Test

Test: Novation Summit - Synthesizer mit Muss-ich-haben-Faktor

Der 16-stimmige Synthesizer sitzt in einem soliden Metallgehäuse, entsprechend bringt der Synthesizer mit gut 11 Kilogramm auch ordentlich was auf die Waage. Da die beleuchteten Räder für Modulation und Pitchbend klassisch neben der Tastatur und nicht darüber angebracht sind, ist Summit gute zehn Zentimeter breiter als die direkten Konkurrenten DSI Rev2 oder Korg Prologue, mit ca. 100 x 30 x 7 Zentimetern aber immer noch portabel. Die Holzseitenteile mit Griffmulden unterstreichen das zeitlose Design, Novation ist aus unserer Sicht ein richtig schickes Instrument gelungen.

Selbst entwickelte Tastatur

Das Keyboard besitzt 61 Tasten. Der britische Hersteller greift dabei nicht wie viele Konkurrenten auf eine Tastatur aus dem Hause Fatar zurück, sondern setzt auf eine Eigenentwicklung. Die Tastatur des Summit kennt man bereits vom Masterkeyboard Novation SL MKIII. Sie ist ein wenig straffer gewichtet als beispielsweise die Fatar-Tastatur in den Komplete Keyboards, was vor allem beim Spielen von E-Pianos und anderen klassischen Keyboardklängen von Vorteil sein kann. In Verbindung mit der dynamischen Klangerzeugung des Summit vermittelt die anschlagdynamische und mit Aftertouch ausgestattete Tastatur ein sehr gutes Spielgefühl.

Zusätzliche Bedienelemente für FM, LFO & Co.

Auch die zahlreichen Bedienelemente bieten eine hervorragende Haptik. Die Regler sind griffig mit angenehmen Drehwiderstand, die Taster wackeln nicht und haben einen sauberen Druckpunkt. Lediglich die Fader für die Hüllkurven fühlen sich weniger wertig an. Sie sind etwas wabbelig und gleiten nicht so richtig schön, arbeiteten während des Tests aber zuverlässig und bieten gegenüber Peak den Vorteil von ca. 10mm mehr Länge. Zusätzliche Regler für die FM-Optionen der Oszillatoren, LFO 3/4, die Effekte und den Arpeggiator sowie die übersichtlichere Anordnung machen den Zugriff auf die Klangerzeugung noch direkter als beim Peak, das Schrauben eigener Sounds am Summit wird sowohl Einsteigern als auch Profis eine Menge Freude bereiten.

MIDI, USB und CV

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Neben dem obligatorischen MIDI-Trio gibt es eine USB-Buchse für die Verbindung mit dem Computer, die allerdings auf MIDI beschränkt ist und kein Audio überträgt. Zwei Pedaleingänge und ein CV-Eingang stehen zur Verfügung, die als Modulationsquellen verschiedenen Parametern zugeordnet werden können. Beim CV-Eingang schielt Novation natürlich auf die Circuit Mono Station aus dem eigenen Hause, die den passenden Mod-CV-Ausgang bietet, es kann aber auch jede andere CV-Quelle zur Modulation genutzt werden. Nahezu jeder Regler des Peak empfängt und sendet MIDI-Controller, für stufenlose Modulation teilweise auch in höherer Auflösung als 128 Schritte, und lässt sich in der DAW automatisieren.

Audioeingang und zwei Stereoausgänge

Neu hinzugekommen ist ein Stereo-Eingang, um externe Audioquellen einzuschleifen und mit den Filtern und/oder den sehr guten Effekten des Summit zu bearbeiten. Ebenfalls neu ist der zweite Stereoausgang. So lassen sich die beiden unabhängigen Sounds im Multimode des Summit auch getrennt aufnehmen und nachbearbeiten. Über das Menü können Sie dabei sogar wählen, ob Sound und/oder Effekt über den zweiten Ausgang herausgeschickt wird. Und als erstes Novation-Gerät verfügt der Summit über ein eingebautes Netzteil und benötigt nur das mitgelieferte Standard-Kaltgerätekabel für die Stromversorgung!

Klangerzeugung des Peak

Der Novation Summit ist ein 16-stimmiger polyphoner Synthesizer. Die Klangerzeugung entspricht dem Peak, er ist auch kompatibel zu den Sounds des Desktop-Synthesizers und bietet pro Stimme drei digitale Oszillatoren inklusive Wavetables sowie ein Multimode-Filter und verschiedene Verzerrer in der analogen Signalkette. Zusätzlich gibt es einen Rauschgenerator und einen Ringmodulator. Drei Hüllkurven und vier LFO können diverse Parameter modulieren, wofür 16 Modulation-Slots zur Verfügung stehen. Als Spielhilfe ist ein Arpeggiator mit verschiedenen rhythmischen Mustern integriert, der beim Summit von zusätzlichen Reglern für Tempo, Pattern, Abspielrichtung und Oktavumfang profitiert.

Vier hervorragend klingende Effekte veredeln den Sound.

Digitale Oszillatoren, 43 Wavetables

Benannt nach Chris Huggets erster Firma handelt es sich bei den verbauten Oxford-Oszillatoren nicht um DCO oder VCO, sondern NCO (numerisch kontrollierte Oszillatoren). Diese digitalen Oszillatoren arbeiten im Summit mit einer sehr hohen Auflösung, sodass digitale Artefakte wie das gefürchtete Aliasing in hohen Lagen kein Thema sind. Tatsächlich klangen die Oszillatoren im Test bei den Standardwellenformen nahezu identisch zu den analogen DCO der Bass Station II.

Das Schöne an digitalen Oszillatoren ist, dass sie deutlich flexibler sind als die analogen Ausführungen. So gibt es 43 Wavetables mit jeweils 5 Wellenformen, die auch glasige und metallische Klangspektren erlauben. Der Shape-Parameter verändert nicht nur wie üblich die Pulsweite der Rechteckwelle, sondern ist auch auf alle anderen Wellenformen anwendbar, was interessante Klangvariationen erlaubt. Vsync ermöglicht die typischen schneidenden und metallischen Leads und Bässe, wobei als Master ein versteckter virtueller Oszillator dient – hierfür müssen Sie also keinen der anderen zwei Hauptoszillatoren opfern! Auch die nach wie vor beliebte SuperSaw kann ein Oszillator alleine liefern, sodass noch genug Ressourcen für weitere Klangspielereien übrig bleiben. Die leichten Tonhöhenschwankungen und Abweichungen zwischen den einzelnen Stimmen, die als typisches Merkmal für „analogen“ Sound stehen, lassen sich beim Peak durch die Parameter Drift und Divergence nuanciert anpassen.

Dual-Filter und drei Verzerrer

Das Filter bietet wahlweise Tiefpass, Hochpass und Bandpass mit einer Flankensteilheit von 24 dB oder 12 dB. Während Ersteres für knackige Bässe von Vorteil ist, eignet sich die mildere Variante besser für mehrstimmige Pads. Auch wenn es dem Novation-Filter ein wenig an eigenem Charakter mangelt, so leistet es im Praxiseinsatz doch zuverlässig seine Arbeit. Im Gegensatz zum Peak verfügt Summit über ein Dual-Filter. Sie können also auch verschiedene Filtertypen wie Hoch- und Tief- oder Bandpass kombinieren, was das Klangspektrum noch einmal erweitert.

Ebenfalls von der Bass Station II bekannt ist die Verzerrerstufe vor dem Filter, um das Signal zu sättigen und das Filter heiß anzufahren. Zusätzlich gibt es einen weiteren Verzerrer hinter dem Filter, der über das Menü aktiviert wird. Sie haben also jede Menge Optionen, den sehr transparenten und sauberen Grundklang des Summit aggressiver und fetter zu gestalten.

Im Menü finden Sie auch eine Divergence-Funktion für das Filter, hierdurch werden die Filterfrequenzen der acht Stimmen leicht gegeneinander verstimmt – ebenso wie Oszillator Divergence sorgt dies für lebendigeren und etwas weniger statischen Sound.

Umfangreiche Modulationsmöglichkeiten

Die Modulationsmöglichkeiten sind sehr umfangreich ausgefallen. Drei ADSR-Hüllkurven stehen zur Verfügung, wobei sich auch beim Summit die beiden Mod-Hüllkurven vier Fader teilen müssen. Vier zum Tempo synchronisierbare LFO sind ebenfalls an Bord.

Über die 16 Modulation-Slots lassen sich alle Modulationsquellen (u. a. auch die beiden Animate-Taster über den Rädern) verschiedenen Zielen zuordnen. Für FM-Klänge und andere Audiomodulationen können Sie auch einen Oszillator oder den Rauschgenerator als Modulationsquelle nutzen und damit einen anderen Oszillator oder die Filterfrequenz modulieren. Audiomodulation ist eine Kategorie, bei der viele digitale Synthesizer und Plug-ins versagen. Summit zeigt hier aber nicht zuletzt aufgrund der hohen Auflösung der Oszillatoren eine klanglich überzeugende Leistung.

Bis zu vier Effekte gleichzeitig

Summit bietet vier eingebaute Effekte mit hervorragendem und studiotauglichem Klang. Distortion ist ein weiterer Verzerrer, der aber auf die Summe und nicht einzelne Stimmen wirkt und sich dadurch in der klanglichen Auswirkung unterscheidet. Ein Chorus mit drei verschiedenen Variationen wertet insbesondere Flächenklänge deutlich auf. Das tempo-synchronisierbare-Stereo-Delay besitzt unterschiedliche Versionen, die sich in Bezug auf Tief- und Hochpassfilterung, Stereoweite und weitere Parameter unterscheiden. Vom nüchternen Digital-Delay bis zu typischen Effekten eines Analog-Delays ist hier alles drin. Auch das eingebaute Reverb klingt richtig gut und ist keinesfalls nur eine Notlösung für unterwegs oder für die Bühne. Drei Raum-Typen und viele Einstellmöglichkeiten, von Vorverzögerung über Dämpfung bis Modulation erlauben eine umfangreiche Anpassung, von realistischer Raumsimulation bis hin zum künstlich klingenden Effekt-Hall.

Modulierbare Effekte

Über eine eigene Modulationsmatrix mit vier Slots lassen sich die Effektparameter auch modulieren und beispielsweise ein Hall per Hüllkurve einblenden. Auch die global und nicht stimmabhängig wirkenden LFO 3 und 4 können Sie hierfür nutzen. Diese Möglichkeiten wurden dem Peak mit dem 1.2er Update nachgereicht, ebenso wie die Erweiterung auf 43 Wavetables. An dieser Stelle möchten wir auch gerne einmal die Update-Politik von Novation loben. Sei es die Bass Station 2, Circuit oder Peak, alle diese Synthesizer wurden im Funktionsumfang durch kostenlose Updates über die Jahre erweitert und wir sind gespannt, was dem Summit in Zukunft noch spendiert wird. Aber bereits jetzt gibt es eine Menge zu erforschen!

„Twin Peaks“: Zwei Synthesizer in einem Gehäuse

Die gesamte Klangerzeugung des Peak ist beim Summit doppelt vorhanden, inklusive Arpeggiator und aller Effekte. Summit vereint also tatsächlich zwei komplette Peaks, die sich entweder schichten oder über die Tastatur verteilen lassen. So lassen sich glockige Sounds mit analogen Streichern layern oder mit der linken Hand ein Bass-Arpeggio und mit der rechten Hand ein Leadsound spielen. Sahnehäubchen wäre noch eine Morph-Funktion zwischen den Sounds wie beim Korg Prologue gewesen; vielleicht lässt sich das ja noch per Update nachreichen?

Bei Steuerung per DAW kann sich Summit auch wie zwei komplett getrennte Synthesizer verhalten, die über verschiedene Kanäle angesteuert und über Einzelausgänge abgenommen werden. Per Taster bestimmen Sie, welchen der beiden Sounds Sie aktuell mit den Reglern bearbeiten, auch ein Schrauben an beiden Sounds gleichzeitig ist möglich und vor allem bei Layer-Sounds sinnvoll. Praktischerweise wechseln die beleuchteten Taster und Räder bei Auswahl eines Parts die Farbe: Bei Part A leuchtet alles blau und bei Part B orange. So wird effektiv vermieden, dass Sie aus Versehen den falschen Part editieren.

Klanglicher Allrounder

Novation Summit ist ein extrem vielseitiger Hybrid-Synthesizer. Er ersetzt in Bezug auf kräftige und aggressive Bässe problemlos eine Bass Station II, beherrscht aber ebenso überzeugend warme und volle Flächenklänge und andere klassische polyphone Analog-Sounds und wildert mit glasigen Pads, glitzernden Arpeggios und metallischen FM-Sounds erfolgreich im Territorium digitaler Synthesizer. Den Oszillatoren hört man ihren digitalen Ursprung bei den Standardwellenformen nicht an, die zusätzlichen Wavetables und digitale Tricks wie Vsync und SuperSaw erweitern das Klangspektrum erheblich. Analoge Unsauberkeiten lassen sich bei Bedarf programmieren, zudem sorgen analoge Filter und Verzerrer für die nötige Wärme und Sättigung.

Alternativen

Konkurrenten mit einem solch guten, durchsetzungsfähigen und vor allem flexiblen Grundklang gibt es derzeit wenige auf dem Markt. DSI REV2 ist in Sachen Pads und Leads durchaus eine Alternative, bietet aber klanglich insgesamt weniger Möglichkeiten und ist kein „Bassmonster“. Dafür punktet der REV2 mit einem eingebauten Sequenzer. Auch der Korg Prologue besitzt einen Sequenzer und bietet dank digitalem Oszillator und guter Effekte wie der Summit ein weites Klangspektrum, dafür fehlt dem analogen Teil ein wenig die Power. Bei vielen Sounds mussten wir auch an einen Access Virus TI denken, der ebenfalls sehr schöne digitale Wavetable-Klänge erzeugen kann, ein kräftig zupackendes Filter besitzt und zudem bis zu 16 verschiedene Sounds gleichzeitig bietet, dem aber ein wenig die analoge Wärme und Atmosphäre sowie das letzte Quäntchen Transparenz fehlt.

Bewertung
Name
Novation Summit
Pro
  • sehr gute Verarbeitung und Haptik
  • flexible Hybrid-Klangerzeugung
  • analoges Dual-Filter
  • zusätzliche Bedienelemente
  • doppelte Klangerzeugung
  • getrennte Stereoausgänge
  • Audioeingang
Contra
  • kein Sequenzer
Preis
2.099 EUR
Fazit

Novation ist mit dem Summit ein toll klingender und einfach bedienbarer Synthesizer gelungen, der nahezu alle Arten von Synthesizersounds überzeugend beherrscht. Die Mischung aus digitalen Wellenformen und analoger Nachbearbeitung sorgt beim Summit für einen besonderen Klangcharakter mit durchsetzungsfähigen und flexiblen Sounds: Von satten monophonen Bässen über butterweiche Analogpads bis hin zu glasklaren Arpeggios und digitalen Leads. Die vielseitige Klangerzeugung und die direkte Bedienbarkeit machen den Synthesizer sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene interessant. Schrauber werden am Summit ebenso ihre Freude haben wie klassische Keyboarder. Die zusätzlichen Bedienelemente erleichtern das Erstellen eigener Sounds, die Split- und Layer-Möglichkeiten nebst hochwertiger Effekte sowie die gute Tastatur empfehlen Summit auch für den Live-Keyboarder. Im Studioeinsatz lässt sich Summit wie zwei getrennte Synthesizer nutzen und zeigt sich dabei als toller Allrounder.

www.novationmusic.com

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