Test

Test: Behringer WASP Deluxe - Fieses analoges Biest?

Zwischen seinen Nachbauten legendärer analoger Synthesizern und Drumcomputer überrascht uns Uli Behringer auch gerne mal mit einem Exoten. Der vom kreativen Chris Huggett (u.a. verantwortlich für den OSCar oder aktuell Novation Peak und Summit) Ende der 70er Jahre entwickelte WASP war aufgrund des grellgelben Plastikgehäuses billigster Bauart kaum zu übersehen, und genauso giftig wie die Farbe war auch der Klang. Behringer lässt die Wespe in der vor allem hardwareseitig deutlich verbesserten Deluxe-Version neu aufleben.

Eurorack-Format

Offensichtlicher Unterschied zum Original ist die fehlende Tastatur. So lässt sich Behringers WASP Deluxe platzsparend auf dem Desktop platzieren oder in ein Eurorack einbauen. WASP gehört dabei mit 37,4 cm bzw. 70 TE Breite gemeinsam mit Cat und Model D zu den schmaleren Behringer-Synthesizern, lässt sich also relativ platzsparend einbauen. Die Patchmöglichkeiten sind allerdings begrenzt, neben einzelnen Ausgängen für jeden der zwei Oszillatoren gibt es noch einen Eingang, um externes Audio durch das Filter des WASP zu schicken. Ein Ansteuern per CV/Gate ist leider nicht vorgesehen. Für den aktuellen Neupreis von deutlich unter 300 Euro ist WASP trotzdem eine interessante Option, um ein Modularsystem um die außergewöhnlich klingenden digitalen Oszillatoren und das sehr spezielle Multimode-Filter zu ergänzen. Man muss aber eben einen CV-MIDI-Converter einplanen, hier hat Behringer aus unserer Sicht Potential verschenkt.

Frontanschlüsse

Aufgrund der Option des Eurorack-Einbaus sind alle Eingänge und -Ausgänge von der Front aus zugänglich. Wie beim Octave Cat sind auch MIDI-IN und -THRU sowie USB auf der Front platziert, was vor allem Firmware-Updates bei Rackeinbau erleichtert. MIDI ist leider beschränkt auf NoteOn/Off und Pitchbend. Auf der Rückseite befinden sich vier DIP-Schalter zur Einstellung des MIDI-Kanals, zwei zusätzliche Audioausgänge (High/Low) in Form von 6,3mm-Klinkenbuchsen und der Anschluss für das externe Netzteil.

Hybride Klangerzeugung

Die Klangerzeugung wurde nahezu identisch vom Original übernommen. Die Basis bilden zwei digitale Oszillatoren. Das mag zunächst überraschen, zieht sich aber wie ein roter Faden durch das Schaffen von Chris Hugget. Auch der OSCar, Peak und Summit arbeiten mit digitalen Oszillatoren, was ihrem „analogen“ Sound aber keinen Abbruch leistet. In der Neuauflage des WASP sind also nicht die gleichen 3340/3320er-Chips verbaut wie in den anderen Analog-Klonen von Behringer, entsprechend hebt sich der WASP Deluxe klanglich auch deutlicher von seinen Brüdern ab. Die Oszillatoren stellen die Wellenformen Rechteck und Sägezahn zur Verfügung, wobei die Pulsweite leider nur manuell angepasst werden kann und nicht modulierbar ist. Deshalb besitzt der WASP Deluxe eine Enhanced-Option, in der ein unter der Haube versteckter und nicht direkt zugänglicher LFO die PWM übernimmt. Ein weiterer LFO mit 6 Wellenformen übernimmt die Pitch- und Filtermodulation.

Analoges Charakterfilter

Beide Oszillatoren lassen sich mit einem Rauschgenerator oder einem externen Audiosignal mischen, bevor sie im analogen Filter landen. Und dieses Multimode-Filter hat es in sich. Ähnlich wie beim Korg MS20, bei dessen Entwicklung ebenfalls in erster Linie ein möglichst günstiger Preis im Mittelpunkt stand, kann es herrlich harmonisch verzerren, aber auch richtig fies kreischen. Gemeinsam mit den sehr speziell klingenden Oszillatoren (digitale Technik war damals ja noch in den Kinderschuhen) erhalten Sie dadurch einen Charaktersound, den man entweder liebt oder hasst, aber auf jeden Fall immer wiedererkennt. Die beiden Hüllkurven wirken dagegen schon fast unspektakulär, obwohl sie mit Hold, Delay und vor allem der Repeat-Funktion durchaus interessante Optionen bieten. Über zwei weitere Regler lassen sich Bend und Glide für fließende Tonhöhenänderungen anpassen.

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Fazit

Auch wenn es Behringer ehrt, einen solch speziellen Synthesizer wie den WASP nachzubauen, wirkt das Endprodukt etwas unausgegoren. Zwar reproduziert der Klon den außergewöhnlichen Sound des Originals sehr gut, eine Erweiterung der damals aus Kostengründen sehr beschränkten Klangerzeugung hätte den Synthesizer aber deutlich interessanter gemacht. Zumindest CV/Gate-Ansteuerung wäre hier Pflicht gewesen, um WASP Deluxe gewinnbringend in ein Modularsystem einzubinden. Wenn Sie nicht unbedingt den speziellen Sound des WASP originalgetreu brauchen, erscheinen andere Behringer-Synthesizer wie K2, Cat oder Pro-1 als bessere Wahl.

Bewertung
Name
Behringer Wasp Deluxe
Pro
  • spezieller Sound
  • Multimodefilter
  • Eurorack-Format
  • Verarbeitung
Contra
  • kein CV/Gate
Preis
270 EUR
Bewertung
(83%)
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