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AJH Sonic XV

Mit dem Sonic XV hat Allan J. Hall seine MiniMod-Produktpalette um ein Dioden-Ladder-Filter erweitert. Das Modul basiert auf Schaltungen der Vintage-Synthesizer Musonics Sonic V und Moog Sonic Six. Ein simpler Klon ist die Baugruppe aber nicht, es gibt eine ganze Reihe interessanter Neuerungen zu entdecken.

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Das Sonic XV nimmt 14 Teileinheiten im Eurorack-Rahmen ein. Die Verarbeitung wirkt hochklassig. Dank geringer Tiefe (34 Millimeter) lässt sich die Baugruppe neben normalen Gehäusen auch in flachen Skiffs montieren. Der Eingang des Moduls bringt einen Pegelregler mit. Nachfolgend steht ein Waveshaper im Signalweg. Roh- und Effekt-Material können frei überblendet werden. Die Bearbeitungsstärke ist ebenfalls justierbar. Ergänzend gibt es einen Schalter, mit dem man zwischen drei Betriebsarten wählen kann. Die Resultate des Waveshapers sind dementsprechend breit gefächert. Signale lassen sich verzerren, ausdünnen und/oder in ihrer Klangfarbe verändern. Per CV-Eingang sind diese Vorgänge durch zum Beispiel eine Hüllkurve oder einen LFO steuerbar. Die Filterschaltung zeigt sich ähnlich abwechslungsreich.
Während Sonic V und Sonic Six lediglich einen Tiefpass mit 24 dB-Flankensteilheit besaßen, bietet die Neuerscheinung zusätzlich Ausgänge für eine 6 dB-Variante und einen breiten Bandpass. Der Grundsound des Sonic XV ist füllig und rund. Die Resonanz greift auf der ersten Hälfte ihres Regelweges nur sanft ins Geschehen ein, darüber spitzt sie Material zunehmend an. Extremeinstellungen führen zu spitzem Pfeifen, allerdings erst ab circa 2 kHz. Umliegende Frequenzbereiche werden hierbei merklich abgesenkt. Im Vergleich zu Transistor-Ladder-Baugruppen hält sich das Ganze aber noch in Grenzen. Eine wichtige Eigenart der Sonic-Schaltungen: Bei hohen Resonanzwerten öffnet der Cutoff-Regler das Filter erstmal ganz normal. Kurz vor Rechtsanschlag beginnt das Bedienelement dann aber, hohe Frequenzen wieder zu beschneiden. Mit einem zweiten Waveshaper lässt sich der Klangcharakter der Bearbeitungsstufe beeinflussen. Er sitzt im Feedback-Weg, ändert also das Resonanzverhalten. Genauer wird der Punkt, ab dem die Selbstoszillation beginnt, durch diese Komponente auf bis zu 150 Hz herabgesetzt. Das Ergebnis ist ein zunehmend aggressiver Sound. Da es auch hier Parameter für Mischung und Bearbeitungsgrad gibt, ist diese Funktion erstaunlich vielseitig nutzbar. Mit den richtigen Einstellungen kann das Pfeifen der Resonanz etwa soweit abgeschwächt werden, dass der Klang des Sonic XV leicht in Richtung klassischer Roland-Boliden geht. Grenzfrequenz, Resonanz und der zugehörige Waveshaper haben allesamt Steuerspannungs-Wege dabei. Ferner ist ein Eingang für Tonhöhen-CVs vorhanden, mit dem sich das Filter bei Selbstoszillation über drei bis vier Oktaven tonal spielen lässt. Ein leichter Drift kann hierbei allerdings auftreten, da es, getreu den klassischen Schaltungen, keine Temperaturkompensation gibt.

Fazit
Das Sonic XV ist ein überaus facettenreiches Modul. Bereits die Eingangssektion bietet, dank Waveshaper, weitreichende Möglichkeiten zur Klangformung. Die Ergebnisse bleiben stets musikalisch, selbst harte Verzerrungen werden nie unangenehm. Das Filter glänzt durch fetten, warmen Sound. Mithilfe der Resonanzoptionen kann man den Charakter von wohlwollend bis aggressiv-dreckig variieren. Ein Geniestreich, der schnell in vielen Eurorack-Systemen Einzug halten dürfte.

Beat-Bewertung: 6 von 6 | Preis: 365 Euro

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