Test

Test: IK Multimedia UNO Drumsynth - Vereint analog und digital

UNO Drum von IK Multimedia ist eine Hardware-Drummachine mit zwölf Instrumenten für die Kreation elektronischer Beats. Als zweites Produkt der UNO-Serie soll UNO Drum in erster Linie den UNO Synth ergänzen, kann aber natürlich über USB und MIDI auch mit jedem anderen Equipment genutzt werden.

Kompakt und leicht

UNO Drum ist sehr kompakt und leicht ausgefallen. Da die Stromversorgung per USB oder sogar Batterien erfolgen kann, ist der Drumcomputer auch bestens für den mobilen Einsatz geeignet. UNO Drum entspricht in den Abmessungen dem UNO Synth und ist damit knapp ein Drittel größer als die Korg Volcas, mit einem Gewicht von unter 400 Gramm aber ebenso leicht und passt daher auch in jede Tasche. Das Gehäuse ist im vorderen Bereich gerade einmal 1,5 Zentimeter hoch, im hinteren Bereich aufgrund des fest integrierten Ständers und der Regler knapp 5 Zentimeter. Dadurch steht der kleine Drumcomputer leicht angeschrägt zum Nutzer hin auf dem Desktop, was die Bedienung erleichtert.

Multitouch-Tastatur, Performance-Taster

Editiert wird UNO Drum mit 7 Drehreglern sowie einer kapazitiven Multitouch-Tastatur. Die Unterteilung in 16 Taster im unteren Bereich ist dabei für die Programmierung des Sequenzers im klassischen X0X-Stil zuständig, zwölf größere Tastenfelder dienen zum Triggern der Drumsounds. Die „Drumpads“ sind zweigeteilt, um Drumsounds in zwei unterschiedlichen Lautstärken wiederzugeben. Dies soll die fehlende Anschlagdynamik kompensieren und ist bei Bedarf abschaltbar. Da die Tastenfelder keine spürbare Abgrenzung oder Erhöhung haben und auch keine physische Rückmeldung bei Betätigung geben, sind sie für Finger-Drumming aber ohnehin nur sehr eingeschränkt geeignet.

Keine Einzelausgänge

Sämtliche Anschlüsse sind auf der Rückseite angesiedelt. Neben einem kombinierten Kopfhörer-/Line-Ausgang gibt es einen Audioeingang, um externe Signale einzuschleifen. Wie bei Rolands Boutique-Synthesizern wird das externe Audiosignal gemeinsam mit der Klangerzeugung am Ausgang ausgegeben, aber nicht in den Signalpfad eingeschleift. Der Eingang ist wie der Ausgang nur Mono ausgelegt und damit für das Einschleifen anderer Synthesizer wie den UNO Synth und Drumcomputer gedacht, aber nicht für Backing-Tracks in Stereo geeignet. Zudem muss der Synthesizer ausreichend Ausgangspegel mitbringen, ein zum Testen direkt angeschlossener Volca Keys klang deutlich zu leise im Vergleich zu den internen Sounds von UNO Drum. Der Mono-Ausgang bedeutet leider auch, dass eine Verteilung der Sounds im Stereopanorama nicht möglich ist. Einzelausgänge gibt es ebenfalls nicht. Das ist bedauerlich, da analoge Drumsounds von entsprechender Nachbearbeitung durch externe Dynamikprozessoren, Verzerrer oder andere Effekte extrem profitieren können.

Stromversorgung per USB oder Batterie

MIDI-Eingang und -Ausgang sind ebenfalls als 3,5mm-Klinkenbuchsen ausgelegt, passende Adapter auf DIN werden mitgeliefert. Der MicroUSB-Anschluss dient dem Anschluss an den Computer, UNO Drum kann dann per USB-MIDI von der DAW angesteuert werden. Der Computer übernimmt dabei auch die Stromversorgung via USB, im Test hatten wir dabei aber mit Störgeräuschen (USB-Rauschen) zu kämpfen, das bei Batteriebetrieb nicht auftrat. Eine Treiberinstallation ist nicht notwendig, da UNO class-compliant ist. Alternativ ist bei computerlosem Setup eine Stromversorgung per USB-Netzteil möglich, das allerdings nicht mitgeliefert wird. Im Test hat die Stromversorgung mit einem einfachen Handy-Netzteil aber problemlos funktioniert. Für unterwegs ist auch Batteriebetrieb mit 4 AA-Batterien möglich, Allerdings zeigte sich UNO Drum im Test als Batteriefresser, handelsübliche Alkali-Batterien reichten im normalen Betrieb für weniger als 2 Stunden. Analoge Trigger- oder CV/Gate-Anschlüsse besitzt UNO Drum nicht.

Hybride Klangerzeugung

In Bezug auf Anschlüsse, Verarbeitung und Haptik wurde ohne Zweifel der Rotstift angesetzt, um den Preis niedrig zu halten. Punkten kann UNO Drum dagegen bei der Klangerzeugung, die flexibler ausgefallen ist als bei der Konkurrenz in dieser Preisklasse. UNO Drum kombiniert analoge und Sample-basierte Instrumente. 12 verschiedene Drumsounds stehen zur Verfügung, von denen Sie bis zu 11 gleichzeitig spielen können (die Hi-Hats teilen sich eine Stimme). Die beiden Kicks, Snare, Clap sowie offene und geschlossene Hi-Hat werden analog erzeugt. Die weiteren Drumsounds wie Toms, Rimshot, Ride, Crash und die unvermeidliche Cowbell sind dagegen digital. 54 PCM-Samples sind in UNO Drum integriert, der Import eigener Samples ist aktuell nicht möglich. Für jede der zwölf Spuren können Sie zwischen fünf Sounds wählen, also beispielsweise für den Clap-Track statt der analogen Version ein Clap-Sample nehmen. Die passenden Samples sind allerdings thematisch an die jeweilige Spur gebunden, Sie können also nicht eine analoge Clap mit einer digitalen Clap kombinieren, indem Sie das Sample auf eine andere freie Spur laden. Diese feste Zuordnung erleichtert zwar die schnelle Bedienung, macht die Erstellung von Kits aber unflexibler als es eigentlich sein muss.

Analoge Sounds mit flexibler Kick

Die analogen Sounds lassen sich in Lautstärke, Tonhöhe (außer Clap) und Abklingzeit anpassen. Die analogen Kicks und Snare verfügen zusätzlich über einen Snap-Parameter zur Regelung des Rauschanteils, der bei der Snare mit einem Tiefpassfilter noch weiter bearbeitet werden kann. Die beiden Kicks orientieren sich an der TR-808 und TR-909 von Roland. Diese Kombination ist mittlerweile bewährt bei modernen analogen Drumcomputern und findet sich in ähnlicher Form auch im direkten Konkurrenten Arturia DrumBrute. Kick 1 ist bei UNO Drum die 909-Variante für knackige und treibende Techno-Kicks. Als Schmankerl verfügt Kick 1 auch über die Möglichkeit der Frequenzmodulation und einen Sweep-Parameter. Dies erweitert die klanglichen Möglichkeiten deutlich und ermöglicht auch Bassdrums abseits der bewährten und bekannten Sounds, die sich gut für Electro oder EBM/Industrial eignen. Kick 2 ist in Anlehnung an die TR-808 besonders für die ganz tiefen und langen Bassdrums und Sub-Bässe optimiert, wichtigster Parameter ist hier Decay für eine lange Ausklingphase. Die Snare klingt zwar schön analog-organisch, ist aber etwas schwach auf der Brust und für kräftige Sounds mit Durchschlagskraft weniger geeignet. Dieses Schicksal teilt sie mit ihrem Pendant im Drumbrute, wobei dort dank Einzelausgang aber zumindest noch ein externer Kompressor nachhelfen kann. Dafür hat UNO Drum die Option, auf ein durchsetzungsfähiges Sample zurückzugreifen. Noch schöner wäre eine Kombination aus analoger Snare und Snare-Sample gewesen, dies ist im Konzept aber leider nicht vorgesehen.

Samples mit Vintage-Auflösung

Die eingebauten Samples stammen aus der hauseigenen Software Sampletank und haben eher Retro-Charakter mit deutlichem Schwerpunkt auf den 80er und 90er Jahren. Dies liegt nicht nur an der Soundauswahl, sondern auch der nach heutigen Maßstäben eingeschränkten Auflösung von 32 kHz bei 12 Bit. Dadurch erhalten sie den typischen kernigen, leicht komprimiert wirkenden Sound der damaligen Zeit, der unter anderem alte Drumsampler wie die Akai S900/950 sowie die frühen MPC-Modelle heutzutage wieder so beliebt macht. Umso bedauerlicher ist das Fehlen von Einzelausgängen, um beispielsweise ein Snare-Sample mit der in den 80ern obligatorischen langen Hallfahne zu versehen. Wer kristallklare Hats oder realistisch klingende Snares sucht, ist bei UNO Drum dagegen falsch.

Sequenzer mit bis zu 64 Steps

Neben der Klangerzeugung ist der eingebaute Sequenzer ein tragendes Element eines Drumcomputers. Die Länge der Sequenz kann bei UNO Drum bis zu 64 Steps betragen. Die untere Reihe mit 16 Tastern bildet dabei immer 16 Steps der Sequenz ab, die eingebauten LEDs fungieren als Lauflicht. Sequenzen lassen sich für jede Spur in klassischer Form der alten Roland TR-Maschinen über die Taster eingeben oder in Echtzeit über die Pads einspielen. Hierbei ist das zuschaltbare Metronom hilfreich, das allerdings etwas lauter sein könnte. Auch ist zu beachten, dass UNO Drum sowohl Noten als auch Automationen relativ hart quantisiert, was sich auch nicht vom Nutzer beeinflussen oder abstellen lässt und natürlich klingende Grooves erschwert. Dies ist aber verschmerzbar, da das Konzept von UNO Drum ohnehin auf klassische elektronische Drumcomputer-Beats ausgelegt ist.

Automation mit Parameter-Lock, Groove-Tools

Parameteränderungen beispielsweise der Decay-Zeit oder des Tunings können ebenso aufgezeichnet werden wie Velocity. Hierfür drehen Sie bei der Aufnahme einfach die entsprechenden Regler. Ähnlich wie beim Parameter-Lock der Elektron-Geräte können Sie auch eine der Step-Tasten gedrückt halten, einen oder mehrere Parameter per Regler verändern und so diese Werte für den Step einprogrammieren. Praktischerweise lässt sich die Automation separat für jede Spur auch wieder löschen und neu programmieren. Ein Swing-Parameter sowie eine Humanize-Funktion sorgen für den richtigen Groove, bei kreativer Hemmung lassen sich per Random auch automatisch Pattern erstellen. Rolls lassen sich durch die von der MPC bekannte Note-Repeat-Funktion aktivieren – perfekt für Drum-Rolls und Snare-Fills. UNO Drum bietet für diese sogar acht verschiedene rhythmische Pattern zur Auswahl.

Analoger 1-Knob-Kompressor und Verzerrer

UNO Drum hat auch drei Master-Effekte eingebaut, die auf die Summe aller Tracks gemeinsam wirken. Stutter ist ein weiterer Perfomance-Effekt in Form eines Loopers, der einen bestimmten Teil des Pattern in Schleife wiederholt. Auch hierbei stehen acht Variationen für den Loop zur Verfügung, zudem lässt sich mit Amount die Auswirkung auf die einzelnen Spuren beeinflussen. Mindestens ebenso interessant sind die beiden analogen Audioeffekte. Mit Drive lässt sich das Audiosignal verzerren, von leichter Sättigung bis hin zu kräftiger Distortion. Der analoge Kompressor verdichtet das Signal, schweißt die einzelnen Elemente zusammen und sorgt für zusätzlichen Punch. Kompressor und Drive besitzen keine tiefer gehenden Einstellmöglichkeiten und werden jeweils mit nur einem Regler bedient.

UNO Drum im Praxistest

Haptik und Bedienung entsprechen dem aufgerufenen Preis. Die Plastikregler fühlen sich nicht sonderlich hochwertig an, sind aber ausreichend groß und setzen Wertänderungen zuverlässig um. Die unterteilte Multitouch-Oberfläche verrichtete ihren Dienst im Testzeitraum ebenfalls anstandslos, ist in Sachen Haptik und Reaktionsfreudigkeit aber natürlich nicht mit richtigen Drumpads vergleichbar. Die Bedienung geht nach kurzer Einarbeitungszeit schnell von der Hand. Klanglich hat uns die Kombination aus analogen Sounds und Samples gut gefallen. Der Sequenzer unterstützte in Verbindung mit der Parameter-Aufnahme und den Performance-Effekten das schnelle Erstellen treibender Beats mit ordentlich Tiefgang.

Alternativen

Wenn es ihnen hauptsächlich um die analoge Klangerzeugung geht, ist der Arturia DrumBrute bzw. die kleine Variante Impact wohl die bessere Wahl. Die Arturia-Geräte bieten deutlich bessere Hardware und Haptik und mehr Anschlussmöglichkeiten inklusive Einzelausgängen. Kommt es Ihnen besonders auf das kompakte und transportable Format an, stehen von Korg der Volca Beat (analog), Volca Drum (digital) und Volca Sample zur Auswahl. Sample-basiert zeigen sich Elektrons Model:Sample und Digitakt sowie Rolands TR8s flexibler, allerdings müssen Sie hierfür auch mehr zahlen und auf die analoge Klangerzeugung verzichten. Rolands kompakter Boutique-Drumcomputer TR-09 stellt mit virtuell-analoger Klangerzeugung und einigen Samples möglicherweise auch eine Alternative dar, ist aber neu nur noch schwer zu bekommen.

Bewertung
Name
IK Multimedia UNO Drum
Pro
  • kräftiger Analog-Sound
  • Kick mit FM
  • 54 Samples
  • Sequenzer mit 64 Steps
  • Parameter-Lock
  • Performance-Effekte
  • analoger Kompressor
  • Batteriebetrieb
  • klein, leicht, mobil
Contra
  • Haptik
  • nur ein Monoausgang
Preis
249,99 EUR
Fazit

UNO Drum ist ein eigenständiger Drumcomputer mit hybrider Klangerzeugung zum günstigen Preis. Die kleine Plastikkiste bietet kraftvollen Analogsound mit Charakter, der mit PCM-Samples in kerniger 12-Bit/32-kHz-Auflösung sinnvoll ergänzt wird. Der Sequenzer nimmt neben Triggernoten auch mehrere Klangparameter per Step auf und ermöglicht zusammen mit den Performance-Effekten wie Stutter und Humanize sowie analogem Kompressor und Drive druckvolle und flexible Beats mit deutlichem 80er und 90er-Jahre-Touch. HighEnd-Sound oder professionelle Haptik dürfen Sie allerdings nicht erwarten, auch bezüglich der Anschlüsse zeigt sich UNO Drum spartanisch.

www.ikmultimedia.com

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