Test

Klark Teknik 76-KT im Test: Nachbau des legendären UA 1176 Kompressors

Der 76-KT ist ein Nachbau des berühmten UA 1176 FET-Style Kompressors zum extrem günstigen Preis. Im Handel ist er aktuell für gerade einmal 199 Euro neu erhältlich und bietet damit analoge Hardware zum Plug-in-Preis, was ihn nicht nur für Computerverweigerer interessant macht.

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Features
  • FET-Kompressor
  • Class-A line Level Verstärker
  • vollständig diskreter Signalweg
  • Attack: 20 – 800 µs
  • Release: 80 – 700 ms
  • Rack-Format

Top Verarbeitung & Haptik

Äußerlich merkt man dem 76-KT den günstigen Preis nicht an. Das dicht am Original angelehnte Design wirkt mit schwarzer Front aus gebürstetem Aluminium sehr edel. Die großen Drehregler mit einem angenehmen Drehwiderstand hinterlassen eine wertige Haptik, allein das Einschalten mit dem großen Kippschalter hinterlässt ein Aha-Erlebnis für Plastik-USB-Controller geschädigte Hände. Lediglich die Taster aus Plastik wirken dagegen etwas billig.

Erfreulich ist auch das eingebaute Netzteil, eine Verbindung mit dem mitgelieferten Kaltgerätekabel reicht zur Stromversorgung. Auf der Rückseite befinden sich Eingang und Ausgang für das zu bearbeitende Audiosignal, wahlweise als XLR- oder 6,3-mm-Klinke. Alle Anschlüsse sind symmetrisch ausgelegt, also alles im professionellen Bereich. Ein Pad-Schalter zum Abdämpfen des Eingangs bei lauten Audiosignalen sowie eine Anpassung der VU-Meteranzeige sind ebenfalls vorhanden. Leider gibt es keine Link-Möglichkeit, um zwei Exemplare für Stereobearbeitung zu synchronisieren. Das ist besonders schade, da bei dem günstigen Preis auch zwei 76-KT das Budget nicht sprengen würden.

Alle Funktionen des Originals

Auf der Vorderseite des 19“-Rackgerätes befinden sich die bekannten Regler. Kenner des 1176 oder eines der Nachbauten oder Plug-in-Emulationen werden sich schnell zurechtfinden, ansonsten ist ein gewisses Umdenken im Vergleich zum durchschnittlichen Kompressor erforderlich. So verfügt der 76-KT über keinen Threshold-Regler, dieser Parameter wird gemeinsam mit dem Eingangspegel mit dem großen Input-Regler angepasst. Je höher er aufgedreht ist, umso stärker wird das Eingangssignal komprimiert. Output regelt die Ausgangslautstärke und gibt dem Signal den Pegel zurück, den es durch das Komprimieren verloren hat. Attack und Release bestimmen die Zeit, wie schnell der Kompressor bei Überschreiten des Schwellenwertes einsetzt und wie schnell er nach Unterschreiten seine Arbeit wieder einstellt. Auch hier ist aber ein Umdenken erforderlich, da die Regler wie beim Original „falschrum“ arbeiten. Je mehr Sie aufdrehen, umso kürzer ist die Zeitspanne. Bei Einstellung der Ratio, also der Stärke der Kompression, gibt es zunächst keine Besonderheiten. Per Taster wählen Sie zwischen 4:1, 8:1, 12:1 und 20:1. Wie das Original beherrscht auch der 76-KT den „All-Buttons-In“-Trick. Wenn Sie alle Taster gleichzeitig drücken, zwingen Sie den Kompressor in eine Extremeinstellung. Das Eingangssignal wird dann ordentlich gequetscht und gesättig, was gerne dazu genutzt wird, den Gesang ganz nach vorne zu holen und Bässe oder Drums inklusive Raumanteil super-dick zu machen. Das große VU-Meter zeigt dabei entweder die Pegelreduktion oder die Ausgangslautstärke an.

Musikalisch und vielseitig

Neben einem überzeugenden Klang bei den oben beschriebenen Extremeinstellungen zeichnet der 76-KT auch ansonsten die Stärken des Originals authentisch nach. Bei moderater Einstellung (für Anfänger empfiehlt sich 4-4-4 für Attack, Release, Ratio) reduziert er beispielsweise bei Gesang sehr unauffällig, aber effektiv die Pegelspitzen und erleichtert das Einbetten der Vocals im Mix enorm. Rauschen und unangenehme Verzerrungen sind kein Thema, der 76-KT verhält sich sehr musikalisch. Die auffällige Sättigung der Blue Stripe-Versionen fehlt ihm, als Vorbild diente der 1176LN Version D/E mit seinem transparenteren Sound. Der Grundklang wirkt im Vergleich zum Original etwas moderner. Hierbei muss man aber auch ehrlich festhalten, dass insbesondere die sehr guten Software-Emulationen von Softube und UAD klanglich durchaus mit dem 76-KT mithalten können und als Vorteil mehrfach einsetzbar sind sowie Stereospuren bearbeiten können. Nur bei extremen Einstellungen hat der 76-KT mit etwas harmonischerer Verzerrung die Nase vorn.

Lesetipp

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Fazit

Der 76-KT bietet eine überzeugende Kopie des 1176-Kompressors. Die Haptik und Verarbeitung sind angesichts des extrem günstigen Preises hervorragend und es macht einfach Spaß, am Gerät zu schrauben und die großen Regelwege auszuloten. Für computerlose Setups gibt es in dieser Preisklasse keine Alternative und Sie können bedenkenlos zugreifen. Klanglich halten sich die Unterschiede zu guten Plug-ins allerdings in Grenzen, sodass für DAW-Nutzer auch die Vorteile einer Emulation im Plug-in-Format überwiegen können.

Dieser Test ist in unserer Heft-Ausgabe 162 erschienen.

Bewertung
Name
Klark Teknik 76-KT
Pro
  • hervorragende Haptik
  • flexibel einsetzbar
  • transparenter Klang
  • analoge Sättigung
  • sehr günstiger Preis
Contra
  • kein Stereo-Link
Preis
199 EUR
Bewertung
(100%)
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