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Test: Modal CRAFTsynth 2.0 - Der Synthesizer kann mehr als man denkt

Mit CRAFT hat die britische Firma Modal ihre Kehrtwende weg von großen, teuren und exklusiven Hardware-Synthesizern hin zu sehr günstigen und extrem kompakten Versionen begonnen. Während die erste Ausgabe des Geräts dabei noch selbst zusammengebaut werden musste, gibt es den Nachfolger CRAFTsynth 2.0 ebenso wie das Schwestermodell SKULPT bereits vorgefertigt und spielbereit zu kaufen.

Direkte Bedienung mit 12 Endlosreglern

Der CRAFTsynth 2.0 ist ein extrem kompakter, per USB oder Batterie betriebener monophoner Wavetable-Synthesizer rein digitaler Natur. Die versetzte Anordnung der zwölf Regler gepaart mit den Linien zur Abgrenzung der einzelnen Bereiche zeigt bereits äußerlich die Verwandtschaft zum SKULPT und auch den früheren Modal-Synthesizern. Die Regler liegen aufgrund der kompakten Ausmaße des Gehäuses zwangsläufig relativ eng zusammen, sind dafür aber ausreichend groß, um vernünftig schrauben zu können. Für unseren Geschmack sind die Regler etwas zu leichtgängig und bieten zu wenig Drehwiderstand, dafür arbeiten sie aber kontaktlos und verschleißen deshalb nicht so schnell. Es handelt sich um Endlosregler, was aufgrund der komplexeren Möglichkeiten unter der Haube und der App-Bedienung durchaus Sinn macht. Die acht LEDs oberhalb des Touchstrips geben dabei einen Hinweis auf den aktuellen Wert, was sich im Praxiseinsatz als gangbarer Kompromiss herausstellte. Ein kleines OLED-Display wäre aber natürlich schöner gewesen. Damit alle wichtigen Parameter direkt am Gerät bedient werden können, sind die Regler dreifach belegt. Die per Shift-Taster wählbaren Zusatzfunktionen sind zum Glück direkt auf dem Gehäuse aufgedruckt.

Plastikgehäuse mit Touchstrip-Keyboard

Das Gehäuse ist aus einfachem Plastik, die „Tastatur“ ist dabei ein simpler Touchstrip. Die acht Tasten des Touchstrip-Keyboards bieten keine spürbaren Abgrenzungen oder sonstiges haptisches Feedback, wie beim SKULPT reagiert der Touchstrip auch nicht immer perfekt und erhält daher einen Minuspunkt. Immerhin gibt es für die Belegung der Tasten acht wählbare Tonarten inklusive anpassbarer Grundnote, um beim Jammen schiefe Noten auszuschließen. Vorteil der kompakten und leichten Bauweise ist, dass der CRAFTsynth 2.0 mit Abmessungen von lediglich 15 x 6,8 x 13,5 cm wirklich in jede Tasche noch mit hineinpasst. Dank Batteriebetrieb ist auch ein Jammen unterwegs möglich, alternativ kann der CRAFTsynth per USB mit Strom versorgt werden. CRAFTsynth 2.0 steht aufgrund des abgerundeten Batteriefachs auf der hinteren Unterseite grundsätzlich leicht angeschrägt zum Benutzer auf dem Desktop, einen passenden Deckel/Ständer wie beim SKULPT gibt es leider nicht.

USB, MIDI und analoger Sync

Der CRAFTsynth lässt sich bei Bedarf auch extern über ein richtiges Keyboard oder die DAW ansteuern, wenn Sie den Touchstrip umgehen wollen. Die Hardware ist Class Compliant und benötigt keine besonderen Treiber, angeschlossen über den Mini-USB-Anschluss läuft CRAFTsynth daher sowohl mit PC, Mac als auch mobilen Devices mit iOS oder Android-Betriebssystem. Übertragen wird aber nur MIDI und kein Audio. Der Ton muss über den analogen Kopfhörer- oder Line-Ausgang abgenommen werden. Diese beiden Ausgänge sind ebenso wie die analogen Sync-Anschlüsse (IN/OUT) als Miniklinken ausgeführt sind. Im Test ließ sich der CRAFTsynth damit auf Anhieb mit den Volcas von Korg und den Pocket-Operators von Teenage-Engineering synchronisieren, auch eine Verbindung mit Eurorack-Modulen war problemlos möglich. MIDI-Eingang und -Ausgang sind in normaler DIN-Größe vorhanden, die panische Suche nach den passenden Adaptern kurz vor dem Gig fällt damit weg.

Digitale Klangerzeugung mit Wavetables

Die Klangerzeugung des CRAFTsynth 2.0 ist komplett digital, was gegenüber rein analogen Synthesizern den Vorteil der Speicherbarkeit auf 64 Speicherplätzen im Gerät sowie der Programmierung via App hat. Die Grundlage bilden wie beim Vorgänger CRAFT zwei Wavetable-Oszillatoren, die in Version 2 aber mit flexibleren Wellenformen ausgestattet sind. Es gibt die virtuell-analogen Standardwellenformen Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck, zwischen denen Modal-typisch stufenlos überblendet werden kann. Hinzu kommen einige Wellenformen des ersten Modal-Synthesizers 002 sowie eine Reihe mathematisch generierter Wellen für ungewöhnliche und eigenständige Sounds, die ebenfalls morphbar sind. Die Klangerzeugung ist zwar monophon, mit Hilfe des Spread-Reglers lässt sich der Synthesizer aber auch Richtung polyphon bzw. paraphon biegen. Spread regelt die Verstimmung der Oszillatoren untereinander für dickeren Klang. Im weiteren Reglerverlauf bewirkt der Parameter eine harmonische Verteilung der Stimmen auf verschiedene Tonintervalle und Akkorde an, wie man es von Waldorf-Synthesizern wie Pulse 2 und Rocket kennt.

16 Modifiers für Klangvielfalt

Für zusätzliche Klangvariationen sorgen 16 so genannte Modifiers, die direkt auf die Oszillatoren wirken. Es stehen unter anderem Frequenz- und Phasenmodulation für durchsetzungsfähige Sounds im Stile eines Yamaha DX7 oder Casio CZ1 zur Verfügung. Oszillator-Sync ist ideal für schneidende Leads, mit Ring- und Amplitudenmodulation erzeugen Sie metallische und glockige Klänge. Für aggressive und verzerrte Sounds härterer Gangart gibt es Bitcrusher, Waveshaper und Wavefolder. Bereits auf Oszillatorebene zeigt sich der kleine Synthesizer also sehr flexibel.

Multimodefilter mit Morph-Funktion

Die verschiedenen Wellenformen können in Verbindung mit den Modifiers sehr komplexe obertonreiche Klänge erzeugen, die für eine musikalische Verwendung gezähmt werden müssen. Hierzu dient ein 2-Pol-Multimodefilter mit einstellbarer Resonanz. Zwischen den Filtertypen Tiefpass, Bandpass und Hochpass können Sie stufenlos überblenden. Dies erlaubt interessante Soundvariationen im Grenzbereich zwischen zwei Filtertypen. Wie bei SKULPT muss hierfür der Resonanz-Regler in Verbindung mit dem Shift-Taster genutzt werden, das intuitive Überblenden bei gleichzeitigem Ausprobieren verschiedener Resonanzwerte ist nicht möglich. Ansonsten überzeugt das Filter nicht nur beim Begrenzen störender Frequenzen, sondern auch mit eigenständigem Klang.

Drei Hüllkurven, zwei LFOs

In Bezug auf die Modulationsmöglichkeiten erinnert der CRAFTsynth 2.0 ebenfalls sehr an SKULPT. Die ersten beiden der drei ADSR-Hüllkurven sind Verstärker und Filter zugeordnet, die dritte Hüllkurve lässt sich über die Modulationsmatrix auf einen wählbaren Parameter routen. Die zwei LFOs erreichen Geschwindigkeiten bis in den Audiobereich, wenig überraschend erlauben sie ebenfalls ein Überblenden zwischen den einzelnen Wellenformen. Sie können im Hintergrund frei laufen oder mit jeder gespielten Note neu getriggert werden.

Modulationsmatrix und Effekte

Die beiden LFOs stehen gemeinsam mit den sechs weiteren Modulatoren Notenwert, Mod-Envelope, Anschlagdynamik, Aftertouch, Modulationsrad und Expression-Controller als Quellen in der Modulationsmatrix zur Verfügung. Sie können auf bis zu 36 Modulationsziele verteilt werden. Hierbei hat Modal bereits eine passende Vorauswahl für jeden Modulator getroffen, denn manche Parameter lassen sich beispielsweise mit Anschlagdynamik, aber nicht mit einem LFO sinnvoll modulieren. In Verbindung mit den beiden eingebauten Effekten Waveshaper zur Verzerrung sowie Delay für Verzögerungseffekte sind sehr lebendige Klänge möglich, die man der kleinen Plastikkiste auf den ersten Blick gar nicht zutraut. Wie beim SKULPT sind Signalweg einschließlich Effekte komplett in Mono ausgelegt. Ein hinter den Synthesizer geschalteter guter Stereoeffekt für mehr Tiefe und Raum bewirkt daher Wunder und lässt den CRAFTsynth 2.0 richtig teuer klingen.

Arpeggiator/Sequenzer

CRAFTsynth 2.0 hat als Spielhilfe eine Kombination aus Arpeggiator und Sequenzer eingebaut. Noten lassen sich Step-by-Step eingeben und auch Pausen sind programmierbar, die Sequenz kann anschließend mit den Tasten transponiert werden.

Bedienung per Regler oder App

Der Zugriff auf die wichtigsten Parameter ist über die 12 Regler und die Taster möglich, nach kurzer Eingewöhnung an die unkonventionelle Anordnung geht die Erstellung einfacher Sounds schnell von der Hand. Für komplexere Funktionen wie die Zuordnungen in der Modulationsmatrix ist die kostenlose App für macOS, Windows, iOS und Android zuständig, die quasi das fehlende Display ersetzt. Ein passendes Mobilgerät sollte daher, falls noch nicht vorhanden, mit eingeplant werden. Insbesondere im Android-Bereich gibt es mittlerweile sehr günstige Geräte, sodass dies keine große Hürde darstellt, selbst wenn Sie noch über kein passendes Smartphone, Tablet oder Notebook verfügen. Die App ist universell für alle Modal-Synthesizer einsetzbar, CRAFTsynth 2.0 und SKULPT ließen sich im Test ohne Probleme auch parallel darüber ansprechen. Der visuelle Überblick über die Details der Klangerzeugung ist ein großer Vorteil, alle Einstellungen sind dank Touchscreen schnell erledigt. Und der Akku des Mobilgerätes kann dabei auch gleich die Stromversorgung des kleinen Synthesizers übernehmen, wenn Sie gerade keine passenden Batterien zur Hand haben.

Digitale Sounds mit Charakter

Die 64 Presets geben einen guten Überblick über die Klangmöglichkeiten des CRAFTsynth 2.0. Zwar kann er auch klassische analoge Klänge emulieren, die Stärken liegen aber ganz klar im Bereich digitaler Sounds. Die morphbaren Wellenformen des Modal 002 und die generativen Wellenformen ermöglichen in Verbindung mit den verschiedenen Modifiers komplexe und bisher ungehörte Klänge, die sich gut gegen analoge Standard-Sounds durchsetzen und diese perfekt ergänzen. Schneidende Leads, trockene Bässe, Chipsound-Sequenzen und eiskalte Ambientpads sind im Handumdrehen erstellt, wobei die eingebaute Random-Funktion einen guten Startpunkt liefern kann. Das charakteristische Filter mit den speziellen Zwischenstufen der Morph-Funktion sowie die eingebauten Effekte geben den zusätzlichen Feinschliff, ein nachgeschaltetes gutes Effektgerät lässt das Ganze deutlich größer und teurer klingen als CRAFTsynth 2.0 tatsächlich ist. Während sich das Schwestermodell SKULPT bei einem Preis von knapp 300 Euro starker Konkurrenz insbesondere von Arturias MicroFreak erwehren muss, ist CRAFTsynth 2.0 mit einem aktuellen Straßenpreis von 137 Euro deutlich günstiger. Und in dieser Preisklasse gibt es kaum vergleichbar komplexe Klangerzeuger im Hardware-Format. IK Multimedia Uno Synth bietet ähnlich simple Hardware, aber eine weniger flexible Klangerzeugung. Gleiches gilt für Korgs Volca-Serie, hier kommt am ehesten noch der Volca FM in Betracht, dessen tiefer gehende Bedienung aber fummeliger ist. Da die Programmierung komplexerer Klänge beim CRAFTsynth aber ohnehin ein Mobilgerät voraussetzt, sehen wir die direkte Konkurrenz eher in der Benutzung eines iPads mit eigenständiger App wie Animoog oder Waldorf Nave.

Bewertung
Name
Modal Electronics CRAFTsynth 2.0
Pro
  • flexible Wavetables
  • 16 Modifier
  • Morph-Filter
  • Sequenzer/Arpeggiator
  • USB-powered
  • Delay & Waveshaper
  • analoge Sync-Anschlüsse
  • App für alle Betriebssysteme
Contra
  • Haptik des Touchstrips
Preis
137 EUR
Fazit

Ein digitaler Mono-Synthesizer im einfachen Plastikgehäuse, das klingt auf dem Papier wenig verlockend. CRAFTsynth 2.0 rechtfertigt sich in der Praxis aber durch einen sehr flexiblen und vor allem eigenständigen Klang, insbesondere wenn Sie den kleinen Synthesizer noch mit externen Effekten aufhübschen. Das extrem kompakte und leichte Gerät passt in jeden Rucksack und kann mit Batterien auch unterwegs genutzt werden, in Verbindung mit Smartphone und App macht die Programmierung eigener unverwechselbarer Sounds richtig Spaß!

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