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Test: Novation Circuit Tracks - Wunderkiste für Grooves

Die Neuauflage der beliebten Novation Groovebox Circuit bietet unter Beibehaltung des bewährten Konzepts von allem ein bisschen mehr. Zu den vom Circuit bekannten zwei polyphonen Synthesizer- und den vier Drum-Tracks gesellen sich beim Circuit Tracks zwei weitere MIDI-Spuren zum Ansteuern externer Klangerzeuger. Ebenfalls neu ist der interne Akku sowie die erweiterten Anschlüsse mit DIN-MIDI, zwei Audioeingängen sowie analogem Sync-Ausgang. Presets, Samples und Projekte lassen sich beim Tracks auf MicroSD speichern und austauschen, Sequenzer und Effekte wurden sinnvoll ausgebaut.

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Kreativitätsfördernd beschränkt

Mit Novations Circuit-Serie soll man in wenigen Minuten elektronische Musik produzieren können. Diesen Anspruch konnte die 2015 erschienene Novation Circuit im Langzeittest durchaus erfüllen, wobei sich die Beschränkung auf das Wesentliche durchaus als kreativitätsfördernd zeigte. Es gab für Novation also keinen Anlass, das Konzept für den potentiellen Nachfolger Circuit Tracks grundlegend abzuwandeln. Auch die überarbeitete Variante der Standalone-Groovebox setzt sich aus vier sample-basierten Drumspuren, zwei 6-fach polyphonen Synthesizern, passenden Sequenzern und einem Effekt-Block zusammen. Mit 32 mehrfarbigen, anschlagdynamischen Mini-Pads lassen sich Rhythmen, Bassfiguren und Melodien entweder einspielen oder programmieren. Als weitere Bedienelemente sind acht Endlos-Drehregler für Klangparameter und Effekte des gewählten Tracks sowie zwei Potis für die globalen Parameter Lautstärke und Masterfilter vorhanden, dazu gesellen sich insgesamt 28 hintergrundbeleuchtete Taster.

Tiefergehende ­Editierung via Software

Dies entspricht im Wesentlichen dem Ur-Circuit. Ein Display nebst tiefgehender Menüstruktur gibt es auch im Circuit Tracks nicht, die wichtigsten Klangerzeugungs- und Kompositionsparameter stehen weiterhin im direkten Zugriff zur Verfügung – dies ist ein wichtiger Teil des Konzepts. Für tiefer gehende Editierung sowie Sound- und Sample-Austausch gibt es die kostenlose Components-Software als Standalone-Installation oder Browser-Software.

Überarbeitete Hardware

Obwohl der Preis gegenüber dem Circuit nahezu gleich geblieben ist, zeigt sich Circuit Tracks auch äußerlich noch einmal verbessert. Das leicht angeschrägte Gehäuse ist zwar weiterhin aus solidem Plastik. Die abgewinkelten Seiten und die Rundungen machen Circuit Tracks aber nicht nur griffiger, sondern die neue Version sieht auch stylischer aus als das schlichte Rechteck des Circuit. Dabei hat sich an den Abmessungen kaum etwas geändert, mit 240 x 200 x 30 mm bleibt der Circuit Tracks sehr kompakt und ist mit gerade einmal 760 Gramm sogar noch einmal ein gutes Stück leichter als der alte Circuit. Die robusten Potis sind mit dem Gehäuse verschraubt und damit auch für den raueren Einsatz auf Bühne oder unterwegs geeignet. Die gummierten Kappen sind etwas schmaler ausgefallen und wirken dadurch weniger klobig, der guten Haptik und Griffigkeit tut dies zum Glück keinen Abbruch.

Schicker, aber nicht praktischer

Wie beim Vorgänger visualisiert eine mehrfarbige LED über die Helligkeit den aktuell eingestellten Wert des Parameters. Auch die Taster sind beleuchtet, allerdings scheint hier die Farbe nur durch die Schrift der ansonsten schwarzen Taster hindurch (ähnlich wie z. B. bei Ableton Push2). Das sieht zwar etwas schicker aus als beim alten Circuit, bei schwierigen Lichtverhältnissen auf der Bühne oder im sonnendurchfluteten Penthouse-Studio ist der Status aber schwerer zu erkennen. Die mehrfarbig beleuchteten Pads bieten die bekannte und bewährte gute Haptik, zum exzessiven Fingerdrumming sind sie aber nach wie vor zu klein.

MIDI in voller Größe

Bei den Anschlüssen gibt es gleich eine positive Überraschung: Drei MIDI-Buchsen (IN/OUT/THRU) in voller DIN-Größe, das sieht man heutzutage nicht mehr so oft, vor allem nicht bei kompakten und günstigen Geräten. Besonders erfreulich ist dies natürlich in einem computerlosen Setup im Zusammenspiel mit den beiden neu hinzugekommenen MIDI-Spuren, über die sich externe Klangerzeuger ansteuern lassen. Hierbei können die Regler auch mit wählbaren MIDI-Controllern belegt werden, um die Parameter des angeschlossenen Synthesizers oder Drumcomputers zu steuern. Auch die Audioausgänge sind als ein Paar vollwertiger 6,3mm-Klinkenbuchsen nicht dem Verkleinerungstrend zum Opfer gefallen.

Trotz Audioeingänge kein Sampler!

Neu hinzugekommen sind zwei Audioeingänge. Hiermit lassen sich externe Klangerzeuger in den Mixer einschleifen und mit Circuit Tracks Effekten versehen. Passend dazu gibt es einen analogen Clock-Ausgang, um Volca & Co. mit dem Sequenzer des Circuit zu synchronisieren. Aber bitte nicht zu sehr freuen: Direkt Samples aufnehmen kann Circuit Tracks trotz der Audioeingänge nicht. Vielleicht später einmal durch ein Firmware-Update? Novation ist ja für vorbildliche langjährige Produktpflege bekannt, eventuell überraschen uns die Briten noch in der Zukunft. Momentan bekommen Sie eigene Samples nur über die Components-Software und die SD-Karte in die Groovebox. Hierfür lassen sich mit Components „Tracks Packs“, bestehend aus Samples, Synthesizer-Einstellungen und anderen Daten wie Patterns und Scenes, erstellen und in Novation Circuit Tracks importieren.

Interner Akku statt Batterien

Weggefallen ist der Batterieschacht, dafür verfügt Novation Circuit Tracks über einen eingebauten Akku mit anständiger Laufzeit von gut 4 Stunden. Ob dies wegen der direkten Integration und Lademöglichkeit als Vorteil oder wegen des schwierigeren Austauschs bei Defekt oder nachlassender Leistung als Nachteil anzusehen ist, liegt im Auge des Betrachters – wir tendieren zu Ersterem. Alternativ ist eine Stromversorgung über den USB-C-Anschluss möglich, der auch zur Verbindung mit dem Computer dient. Praktisch für den Live-Einsatz: Zieht man versehentlich den Stecker oder fällt Strom auf der Bühne aus, schaltet Circuit Tracks verlustlos auf den Akku um – Notstromversorgung ist also bereits integriert!

Leicht betagte VA-Klangerzeugung

Circuit bietet die doppelte Anzahl an Synthesizer-Presets (128), die über zwei polyphone Sequenzerspuren angesteuert werden. Die Klangerzeugung ist virtuell-analog, wurde ohne große Überarbeitung vom alten Circuit übernommen und entspricht damit im Wesentlichen den Synthesizern Ultranova und Mininova. Sie hat also durchaus Potential, aber auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Eine Handvoll Parameter wie Filterfrequenz, Resonanz, Hüllkurve und Modulation lassen sich über die Regler direkt ändern. Dies erscheint zunächst als große Einschränkung. Allerdings sind die Presets größtenteils praxisnah gewählt und decken die verschiedensten Bereiche und Musikstile ab, sodass die Anpassungen über die Makro-Regler meist ausreichen, um zum musikalischen Ziel zu gelangen. Per Software ist auch eine detaillierte Programmierung von Sounds von Grund auf möglich. Klanglich und von den Möglichkeiten her entspricht dieser Bereich wie gesagt dem alten Circuit, hier bieten die neuen Roland-MCs mit der Zenology-Technologie einen edleren und transparenteren Sound, der auch uneingeschränkt studiotauglich ist.

Kompressor und Sidechain

Gleiches gilt für die Delay- und Halleffekte sowie die Filter: Gesundes Mittelmaß und für den Einsatzzweck ausreichend, aber für die endgültige Studioproduktion wird man im Endeffekt wohl doch auf andere Effekte zurückgreifen.

Neu hinzugekommen ist ein Kompressor, der Novation Circuit etwas druckvoller und dynamischer klingen lässt. Mindestens ebenso wichtig für modernen Sound ist die neue Sidechain-Option, um Bässe und Flächen pumpen zu lassen und Platz für die Kick zu schaffen. Das funktioniert übrigens auch mit externen Audiosignalen, sodass die Audioeingänge den Circuit Tracks zu einer kompakten Zentrale für eine kleine Jam-Session machen. Da ist es fast schon bedauerlich, dass Circuit Tracks nicht mehr über einen eingebauten Lautsprecher verfügt.

Auf 32 Steps erweiterter Sequenzer

Der Sequenzer entspricht im Prinzip dem Vorgänger, er wurde aber an einigen Stellen erweitert. Ein Pattern umfasst jetzt 32 statt 16 Steps. Ein Schritt in die richtige Richtung, dennoch hätten wir lieber 64 Steps gesehen, was sich mittlerweile durchaus schon zum Standard etabliert hat. Zum Glück lassen sich die Pattern mit einigen neuen Funktionen auflockern, um auch bei 16 oder 32 Schritten nicht zu statisch und langweilig zu wirken. Besonders interessant ist dabei die von den Elektron-Maschinen inspirierte Probability: Für jeden Step lässt sich eine prozentuale Wahrscheinlichkeit einstellen, das er bei einem Durchlauf der Sequenz abgespielt wird. Bei 100% spielt der Step immer, bei 50% gibt es eine 1:1 Chance usw. Ebenfalls von Elektron kennt man die Parameter-Locks, mit der sich z. B. unterschiedliche Filterfrequenzen je Step einstellen lassen. Neue Abspielrichtungen wie Ping-Pong oder Random dienen ebenfalls der Auflockerung, und mit den MicroSteps bringen Sie mehr Groove in streng quantisierte Beats. Mit ein bisschen Gehirnschmalz und Abstraktion können Sie mithilfe des MicroTimings auch 4-taktike Pattern erreichen oder Akkorde aufsplitten, um einen Strumming-Effekt wie bei einer Gitarre zu erzielen – hier ist Experimentierfreude gefragt.

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Mutationen und Pattern Chains

Mit der Mutate-Funktion wirbeln Sie das gesamte Pattern gezielt durcheinander: MicroSteps, Notenlänge, aufgezeichnete Automation und sogar die Sample-Flips. Sample-Flip bedeutet, dass Sie mehrere verschiedene Samples auf einer Spur benutzen können. Zwar nicht gleichzeitig, da die Spuren monophon sind, aber für einzelne Steps können unterschiedliche Samples gewählt werden. Wie beim Circuit lassen sich bis zu acht Pattern aneinanderketten, was bei Tracks aufgrund der doppelt so langen Pattern auch Chains mit bis zu 256 Steps ermöglicht.

Scenes für komplette Tracks

Eines der Highlights des Circuit Tracks dürften für viele Nutzer die lange herbeigesehnten Scenes darstellen, mit denen sich endlich auch komplette Tracks (nomen est omen) mit der Groovebox erstellen lassen. Für eine Scene lassen sich verschiedene Pattern und auch Patternchains auswählen und abspeichern, im Mixer-Modus können Sie über die unteren beiden Pad-Reihen dann zwischen verschiedenen Scenes umschalten und so den Ablauf kompletter Songs performance-freundlich vorbereiten. Die Anzahl der speicherbaren Projekte wurde ebenfalls verdoppelt, von 32
auf 64.

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Fazit

Circuit Tracks ist ein würdiger Nachfolger der beliebten kleinen Groovebox Circuit. Sowohl Haptik als auch Ausstattung wurden bedacht erweitert, ohne das Konzept der kreativitätsfördernden Beschränkung auf wesentliche Elemente aufzugeben. Dank der Audioeingänge, Kompressor, Sidechain, DIN-MIDI-Anschlüssen und zusätzlichen MIDI-Spuren eignet sich Circuit Tracks jetzt auch als Steuerzentrale für ein kleines Setup. Und die neuen Scenes erleichtern die Live-Performance und das Erstellen kompletter Tracks. Für einen Circuit Pro würden wir uns aber noch Sequenzen mit mehr als 32 Steps, eine modernere Klang­erzeugung und direktes Sampling wünschen.

Bewertung
Name
Novation Circuit Tracks
Pro
  • kompakt und robust
  • intuitives Bedienkonzept
  • zusätzliche MIDI-Spuren
  • flexibler Sequenzer
  • neue Scenes
  • Audioeingänge
  • Sidechain/Kompressor
  • Akku-Betrieb
Contra
  • betagte ­VA-Klangerzeugung
Preis
389 EUR
Bewertung
(92%)
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