Test

Bitwig Studio 2.0: So genial ist die aufgefrischte Kreativ-DAW geworden!

Modulatoren, Hardware-Integration, Workflow-Optimierungen – das große Update bringt viele interessante Neuerungen! Ist Bitwig Studio 2 jetzt zur ultimativen DAW aufgestiegen?

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Die Entwickler der Berliner DAW Bitwig Studio überspringen das 1.5er-Update und gehen direkt ans Eingemachte: Bitwig Studio 2.0! Was das Update bringt, für wen der Umstieg lohnt und wer jetzt einsteigen sollte, erklärt unser Testbericht.

Bitwig-Highlight: Die Modulatoren

Zum Start von Bitwig Studio versprach die damalige Roadmap, dass mit Version 2 die Pforten zur modularen Unterwelt geöffnet werden und ab dann das freie Verkabeln losgehen darf. Dieses Versprechen wurde nicht ganz gehalten, denn Bitwig Studio 2 bringt anstelle der Komplettöffnung die neue Kategorie Modulators mit 25 Geräten. Diese Tools generieren Steuersignale aus unterschiedlichsten Quellen (LFOs, Hüllkurven, Makros, Audio/Noten-Signale etc.) und können Parameter von allen erdenklichen Plug-ins kontrollieren.

Klingt abstrakt? Kein Problem: der Modulator Audio Sidechain könnte beispielsweise aus einer Bassdrum ein Steuersignal für das unterste Band eines EQs generieren, sodass eine Bass-Gitarre mit jedem Schlag einer Bassdrum Freiraum bekommt. Das wäre dann ein dynamischer Equalizer Marke Eigenbau. Oder man definiert einen zentralen Makro-Regler, der den Hall-Effekt aller Instrumenten-Spuren mit nur einem Dreh hochschraubt und zusätzlich Hüllkurven in Gang setzt, die wiederum auf die Instrumenten-Klangfarbe einwirken. Ebenfalls machbar ist ein rhythmischer Zerhack-Effekt, wenn der Modulator Steps (Step-Sequenzer) die Lautstarke stufenweise steuert. Die Zahl der Möglichkeiten ist schier unendlich, denn 25 Modulatoren sind einfach eine Menge Holz für Sounddesigner und Tüftler. Zum Glück ist die Bedienung einfach, effizient und unmissverständlich. Die Modulatoren sind Bitwigs größter Mehrwert und überholen sogar die CV-Verbindungen in Propellerhead Reason.

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Endlich: Hardware-Integration

Seien es Clock-Signale für die temposynchrone DAW-Hardware-Verbindung, MIDI-Programmwechsel für Presets, CV-Signale für das Modular-System oder das Steuern von MIDI-CC-Daten, sechs neue Geräte erleichtern die DAW-Kommunikation mit dem Hardware-Studio. Besonders begeistern kann die Kombination aus dem Gerät MIDI CC und den Modulatoren, sodass Bitwig Studio 2 die Parameter-Steuerung der Hardware übernimmt. So kann man in der DAW ein verwobenes Geflecht aus LFOs, Hüllkurven, Sidechain-Quellen und Zufallsgeneratoren aufbauen und auf die MIDI-Regler für Filterfrequenz und Co. externer Synthesizer mappen. Als Preset abgespeichert, ist dieser Kreativ-Fundus dann immer wieder abrufbar. Klasse!

Neue FX & Anzeigen

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Im Zuge des Updates haben die Entwickler auch sechs neue Audio-Effekte hinzugefügt. Während Pitch Shifter, Phaser, Spectrum Analyzer, DC Offset und Dual Pan die Erwartungen erfüllen, entpuppt sich Treemonster als Exotik-Effekt für besondere Anlässe. Das Resultat klingt schnell metallisch und aggressiv, eignet sich aber gut, um Signalen eine spezielle Textur zu verpassen. Zudem wurden zahlreiche Geräte mit Anzeigen für die Dynamik und das Frequenzspektrum ausgestattet. Super, denn solche Darstellungen zählen einfach zum DAW-Standard und erleichtern die alltägliche Arbeit enorm.

Schönes für den Workflow

Gewohnte Bitwig-1-Nutzer müssen sich zunächst etwas umstellen, da an vielen Stellen Menüs, Werkzeuge, Buttons etc. umverteilt wurden. Bestimmte Werkzeuge lassen sich sogar auf eine Leiste pinnen. Wer mit Shortcuts arbeitet, wird vermutlich wenig Änderung bemerken, doch Tablet-Nutzer können durch die größeren Buttons, pinnbare Funktionen oder das Dashboard einen deutlichen Workflow-Boost erleben. Natürlich polarisieren Design-Änderungen, da man aus seiner gewohnten Bahn geworfen wird, doch aus Sicht der Redaktion ist die Arbeit mit Bitwig Studio 2 effizienter und komfortabler als mit dem Vorgänger.

Fazit

Bitwig Studio 2 geht mit den neuen Modulatoren über die Standard-DAW hinaus und präsentiert sich als Instrument der modernen Art. Während Sounddesigner die unbegrenzten Möglichkeiten dankend annehmen werden, können sich Hardware-Mucker mit den neuen Schnittstellen austoben. Aber auch Tüftel-Muffel sollten die neuen Möglichkeiten in Bitwig Studio 2 austesten, denn das Aufbauen eigenständiger Instrumente und Effekte war noch nie einfacher. Es gibt zwar noch Luft nach oben (Comping, ReWire, besserer Timestretch-Algorithmus etc.), aber das Update ist ein gelungener Schritt in die richtige Richtung. Weiter so!

Dieser Artikel ist in unserer Heft-Ausgabe 137 erschienen.

Bewertung
Name
Bitwig Bitwig Studio 2.0
Pro
  • Modulatoren
  • Hardware-Integration
  • dynamische Anzeigen
  • Workflow-Verbesserungen
Contra
  • Lizenz-Modell
  • keine neuen Instrumente
  • MIDI-Clock leicht instabil
  • kein verbesserter Timestretch-Algorithmus
Preis
379 EUR
Bewertung
(92%)
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