Test

Hofa System - modulares Effekt-Rack begeistert im Test

Hofa greift den Trend der Modular-Systeme auf und präsentiert einen Effekt-Baukasten mit dem griffigen Namen System. Klingt interessant, aber klingt es auch gut? von Kai Chonishvili

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Features:
  • Modular-Effekt-System
  • 20 Module ab Werk
  • Hall, Kompressor, Equalizer etc.
  • Drag-and-Drop-Bedienung
  • AU, VST, VST3, RTAS, AAX
  • 32- und 64-Bit
  • für Windows / OS X

Schon seit einiger Zeit hat das Hofa-Team neue Märkte erschlossen und neben Mixing/Mastering-Lehrgängen und -Dienstleistungen auch die Plug-in-Welt für sich entdeckt. Intelligente Kompressoren, Equalizer, Limiter und mehr zählen zu ihren Veröffentlichungen und unterstützen die alltägliche Arbeit von Toningenieuren, Musikproduzenten und Co. Mit Hofa System gibt es seit Kurzem einen modularen Baukasten, der das Erzeugen von komplexen Signalketten erlaubt. Doch was steckt drin und für wen lohnt der Neuling?

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Module, Modular, System

Hofa System ist ein Effekt-Plug-in, das als Host für die integrierten Hofa-Module fungiert. Der Nutzer sucht sich aus 20 Modulen seine Perlen heraus und kreiert mittels Drag-&-Drop ein neues Effekt-System, das vom Multiband-Kompressor bis zum exotischen Flanger-Dronen-Delay-Magier eine Menge Freiraum bietet. Das manuelle Verkabeln der Module fällt flach, denn das erledigt die Software automatisch und ermöglicht einen flotten Workflow. Unter den zwanzig Modulen finden sich klassische Tools zur Klangbearbeitung, darunter unter anderem ein Summen- und Kanal-Kompressor, ein parametrischer Equalizer, ein Delay, zwei Tonhöhen-Effekte (Bearbeitung in Cent und Halbtönen), eine Distortion-Einheit und ein Expander. Besonders hervorgehoben wird das Premium-Modul AlgoVerb, der als hochklassiger algorithmischer Hall-Prozessor beworben wird. Fallen die bisher gelisteten Module in die Kategorie Sound-Prozessoren, so unterstützen sechs Routing-Module eine flexible Anordnung in der Signalkette.

Unendliche Möglichkeiten?

Obwohl die bisher verfügbaren Module auch in jeder gut ausgestatteten DAW zu finden sind, so ist es eben das freie Zusammensetzen zu neuen Effekt-Ketten, das Hofa System auszeichnet. Möchte man in der Bass-Spur nur die mittleren Frequenzbereiche leicht anzerren und die Tiefen ordentlich komprimieren, so reicht die Kombination aus Multiband-, Distortion- und Kompressor-Modul. Will man einen lebendigen Filter-Effekt aufbauen, so moduliert man eben die Frequenzen mehrere Equalizer-Module über den integrierten LFO. Für die extra Portion Unberechenbarkeit sorgt dann anschließend das Feedback-Modul, welches das ausgehende Signal wieder an den Anfang schickt und eine fette Rückkopplung erzeugt. So groß die Möglichkeiten auch sind, so gibt es leider keinen Sidechain-Eingang. Dieser ist aber essenziell, wenn man beispielsweise einen dynamischen Equalizer bauen will, der nur die Tiefen einer Bassline absenkt, wenn die Kickdrum ihren Wumms gibt. Doch zum Glück plant Hofa noch weitere Module, aus diesem Grund gibt es hier schon einmal die Wunschliste der Redaktion: explizite Filter-Module (Ladder, Comb, Vokal etc.), Ringmodulator, Transienten Designer und Sidechain-Modul.

Wie klingt’s denn nun?

Mit Ausnahme des AlgoVerbs kann man diese Frage nur so beantworten: transparent und funktional! Das Delay-Modul verzögert das eingehende Signal, nicht mehr und nicht weniger. Der Kompressor verdichtet und ist kein Klang-Magier mit mystischer Färbung. Wer auf der Suche nach einem charaktervollen Kompressor mit angenehmer Sättigung und dergleichen ist, muss sich diesen eben selber aufbauen. Wer einen wabernden Tape-Delay-Effekt mit 70er-Charme sucht, muss sich ebenfalls selber hinsetzen und wissen, welche Module und Routing-Einstellungen man benötigt. Der AlgoVerb hingegen verdient die Prädikate hochauflösend und flauschig mit einer Prise 80er, denn durch den Vintage-Button verwandeln sich die dichten Hallfahnen in gestufte nostalgische Digital-Wolken. Sehr gefallen hat der Redaktion die frequenzabhängige Decay-Zeit, mit der ein gezieltes Sounddesign möglich wird: Beispielsweise kann man den tiefen Wumms einer Kickdrum verhallen und die oberen Frequenzen ausschließen, sodass eine düstere Techno-Atmosphäre entsteht.

Fazit

Hofa System ist ein astreiner und neutral klingender Effekt-Baukasten für Mixing-Ingenieure und Musiker gleichermaßen. Allerdings sind DAWs wie Bitwig Studio und Ableton Live ebenfalls modulare Spezialisten und können alles, was System auch kann. Auch Studio One lässt sich hinsichtlich Routing nicht lumpen. Wer mit seinen DAW-Möglichkeiten jedoch unzufrieden ist und lieber in einer Oberfläche komfortabel Effektketten aufbauen will, sollte Hofa System antesten. Der große Vorteil während der Arbeit mit System ist der, dass man jeden Gedankengang direkt in der Software übersetzt und somit nur das nutzt, was man auch wirklich braucht. Das spart Ressourcen, für den Geist und die CPU.

Dieser Artikel ist in unserer Heft-Ausgabe 136 erschienen.

Bewertung
Name
HOFA System 1.0
Pro
  • modularer Effekt-Baukasten
  • sehr guter Hall-Prozessor
  • neutral klingende Module
  • einfache Bedienung
  • Preisleistung
Contra
  • keine Sidechain-Funktion
  • (noch) zu wenige Module
Preis
59,90 EUR
Bewertung
(92%)
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