verlauf, die sonst eher hochwertigen Samples vorbehalten sind. So kannst du z. B. aus einer kurzen Bassnote einen langen Bassklang erzeugen, der den Attack beibehält und zum Ende hin dumpfer wird.
Die UltraWave Map platziert Sounds auf Note-/Velocity-Positionen und blendet statt hartem Umschalten in Echtzeit zwischen bis zu vier Nachbarn. Dadurch kannst du bemerkenswert einfach spannende Hybridklänge erzeugen, z. B. aus Vocals oder akustischen Samples und Synth-Wellenformen. Cycles und Pitch- und Amp-Kurven lassen sich detailliert editieren und mit zwei Warp-Slots pro Oszillator kannst du die Wellenformen noch weiter verbiegen, natürlich auch modulierbar.
Fünf Oszillatoren und Multisamples
UltraWave ist allerdings nur eins der Oszillatormodelle des Synthesizers. An Bord sind insgesamt fünf Oszillatoren, davon drei mit umschaltbarer Engine: Analog, Super Osc, Sampler und eben UltraWave (einmal pro Patch). Der Analog-Modus begeistert mit Cross-Mod-Optionen (Sync, Sync Log, FM Exp, FM Lin und AM) und der Super Oscillator liefert mit Unison sehr fette Ergebnisse für fünf analoge Wellenformen. Äußerst ergiebig ist auch der Sampler mit Unison-Modus. Ergänzt wird das Arsenal durch einen Noise-Generator mit zwei resonanzfähigen Filtern und einen Sub-Oszillator mit regelbaren Obertönen.
Genauso vielseitig zeigt sich die duale Filtersektion: Neben Ladder-, Clean- und MS-20-Filter stehen Formant, Resonator und Comb sowie ein 3-Band-EQ bereit. Das Routing ist flexibel anpassbar. Was mir hingegen fehlt, ist ein duophoner Wiedergabemodus. In der Effektsektion trifft Qualität auf Quantität. Besonders gut: der Sidechain-Effekt für pumpende Sounds und der Multiband-Kompressor OTT für ordentlich Druck. Klasse: Rack-Effekte erlauben Multiband-Splitting.
Bedienung und Einsatz
Bedienkomfort wird bei Ultra groß geschrieben: Undo und Redo erlauben mutiges Experimentieren Modulationszuweisungen sind dank Drag & Drop und der übersichtlichen Matrix schnell eingerichtet. Als Modulationsquellen stehen LFOs, Hüllkurven, Macro-Regler und diverse MIDI-Parameter zur Auswahl sowie ein Arpeggiator/Sequenzer mit Random-Funktionen, der pro Step Mod-Werte ausgeben kann. Ein echtes Highlight!
Clever ist auch das Store-Konzept: Sounds lassen sich direkt im Instrument anspielen und installieren. Patches kosten meist 3 Credits, für 20 US-Dollar gibt es z. B. 200 Credits. Die inspirierende Preset-Library zeigt die erstaunliche klangliche Bandbreite von Ultra: Besonders beeindruckend sind die Nachbildungen realer Instrumente wie Flöte, E-Gitarre. Weitere Glanzlichter sind die üppigen Pads und bewegte Hybridklänge zwischen expressiven Synth-Timbres und akustischer Authentizität.
Mitbewerber
Am nächsten kommt Ultra die Plug-ins Xfer Serum 2, Arturia Pigments, Vengeance Sound Avenger 2 und Kilohearts Phase Plant – allesamt etablierte Wavetable-Synthesizer mit umfangreichen Modulationsmöglichkeiten und vergleichbar guter Klangqualität. Während Serum 2 und Co. auf klassische Wavetable-Synthese setzen, verschmilzt Ultra Sampler-DNA mit Wavetable-Workflow und morpht in Echtzeit zwischen gemappten Klängen. Hier besetzt Ultra selbstbewusst eine eigene Nische.
Fazit
Ultra ist ein eigenständiger Hybrid, der Wavetable-Klangerzeugung und die Expressivität von Sampling erstaunlich musikalisch zusammenführt. Die innovative UltraWave-Engine ist dabei ein Garant für ausdrucksvolle Klänge, selbst wenn du nur mit einer einfachen Wellenform oder einem einzelnen Instrumentensound startest. Dazu kommen leistungsfähige Oszillatoren, vielseitige Filter, variables Routing und hochwertige Effekte: Ultra inspiriert sofort und vermag auch langfristig zu fesseln. Schon in der Beta-Version wirkt das Plug-in wie ein echtes Synth-Flaggschiff: klanglich erwachsen, intuitiv bedienbar und zum Einführungspreis ausgesprochen attraktiv. Was man sich noch wünschen darf: ein bisschen mehr Preset-Auswahl für die einzelnen Sektionen und MPE-Support als langfristiges Upgrade.
Preis und Verfügbarkeit
Ultra kann auf der Entwickler-Webseite als Dauerlizenz mit Einmalzahlung von $149 erworben werden oder per “rent to own” mit $5,99 pro Monat.
Im Interview mit Nigel Stanford: Komponist, Musiker und Mastermind hinter Ultra
Beat / Du bist als Komponist und Produzent bekannt, aber Ultra scheint für viele Leute immer noch aus dem Nichts zu kommen. Woher kommt dein Team?
Nigel / Ich bin schon mein ganzes Leben lang Musiker, zeitweise auch professionell. Dazwischen habe ich als Webentwickler und in der Filmindustrie gearbeitet. Aus all diesen Erfahrungen heraus habe ich vor einiger Zeit einige Videos wie „Cymatics” und „Automatica” veröffentlicht, die bei vielen Leuten auf YouTube Anklang gefunden haben und mir damit ein Publikum aufgebaut. Die Idee für UltraWave hatte ich schon vor langer Zeit, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich sie allein über einen Prototypen hinaus entwickeln kann. In Wellington hatte ich die Gründer des Deluge-Instruments kennengelernt und über diese Kontakte ein paar Entwickler/Musiker gefunden, denen die Idee gefiel und die ins Team eingestiegen sind.
Beat / Sieben Jahre sind eine lange Zeit für die Entwicklung eines Synthesizers: Was hat sich vom ersten Konzept bis zum aktuellen Produkt am meisten verändert?
Nigel / Die ursprüngliche Idee für UltraWave war, Samples neu zu synthetisieren, indem man sie in Zyklen und Tonhöheninformationen umwandelt. Das ist eigentlich eine Erweiterung der Wavetable-Synthese, aber mit der Möglichkeit, Stereo, Multi-Sampling und Klänge wie Gesang präzise nachzubilden. An UltraWave selbst hat sich nicht viel geändert. Nach der Entwicklung dieses einen Oszillators hatten wir das Gefühl, dass wir weitere Klangquellen brauchten, um mit Pigments und Serum 2 mithalten zu können. Es hat Spaß gemacht, mich intensiv mit C++ zu beschäftigen, aber der hohe Zeitaufwand war manchmal frustrierend. Wenn wir es noch einmal machen würden, würde es sicher nur halb so lange dauern (lacht).
Beat / Was macht Ultra so einzigartig?
Nigel / UltraWave ist natürlich das wichtigste Unterscheidungsmerkmal. Ich denke, wir haben einen sehr guten Prozess für die Umwandlung von Samples in Wavetables, der viel besser ist als die Ansätze anderer Synthesizer. Am Algorithmus haben wir lange gefeilt – er stand schon, bevor wir überhaupt die Playback-Engine gebaut haben. Ich finde, dass unser Super-Oszillator einfach zu bedienen ist und einen großartigen Klang hat. Wir haben das Patch-Management für große Libraries verbessert, indem wir jedem Sound Symbole und Farben zugewiesen und eine Seite für jeden Sound-Designer eingerichtet haben. Der Store macht das Suchen, Kaufen und Installieren neuer Sounds sehr einfach, im Vergleich zum Kauf, Herunterladen von ZIP-Dateien und Suchen des Speicherorts für die Installation. Ich kenne keinen anderen Synthesizer, bei dem man nach Bässen suchen, Demos anhören und sie einzeln kaufen kann. Ultra wird lebenslang kostenlose Updates erhalten. In Zukunft möchten wir UltraWave erweitern, mit Tools, die zwischen zwei UltraWaves morphen und Hybrid-Sounds erzeugen – zum Beispiel etwas zwischen einer Gitarre und einem Klavier.
Beat / Ultra setzt auf ein Credits-Modell, ein Preset kostet meist 3 Credits. Wie sorgt ihr dafür, dass das fair bleibt und nicht wie eine Mikrotransaktionsfalle wirkt?
Nigel / Wenn du Ultra installierst, bekommst du 100 Credits, selbst in der kostenlosen Testversion. Kaufst du Ultra, kommen weitere 100 dazu. Das sind insgesamt 66 Patches. Uns ist klar, dass nicht jeder einen Store im Synth mag. Ich sehe die Credits als Möglichkeit, dir 66 Sounds für deine Werksbibliothek selbst aus den besten verfügbaren Patches zusammenzustellen. Danach musst du nie wieder etwas kaufen oder den Store überhaupt noch öffnen. Preislich wollten wir eine Balance: bezahlbar für Musiker, aber auch attraktiv genug, dass gute Sounddesigner ihre Patches in den Store stellen.
Beat / Wie blickst du auf die nächsten zehn Jahre: Wie werden KI die Synthese verändern?
Nigel / KI wird in gewisser Weise bahnbrechend sein, ob wir es wollen oder nicht. Im Moment scheint es, als würden Menschen, die Musik als kreatives Hobby betreiben, es nicht besonders erfüllend finden, einfach nur einen Prompt einzugeben. Ich denke, es wird weiterhin Menschen geben, die Tracks in einer DAW erstellen und Spaß an diesem Prozess haben. Heute kann man mit samplebasierten Plugins realistische Drum-Grooves erzielen, aber das hält die Menschen nicht davon ab, Schlagzeug spielen zu lernen. Ich glaube, es wird eine Bewegung von Menschen geben, die Authentizität in der Musik, die sie hören und schaffen, schätzen. Das werden vielleicht nicht alle sein, aber eine bedeutende Gruppe. Das ist meine Hoffnung.


