Stell dir vor, du wachst auf und die Plattform, über die du all deine Songs veröffentlichst, gehört plötzlich einem Major-Label oder einem riesigen Finanzinvestor.
Genau dieses Szenario rückt für Millionen von unabhängigen Künstlern gerade in greifbare Nähe. Aktuellen Berichten zufolge sondiert der weltweit größte Musik-Distributor DistroKid den Markt für einen Verkauf – und der Preis ist astronomisch: 2 Milliarden US-Dollar stehen im Raum.

Worum geht es genau?
DistroKid ist eine absolute Machtmaschine. Schätzungen zufolge werden über diesen Dienst 30 % bis 40 % aller neuen Musikveröffentlichungen weltweit abgewickelt. Mit über zwei Millionen aktiven Künstlern ist die Plattform das Rückgrat der Independent-Szene.
Dass DistroKid nun einen Verkauf prüft, ist kein Zufall. In der Musikbranche findet gerade eine massive Konsolidierung statt. Große Player wollen nicht mehr nur die Musik besitzen, sondern auch die „Rohre“, durch die sie fließt. Wenn ein Unternehmen wie DistroKid zum Verkauf steht, klopfen keine kleinen Fische an, sondern Investmentbanken und Tech-Giganten.
Was bedeutet das für die Zukunft von DistroKid?
Ein Verkauf in dieser Größenordnung bringt meistens Veränderungen in der Unternehmensstrategie mit sich.
- 1. Wachstumsdruck: Ein Käufer, der 2 Milliarden Dollar auf den Tisch legt, will Rendite sehen. Das könnte bedeuten, dass DistroKid seinen Fokus von „einfach und günstig“ hin zu „maximaler Monetarisierung“ verschiebt.
- 2. KI-Integration: DistroKid stand zuletzt oft wegen seiner liberalen Haltung zu KI-generierter Musik in der Kritik. Ein neuer Eigentümer könnte hier entweder strenger durchgreifen oder – wahrscheinlicher – die Plattform noch stärker zu einem Hub für KI-Tools ausbauen, um neue Einnahmequellen zu erschließen.
- 3. Daten-Power: Was viele unterschätzen: Der Käufer erwirbt nicht nur die Abogebühren, sondern Zugriff auf die Daten von Millionen Künstlern. Wer trendet? Welche Genres explodieren? Diese Infos sind für Major-Labels Gold wert.
Was kommt auf dich als Musiker zu?
Das ist die wichtigste Frage. Wenn du deine Musik über DistroKid veröffentlichst, solltest du folgende Punkte im Auge behalten:
- Preisanpassungen: Das bisherige Modell (Flatrate für unbegrenzte Uploads) ist extrem künstlernah. Es besteht jedoch die Gefahr, dass neue Eigentümer die Gebühren anheben oder Zusatzfunktionen (wie Marketing-Tools), die bisher inklusive waren, hinter eine weitere Paywall schieben.
- Änderungen der AGB: Achte auf E-Mails zu Vertragsänderungen. Ein neuer Besitzer könnte die Bedingungen für Royalties oder die Haftung bei Urheberrechtsfragen anpassen.
- Kundensupport & Qualität: Oft leidet bei großen Übernahmen der Support, da Prozesse „effizienter“ (sprich: automatisierter) gestaltet werden. Da DistroKid ohnehin schon für seinen „robotierten“ Support bekannt ist, könnte sich das verschärfen.
- Unabhängigkeit: Das Image von DistroKid als „Rebell für die Kleinen“ könnte bröckeln, wenn ein Major-Player (wie Sony, die bereits Anteile hielten) das Ruder komplett übernimmt.
Fazit: Ein Verkauf muss nichts Schlechtes sein, wenn frisches Kapital in bessere Features fließt. Aber als Indie-Musiker solltest du wachsam bleiben. DistroKid ist längst kein kleines Startup mehr, sondern ein Milliarden-Business, bei dem du das Produkt bist.
Plan B: Welche Alternativen hast du als Musiker?
Falls dir die Entwicklungen bei DistroKid ungeheuerlich vorkommen oder du einfach einen Tapetenwechsel brauchst, ist der Markt 2026 glücklicherweise breiter aufgestellt denn je. Je nachdem, wie du arbeitest, könnten folgende Anbieter interessant sein:
- Für Beständigkeit: CD Baby. Der Oldie, aber Goldie. Statt eines Abos zahlst du hier einmalig pro Release (ca. 10 $). Deine Musik bleibt online, auch wenn du mal ein Jahr Pause machst – ideal für Künstler, die keinen hohen Output haben, aber wollen, dass ihr Katalog „ewig“ verfügbar bleibt.
- Für Karriere-Pusher: UnitedMasters. Wenn du auf Brand-Deals (wie Partnerschaften mit der NBA oder ESPN) schielst, ist das dein Place to be. Sie bieten einen starken Fokus auf Vermarktung und „Artist Services“, nehmen dafür aber oft eine prozentuale Beteiligung an deinen Einnahmen.
- Für Profis & Viel-Releaser: TuneCore. Lange Zeit der größte Rivale von DistroKid. TuneCore hat seine Preisstruktur 2024/25 massiv angepasst und bietet nun ebenfalls Unlimited-Pläne an. Der Vorteil hier: Ein oft etwas besserer Zugang zu detaillierten Verkaufsberichten und ein globaleres Netzwerk.
- Für Mobile-Native: Amuse. Perfekt, wenn du alles vom Smartphone aus regeln willst. Sie bieten sowohl ein kostenloses Modell (mit Provisionsabgabe) als auch Premium-Abos an. Amuse ist zudem dafür bekannt, erfolgreiche Künstler direkt unter Vertrag zu nehmen („A&R-driven distribution“).
- Für Feature-Liebhaber: Ditto Music. Ähnlich wie DistroKid preiswert bei unbegrenzten Uploads, bietet aber oft mehr Zusatzleistungen im Bereich Publishing und Sync-Lizenzen (Musik in Film/TV) direkt im Dashboard an.
- Für den echten Eigenvertrieb: Bandcamp. Wenn du die Nase voll hast von Algorithmen und Streaming-Bruchteilen von Cent-Beträgen, ist Bandcamp dein sicherster Hafen. Im Gegensatz zu DistroKid und Co. ist Bandcamp kein reiner „Weiterleiter“ an Spotify, sondern ein eigener Marktplatz. Hier verkaufst du digitale Alben, Vinyl und Merch direkt an deine Fans.
Tipp: Bevor du wechselst, prüfe genau, ob dein neuer Anbieter „Automatic Revenue Splits“ unterstützt – ein Feature, das DistroKid so populär gemacht hat. Nicht jede Alternative beherrscht das reibungslose Aufteilen von Einnahmen zwischen Produzenten und Sängern so intuitiv.
