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Test: Analogue Solutions Leipzig V3 - Kompromisslos analog

Leipzig V3 kombiniert eine rein analoge Klangerzeugung mit einer speziellen Sequenzer-Kombination und einer neu hinzugekommenen kleinen Patchbay. Wie von Analogue Solutions gewohnt ist nicht nur der Signalweg pur analog, sondern im Gegensatz zu vielen aktuellen Analogsynthesizern wird auch bei LFOs und Hüllkurven auf digitale Technik verzichtet. Das macht die Synthesizer zwar etwas teurer, garantiert aber den rohen und unverfälschten Analogsound als Markenzeichen der 1-Mann-Firma von Tom Carpenter. Entsprechend handelt es sich bei den beiden Oszillatoren, die den Kern der Klangerzeugung bilden, auch nicht um digital kontrollierte DCOs, sondern um spannungskontrollierte VCOs. Sie sind daher weniger stimmstabil, nicht perfekt oktavrein und klingen bei jedem Tastendruck etwas anders, was aber gerade den Charme und die Organik der typischen Sequenzen ausmacht.

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Eigenständig und kräftig

Obwohl Architektur und Optik an Vintage-Klassiker wie den Minimoog erinnern, möchte der Leipzig durch einen eigenständigen Klang begeistern. Und schon beim ersten Antesten zeigt sich mal wieder, dass der Entwickler selbst ein Liebhaber von Electronic Body Music sowie Synthpop und Techno alter Schule ist. Denn Leipzig ist prädestiniert für die treibenden Basslinien, Sequenzen und Percussion, die diese Musikrichtungen auszeichnen. Überraschend dabei ist aber die Vielseitigkeit des Desktop-Synthesizers, trotz der auf den ersten Blick recht beschränkten Klangerzeugung.

Klassischer Aufbau

Zwei Oszillatoren, ein Suboszillator sowie ein Rauschgenerator stehen zur Verfügung. Es folgen Mixer, ein Transistor-Ladder-Filter und eine Verstärkerschaltung im Signalweg. Für Modulationen wurden ein LFO, zwei Hüllkurven und ein kleiner Step-Sequenzer eingebaut. Auf den ersten Blick also ein vollständiges, aber nicht besonders innovatives Konzept, das beim Leipzig V3 größtenteils unverändert vom Vorgänger übernommen wurde. Dennoch erfreut sich der Leipzig-S mit seinem kräftigen und bei Bedarf verzerrten Sounds mittlerweile vor allem bei Liebhabern härterer Spielarten des Techno und EBM einer gewissen Beliebtheit.

Robustes Metallgehäuse

Das Äußere des Leipzig V3 wirkt bodenständig. Sein schwarzes Gehäuse besteht komplett aus Metall und ist allein zur Aufstellung auf dem Desktop ausgelegt. Die Rack-Option des Leipzig-S ist ebenso weggefallen wie die alternative Keyboardversion. Bedienelemente gibt es in Form von Potentiometern, Dreh- und Kippschaltern sowie Tastern. Das Schrauben von Sounds geht dabei leicht von der Hand, dank sauberer Beschriftungen und Abgrenzungen einzelner Funktionsgruppen dürften sich auch Einsteiger schnell zurechtfinden.

MIDI oder CV/Gate

Die Anschlüsse auf der Rückseite des Leipzig sind schnell abgehandelt: Es gibt einen MIDI-DIN-Eingang nebst Thru-Buchse zum Durchschleifen der Daten sowie eine Klinkenbuchse für das Audiosignal. Hinzu kommt der Anschluss für das externe Netzteil und ein beleuchteter Power-Schalter, und das war es auch schon. Die beiden Eingänge für externe Audiosignale sind im Vergleich zum Leipzig-S weggefallen, über die Eurorack-freundlichen Miniklinken auf der Oberseite lässt sich aber weiterhin ein Audiosignal in das Filter einschleifen. Über diese kleine Patchbay können Sie Leipzig alternativ zu MIDI auch per CV/Gate ansteuern. Neu hinzugekommen ist ein Kopfhörerausgang auf der Vorderseite.

Zwei Oszillatoren

Die Oszillatoren des Leipzig können Sägezahn- und Rechteck-Wellenformen erzeugen.

Auswahl und Pegel-Anpassungen erfolgen in der Mixer-Sektion. Mit dem Master-Tune-Regler lassen sich die Schwingkreise gemeinsam in ihrer Tonhöhe verändern. Der zweite VCO kann darüber hinaus gegen den ersten verstimmt werden. Beide VCOs besitzen einen eigenen Glide-Parameter. Ferner sind Pulsweiten-Modulationen mittels LFO oder einer Hüllkurve machbar. Beim ersten Oszillator lässt sich die Breite des Rechtecks zusätzlich manuell regeln.

Sync & Crossmodulation

Der zweite Oszillator lässt sich zum ersten synchronisieren. Die bei Modulation seiner Tonhöhe entstehenden schneidenden und metallischen Sounds haben einen sehr eigenständigen Charakter und waren schon ein Markenzeichen der Vorgängerversionen. Weitere Klangformungen sind mittels Modulations-Sektion möglich. Hier können LFO oder Hüllkurve auf die Tonhöhe einwirken. Erfreulicherweise lässt sich auch Oszillator 2 als Modulator für den ersten VCO nutzen. Diese Crossmodulation bietet zusätzliche Obertöne und interessante Klangfarben. Die Pitch-Steuerung von Oszillator 2 kann dabei auch abgeschaltet werden, sodass er unabhängig von der gespielten Tonhöhe immer die gleiche Frequenz ausgibt. Dies kann auch den Suboszillator beeinflussen, dessen Rechteckwelle entweder eine oder zwei Oktaven unterhalb der VCO herausgegeben werden kann. Im Mixer können Suboszillator und der zusätzliche Rauschgenerator individuell in der Lautstärke geregelt werden.

Durchsetzungsfähiger Klang

Klanglich präsentiert sich die Oszillatorsektion des Leipzig erfrischend flexibel. Im Alleingang hinterlassen die Oszillatoren einen kraftvollen Eindruck. Verglichen mit einem Moog wirken sie zwar etwas weniger edel und rund, dafür klingen sie etwas schroffer und setzen gut im Track oder auf der Bühne durch. Durch Verstimmungen lässt sich dieser Charakterzug schön herausarbeiten. Kleine Ungenauigkeiten bei den Tonhöheneinstellungen werden nicht, wie sonst häufig, mit missgünstigem Sound quittiert. Vielmehr bringen sie ein wenig zusätzliche Würze, die das Instrument energischer und in gewisser Weise einzigartiger klingen lässt. So richtig interessant wird es, wenn man anfängt, sich der verschiedenen Modulations-Optionen zu bedienen. Schnell beginnen die Klangfarben, einen metallischen Beigeschmack zu bekommen. Speziell Freunde härterer Spielarten elektronischer Musik kommen hier voll auf ihre Kosten, und auch im Kontext einer Rockband setzt sich Sound gut durch. Durch die separaten Glide-Regler lassen sich zudem komplexe Übergänge zwischen Noten erzeugen. Besonders bei großen Tonsprüngen können diese sehr eindrucksvoll klingen.

Ladder-Tiefpassfilter

Das Filter des Leipzig wurde nach Vorbild der Transistor-Ladder-Schaltung des Minimoog aufgebaut. Es besitzt eine Flankensteilheit von 24 dB. Im Gegensatz zum Original klingt es nicht ganz so rund, dafür wird der Bassbereich erst bei sehr hohen Resonanzwerten stärker ausgedünnt. Das Filter geht bereits bei niedrigen Lautstärken der Oszillatoren in die Sättigung, mit weiterem Erhöhen des Pegels steigern sich die Verzerrungen in richtig aggressive Gefilde. Fährt man das Filter nicht zu heiß an, sind knochentrocken und transparente Sounds möglich. Bereits bei mittlerer Lautstärke kann Leipzig aber schon richtig brutal klingen. Im Vergleich zu einem Moog Subsequent 37 klingt das Ergebnis weniger edel und warm, dafür aber mit einem ganz eigenen durchsetzungsfähigen Charakter.

Extremeinstellungen der Resonanz führen zur Eigenoszillation.

Per Keytracking kann man das Filter daher auch als Oszillator spielen, was über weite Strecken sogar recht musikalisch vonstattengeht. Zur Modulation können die Hüllkurven, der LFO, der erste Oszillator (für Filter-FM) sowie die Anschlagdynamik genutzt werden. Insgesamt ist das Filter eine tolle Ergänzung, die den Sound der Oszillatoren sehr gut unterstützt. Wuchtige Bässe lassen sich ebenso schnell erstellen wie prägnante Leads oder Acid-Gezwitscher.

Modulatoren und VCA

Der LFO des Leipzig ist relativ einfach gehalten. Er besitzt die Wellenformen Dreieck und Rechteck. Bei manchen Verknüpfungen ist aber nur eine der Wellenformen

wählbar. Die Geschwindigkeit reicht bis in den hörbaren Bereich hinein. Auch die Hüllkurven arbeiten zackig. Dem Einsatz als Drumsynthesizer steht damit nichts im Weg.

Auf Wunsch können sie vom MIDI-Triggersignal entkoppelt werden.

Den Abschluss des analogen Signalweges bildet der Verstärker. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten wurde ihm keine Hüllkurve fest zugewiesen. Stattdessen hat man die Auswahl zwischen beiden Instanzen und einem einfachen Gate-Signal. Für den Betrieb mit externem Equipment kann der Signalweg auch offen gehalten werden, was den Synth zur Filterbox macht.

Zwei eingebaute Sequenzer

Leipzig V3 verfügt über zwei Sequenzer. Neben dem analogen Stepsequenzer, dessen 8 Regler am unteren Bereich schwer übersehen werden können, gibt es auch einen unsichtbaren zusätzlichen MIDI-Notensequenzer. Dieser Loop-Sequenzer ist für die Melodie oder Basslinie zuständig und läuft synchron zum analogen Stepsequenzer, der in der Regel die Modulation übernimmt. Die Programmierung ist simpel: Sie schließen ein externes Keyboard an, der Sequenzer nimmt die nächsten 16 Noten auf und spielt sie als Loop. Während der Sequenzer läuft, können Sie jederzeit neue Noten darüber spielen und so die Notenfolge in Echtzeit ändern. Haben Sie die passende Sequenz gefunden, kann sie fixiert und dann die Tastatur zum Transponieren genutzt werden.

Die Werte für die 8 Steps des analogen Sequenzers stellen Sie direkt mit den 8 Reglern ein. Die Regler haben eine transparente Oberfläche, die hierdurch sichtbaren LEDs dienen als Lauflicht und zeigen den aktuell gespielten Step an.

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Filter- und Pitchmodulation

Der Stepsequenzer kann mit getrennt einstellbarer Intensität die Frequenz von Oszillator 1, Oszillator 2 und/oder Filter modulieren. Praxisnah gelöst ist dabei die Synchronisation des Sequenzers. Auf die meist instabile Synchronisation zur MIDI-Clock wurde komplett verzichtet. Als Taktgeber dient entweder der interne LFO oder ein per Patchbay eingeschleiftes analoges Clock-Signal. Weggefallen ist leider die Option, den Oszillator als Clock-Quelle zu nutzen, was beim Vorgänger die Nutzung des Sequenzers für schräge Experimente und sogar als zusätzliche Klangquelle erlaubte. Alternativ lässt sich mit einer tiefen MIDI-Note der Sequenzer Schritt-für-Schritt weiterschalten. So können Sie per MIDI-Sequenz beliebige Rhythmen programmieren, die dank Latenzausgleich in der DAW immer passend zum Song laufen und sich von Takt zu Takt ändern können.

VCO2-Pattern

Bereits die Kombination aus dem MIDI-Sequenzer und dem Modulationssequenzer ermöglicht überraschend komplexe Rhythmen und Pattern. Tom Carpenter hat Leipzig in Version 3 aber noch eine weitere Sequenzerspur spendiert. Hiermit programmieren Sie parallel zur achtstufigen Modulation von Filter und Tonhöhe, auf welchen Steps die Rechteckwelle von Oszillator hörbar sein soll. Da Oszillator 1 weiterhin auf jedem Step getriggert wird, sind das Ergebnis interessante duale Sequenzen. Hier ist Experimentieren und Ausprobieren angesagt, aber das Schrauben rein nach Gehör ist sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Synthesizerprogrammierer durchaus erfrischend und sorgt für überraschende, meist musikalisch gut verwertbare Ergebnisse.

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Fazit

Die Neuauflage des monophonen Analogsynthesizers bleibt trotz des auf den ersten Blick klassischen Aufbaus ein sehr eigenständiges Instrument. Durch die reichhaltigen Verschaltungen von Modulatoren und Zielen und die neu hinzugekommene kleine Patchbay sind nicht nur Standard-Sounds, sondern auch eine Menge exotisches, kaum gehörtes Klanggut machbar. Der energische, schnell auch aggressive oder schräge Klangcharakter hebt sich angenehm vom warmen, runden Sound eines Moogs ab und eignet sich in Verbindung mit der erweiterten Sequenzer-Kombination vor allem für charakteristische Basslinien, Sequenzen und analoge Percussion-Grooves im Stile von EBM, Synthpop und Techno der alten Schule. Als handgefertigtes Nischenprodukt ist Leipzig V3 zwar nicht der günstigste monophone Analogsynthesizer, bietet dafür aber einen speziellen Signature-Sound und dürfte zumindest für Freunde der oben genannten Musikrichtungen jeden Cent wert sein.

Bewertung
Name
Analogue Solutions Leipzig V3
Pro
  • eigenständiger Charakter
  • kräftiger Analogklang
  • kombinierter Sequenzer
  • Sync-Optionen
  • Patchbay
Preis
1.179 EUR
Bewertung
(83%)
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