Test

Test: Elektron Model:Cycles - Fetter Drummer im Taschenformat

Elektron hat bereits mit dem Digitone gezeigt, wie man die eher sperrige und schwer ausrechenbare FM-Synthese zugänglicher machen kann. Model:Cycles greift diese Idee auf, wie schon beim Model:Samples wurde besonderes Augenmerk auf eine einfache Bedienung durch direkten Zugriff auf alle relevanten Klangparameter und Funktionen gelegt. Auch preislich ist der Model:Cycles (Jetzt auf Thomann ansehen) attraktiver und kostet aktuell nicht einmal die Hälfte der Desktop-Variante des Digitone.

Günstige FM-Groovebox

Eingespart wurde vor allem bei Gehäuse und Bedienelementen. Während die teureren Elektron-Geräte mit Metallgehäuse und Hartplastik-Tastern für den täglichen Bühneneinsatz konzipiert und nahezu unkaputtbar sind, sitzt der Model:Cycles im gleichen klobigen Kunststoffgehäuse wie der Model:Samples, diesmal aber mit grauer Farbgebung. Sonderlich sexy ist das nicht, da helfen auch die mitgelieferten Aufkleber zum Modifizieren wenig. Auch die orange hintergrundbeleuchteten Taster sind etwas wabbelig. Dafür erleichtert das geringe Gewicht von deutlich unter einem Kilogramm den Transport.

Die sechs anschlagdynamischen Pads spielen sich recht gut mit eher hartem Widerstand wie bei einer MPC, hohe Velocity-Werte erfordern einen gewissen Kraftaufwand. Die gummierten Encoder, von denen es 16 Stück und damit deutlich mehr als bei Digitone & Co. gibt, bieten eine angenehme Haptik.

Kein Overbridge

An Anschlüssen steht ein Stereo- und ein Kopfhörerausgang zur Verfügung. Über den USB-Anschluss kann sowohl MIDI als auch Audio übertragen werden, allerdings nur Stereo und nicht als Einzelspuren. Eine Overbridge-Einbindung bleibt den größeren Elektron-Geräten vorbehalten. Dafür benötigt Model:Cycles keine speziellen Treiber und kann auch an ein iPad angeschlossen werden. Praktischerweise kann dabei auch der Audioausgang des Computers über den Ausgang des Model:Cycles ausgespielt werden, die kleine Kiste dient dann als 2/2-Audiointerface. Die Auflösung entspricht mit 24bit/48 kHz der internen Auflösung der FM-Klangerzeugung. MIDI IN und OUT/THRU sind als Miniklinke vorhanden, allerdings liefert Elektron nur einen einzigen Adapter auf DIN mit. Immerhin lassen sich die Anschlüsse zwischen den beiden Formaten A und B umschalten bzw. erkennen dies automatisch, dickes Lob dafür! Die Stromversorgung erfolgt per Netzteil oder passendem Akkupack, der Strom über USB reicht nicht aus.

Leider steht das Gerät nicht so rutschfest auf dem Desktop wie die Elektron-Geräte mit Metallgehäuse, und auch der Micro-USB-Anschluss neigt ein wenig zum unerwünschten Herausrutschen. Im Heimstudio ist das aber verschmerzbar.

Sechs Maschinen

Elektron Model:Cycles (auf Thomann ansehen) ist eine Drum-Machine bzw. Groovebox mit sechs Instrumenten, die allesamt auf FM-Tonerzeugung basieren und jeweils mit eigener Sequenzerspur ausgestattet sind. Wie bei Machinedrum und Analog Rytm gibt es verschiedene Algorithmen (Machines): Kick, Snare, Metal, Percussion, Tone und Chord stehen für jeden der sechs Tracks zur Auswahl. Sie können also auch Grooves mit zwei Kicks und vier Percussion-Sounds machen.

Sechs Klangparameter

Jede der Machines bietet die sechs Parameter Pitch, Decay, Color, Shape, Sweep und Contour, deren klangliche Auswirkungen sich aber abhängig vom gewählten Instrument teils deutlich unterscheiden. Denn jede Machine beruht auf einer anderen Verschaltung der in unterschiedlicher Anzahl vorhandenen Operatoren. Mit dem Color-Regler passen Sie in den meisten Fällen das Verhältnis der Tonhöhen zwischen den Operatoren an, Shape dagegen bestimmt die Stärke der Modulation oder dient zur Auswahl eines passenden Akkords. Sweep kümmert sich dagegen um den Verlauf der Tonhöhe oder regelt das Feedback, während Sie mit Contour die Modulation per Hüllkurve einstellen.

Fetter, organischer Sound

Das klangliche Ergebnis sind satte, fette und auch ultratiefe Kicks, Toms und Bässe, die jeder analogen Drum-Machine Konkurrenz machen. Aber auch sehr organisch klingende Percussion und natürlich alle Arten von metallischen Klängen sind im Handumdrehen geschraubt. Elektron hat hier sehr gute Arbeit geleistet und eine Abstimmung gefunden, die fast immer zu musikalisch brauchbaren Ergebnissen führt – das ist nicht unbedingt selbstverständlich bei der FM-Synthese. Lediglich die Snare-Machine konnte uns nicht ganz überzeugen, hierfür ist FM aber auch nicht unbedingt perfekt geeignet. Eine Clap-Machine hat uns auch ein wenig gefehlt.

Akkorde und Effekte

Für Bässe, Leads und Arpeggios ist die Tone-Engine mit zwei Operatoren geeignet, während die vierstimmig polyphone Chord-Machine mit Wavetable-Option eine Auswahl an Akkorden bietet und für passende Harmonien und House-Chords sorgt. Hinzu kommt pro Instrument ein frei zuweisbarer LFO mit sieben Wellenformen, der sich auf 13 Modulationsziele routen lässt. Als globale Effekte gibt es je ein Delay- und ein Reverb, mit zwei Reglern für den direkten Zugriff auf Größe und Ton des Halls sowie Verzögerungszeit und Feedback des Delays. Jeder Track verfügt über individuell einstellbare Sends, um die Effekte zu beschicken sowie einen kombinierten Volume-Encoder, mit dem Sie auch das gut klingende Distortion jeder Spur hinzumischen.

MIDI-Spuren

Die oberste Ebene beim Model:Cycles nennt sich Project und umfasst 96 Pattern mit jeweils sechs Spuren und 70 Presets. Bis zu 96 Projekte lassen sich auf dem +Drive speichern. Elektron-typisch ist jedes Pattern bis zu 64 Steps lang, wobei jede Spur eine andere Länge haben kann. Dies ist auch direkt über die 16 Steptaster einstellbar und erlaubt Polyrhythmen bei laufendem Sequenzer. Jede Spur steuert entweder eine FM-Machine an oder gibt MIDI-Signale zum Triggern externer Hardware aus, allerdings beschränkt auf Note, Länge und Velocity.

Sequenzer mit Parameter-Lock

Sequenzer mit Parameter-Lock Sequenzen können Sie in Echtzeit einspielen, auch in verschiedenen Tonhöhen über die 16 Steptaster. Im Grid-Modus lässt sich jeder Step der Sequenz umfangreich bearbeiten, das bekannte Parameter-Lock ermöglicht Klangveränderungen individuell für jeden Schritt. Das macht Model:Cycles (Jetzt bei Thomann kaufen) besonders spannend, da bei FM-Synthese bereits kleinere Änderungen große Auswirkungen auf den Klang haben können. Hier muss man aufgrund der großen Dynamik nur aufpassen, den Ausgang nicht unschön digital zu verzerren. Der eingebaute Kompressor sorgt zwar für schöne Klangfärbung, funktioniert aber nicht als Limiter. Auch Effektparameter lassen sich „locken“, z. B. ein großer Hall nur auf der letzten Snare im vierten Takt.

Trigger-Conditions

Einen Schritt weiter geht Preset-Lock, hiermit können Sie für jeden Step einer Spur ein anderes Preset wählen und so die Beschränkung auf sechs Spuren ein wenig aushebeln, indem Sie mehrere Sounds auf einem Track kombinieren. Per Trigger-Condition programmieren Sie zusätzliche Steps, die z. B. nur bei jedem dritten Durchlauf des Pattern oder zufällig mit einstellbarer Wahrscheinlichkeit oder nur bei Fills erklingen. Chance regelt dies für alle Steps gemeinsam, sodass sich stetig verändernde abwechslungsreiche Grooves programmieren lassen. Auch eine Retrigger-Funktion ist an Bord, und das Micro-Timing einzelner Steps lässt sich direkt ohne Menü-Diving verändern, um eben mal schnell Ghost-Notes zu setzen oder eine Snare vorziehen. Hier spielen die vielen Drehregler ihren Vorteil aus, die Bedienung ist intuitiv. Vermisst haben wir einen Songmodus, die nicht speicherbaren und schwer zu programmierenden Pattern-Chains sind da nur ein eingeschränkter Ersatz.

Direkte Bedienung

Die Bedienung erfolgt mit Hilfe der Taster, Regler und des LC-Displays. Letzteres ist mit 128x64 Pixeln doch recht klein geraten und auch nicht sonderlich gut ablesbar. Da der Model:Cycles aber für Elektron-Verhältnisse mit relativ viel Reglern ausgestattet ist und alle wichtigen Funktionen und Klangparameter im direkten Zugriff stehen, geht die grundlegende Bedienung bereits nach kurzer Einarbeitungszeit sehr flüssig von der Hand. Zwar muss für speziellere Funktionen der FUNC-Taster in Kombination mit anderen Bedienelementen genutzt werden, was gewisse Verrenkungen erfordert und den Spielspaß dann wieder ein wenig einschränken kann. Wer aber die „großen“ Geräte von Elektron kennt, für den ist die Bedienung des Model:Cycles ein Kinderspiel. Und selbst diejenigen, die aufgrund er komplexen und doch sehr speziellen Bedienung und Speicherhierarchie bisher die Finger von einem Elektron-Gerät gelassen haben, könnten durchaus ihre Freude am Model:Cycles haben.

Fazit

Model:Cycles überzeugt mit für Elektron-Verhältnisse intuitiver Bedienung ohne viel Menü-Diving, wovon auch der komplexe Sequenzer profitiert. Elektron hat es dabei geschafft, die FM-Synthese beherrschbar zu machen, was sowohl für satte und druckvolle als auch außergewöhnliche Drumsounds und sogar Bässe und Akkorde sorgt. Bereits ohne weitere Nachbearbeitung tönt Model:Cycles überraschend fett aus den Boxen und muss sich vor der analogen und sample-basierten Konkurrenz keinesfalls verstecken. Abstriche müssen preisbedingt bei der Hardware gemacht werden, die nicht die Elektron-übliche robuste und wertige Qualität aufweist. Wer bessere Verarbeitung, eine Einbindung via Overbridge inkl. Einzelspuren sowie echte Polyphonie wünscht, kann auf den doppelt so teuren Digitone ausweichen. Wer aber auf direkten Zugriff über viele Regler und Taster Wert legt und/oder nur ein beschränktes Budget hat, bekommt mit dem Model:Cycles (Weitere Infos auf Thomann) einen außergewöhnlich potenten und eigenständigen Drumcomputer zum fairen Preis.

Zweite Meinung gefällig? Bei unseren Kollegen von Amazona können Sie einen weiteren Testbericht zu diesem Produkt lesen.

Bewertung
Name
Elektron Model:Cycles
Pro
  • direkte Bedienung
  • außergewöhnlicher Sound
  • FM-Machines
  • Sequenzer mit Extras
  • Sequenzer sendet MIDI
  • günstiger Preis
Contra
  • kein Song-Modus
Preis
321 EUR
Bewertung
(92%)
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