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Test: Modal Electronics Argon8 – Polyphoner Wavetable-Synthesizer

Rund fünf Jahre nach der Vorstellung des hochgelobten, aber teuren Modal 002 hat Modal Electronics einen komplett neuen Synthesizer entwickelt, der einen Großteil der Funktionalität des Modal 002 zu einem modernen und preisgünstigen Kraftpaket zusammenfasst und im Kern auf dem kleinen monophonen CRAFTsynth 2.0 aufbaut. Der digitale Wavetable-Synthesizer bietet 8-stimmige Polyphonie im schicken Design mit interessanten Extras.

Obwohl (oder weil?) Behringer weiterhin den Markt mit günstigen Analogsynthesizern überschwemmt, scheint der allgemeine Trend eher in Richtung digitale Klangerzeugung zu gehen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf flexible Wellenformen der Oszillatoren gelegt. ASM Hydrasynth mit Wavemorphing oder Korg Wavestate mit Wavesequenzing sind nur einige Beispiele. Auch Argon8 ist komplett digital aufgebaut und die Klangerzeugung basiert auf einer Wavetable Synthesizer-Engine.

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Metallgehäuse & Tastatur

Die erste Überraschung erwartete uns direkt nach dem Auspacken. Während die letzten Modal-Produkte CRAFTsynth 2.0 und SKULPT im einfachen Plastikgehäuse untergebracht waren, kommt Argon8 im robusten und schweren Gehäuse daher, das überwiegend aus dickem Stahl und Aluminium gefertigt wurde. Der kompakte Synthesizer fühlt sich dadurch nicht nur sehr wertig an, sondern sieht auch richtig schick aus.

Auch bei der Tastatur als Schnittstelle zwischen Klangerzeugung und Musiker wurde erfreulicherweise nicht gespart. Beim Keyboard mit 37 Tasten handelt es sich um eine FATAR TP9/S mit Fullsize-Tasten, die Velocity und Aftertouch unterstützt und ein überdurchschnittlich gutes Spielgefühl vermittelt. Da auf Modulationswheel und Pitchbender zu Gunsten eines Joysticks verzichtet wurde, konnte die Breite des Synthesizers auf die Vorgabe der Tastatur beschränkt werden. Mit ca. 55 x 10 x 30 cm ist der Argon8 daher fast ebenso kompakt wie der Minilogue, obwohl er eine Fullsize-Tastatur bietet.

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Endlosregler / direkter Zugriff

Die Regler sind als Encoder ausgelegt, Wertesprünge nach Presetwechsel sind also nicht zu befürchten. Die Endlosregler sind angenehm groß und griffig, für die Filterfrequenz wurde sogar ein richtig großer Regler spendiert. Für unseren Geschmack sind die Encoder aber einen Tick zu leichtgängig ausgefallen, wir hätten uns etwas mehr Drehwiderstand gewünscht. Die Werte lassen sich über das zentral angeordnete OLED-Display ablesen, das mit 1,54 Zoll ein gutes Stück größer als beim Minilogue XD ist und mit dem zweiten Display des Hydrasynth vergleichbar ist. Neben Parameterwerten kann es auch Grafiken wie den aktuell eingestellten Hüllkurvenverlauf oder die Wellenform in Echtzeit anzeigen.

Zusätzlich zu den Reglern stehen mehrere beleuchtete Taster zur Verfügung. Die meisten Regler und Taster besitzen eine Zweitfunktion, die per Shift erreichbar ist. Diese zusätzlichen Funktionen sind in blauer Farbe auf dem Panel mit abgedruckt, müssen also nicht auswendig gelernt werden. Ein wenig aufpassen müssen Sie aber schon, damit Sie nicht versehentlich den falschen Parameter verändern, weil Sie die aktivierte Shift-Taste übersehen haben. Gleiches gilt für die fünf Regler zur Einstellung der Hüllkurve. Hier entscheiden Sie mit Hilfe dreier Taster, ob Sie die Parameter der Amp-, Filter- oder Modulationshüllkurve einstellen.

Digitale und analoge Anschlüsse

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Die Stromversorgung erfolgt über ein externes Netzteil, aber zumindest gibt es einen Powerschalter am Synthesizer. Der USB-Anschluss dient zur Verbindung mit einem Computer. Argon8 ist class-compliant, funktioniert also ohne spezielle Treiber und sendet und empfängt MIDI über USB. Zudem ist hierüber eine Kommunikation mit der kostenlosen Editor-Software möglich.

Alternativ gibt es zwei klassische MIDI-Buchsen im DIN-Format. Erfreulich sind auch Ein- und Ausgang für analogen Sync, die einen Gleichlauf mit Geräten wie den Korg Volcas oder Teenage Engineerings Pocket Operatoren erlauben. Praktischerweise ist direkt daneben ein 3,5mm-Stereoklinkeneingang platziert, um das Audiosignal dieser kleinen Synthesizer oder auch eines Smartphones oder MP3-Players in Argon8 einzuschleifen und mit den internen Effekten zu bearbeiten. So sparen Sie sich im Live-Setup gegebenenfalls einen Mixer.

Argon8 verfügt über zwei Pedalanschlüsse für Expression und Sustain sowie über einen Audioausgang in Stereo (wegen der eingebauten Effekte) und einen Kopfhörerausgang.

Digitale Klangerzeugung

Die Klangerzeugung des Argon8 ist komplett digital, was gegenüber rein analogen Synthesizern den Vorteil der Speicherbarkeit sowie der Programmierung via App hat. Mit 500 editierbaren Speicherplätzen, von denen 300 mit Factory-Presets vorbelegt sind, besteht ausreichend Platz für eigene Kreationen.

Die Grundlage der Klangsynthese bilden zwei identisch aufgebaute Wavetable-Oszillatoren. Argon8 stellt dafür jeweils 120 Wavetables zur Verfügung, die in 24 Bänken mit je 5 morphbaren Wellenformsätzen unterteilt sind. Es gibt die virtuell-analogen Standardwellenformen Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck, zwischen denen Modal-typisch stufenlos überblendet werden kann. Hinzu kommen Wellenformen aus Kategorien wie Retro, VA, Formant, Harmonic, teilweise bereits aus dem Modal 02 bekannt, sowie eine Reihe mathematisch generierter Wellen für ungewöhnliche und eigenständige Sounds. Diese Wellenformen sind ebenfalls morphbar. Bereits auf Oszillatorebene können damit komplexe und einzigartige Klangverläufe erzeugt werden. Auch fette und breite Soundwände sind möglich, da sich die 8 Stimmen in verschiedenen Variationen schichten lassen.

Acht Modifier

Für zusätzliche Klangvariationen sorgen acht so genannte Modifiers, die direkt auf die Oszillatoren wirken. Das Ganze erinnert an die Mutatoren des ASM Hydrasynth. Es gibt unter anderem Phasenmodulation für durchsetzungsfähige Sounds im Stile eines Casio CZ1. Oszillator-Sync ist ideal für schneidende Leads, mit Ring- und Amplitudenmodulation erzeugen Sie metallische und glockige Klänge. Für aggressive und verzerrte Sounds härterer Gangart gibt es Bitcrusher, Waveshaper und Wavefolder. Die Wellenformanzeige im Display im Stile eines Oszilloskops ist dabei sehr hilfreich, denn sie visualisiert direkt die Auswirkungen der Modifier auf die Wellenform.

Multimodefilter und Morph-Funktion

Die verschiedenen Wellenformen können in Verbindung mit den Modifiers sehr komplexe obertonreiche Klänge erzeugen, die für eine musikalische Verwendung gezähmt werden müssen. Hierzu dient ein 2Pol-Multimodefilter mit einstellbarer Resonanz. Zwischen den Filtertypen Tiefpass, Bandpass und Hochpass blenden Sie stufenlos über. Dies erlaubt interessante Soundvariationen im Grenzbereich zwischen zwei Filtertypen. Wie bei SKULPT und CRAFTsynth überzeugt das Filter des Argon8 nicht nur beim Begrenzen der Frequenzen, sondern auch mit eigenständigem Klang.

Drei Hüllkurven, zwei LFO

In Bezug auf die Modulationsmöglichkeiten erinnert Argon8 ebenfalls an CRAFTsynth 2.0 und SKULPT. Die ersten beiden der drei ADSR-Hüllkurven sind Verstärker und Filter zugeordnet, die dritte Hüllkurve lässt sich über die Modulationsmatrix auf einen wählbaren Parameter routen. Die zwei LFO erreichen Geschwindigkeiten bis in den Audiobereich, wenig überraschend erlauben sie ebenfalls ein Überblenden zwischen den einzelnen Wellenformen. Sie können im Hintergrund frei laufen oder mit jeder gespielten Note neu getriggert werden und sind zur MIDI-Clock synchronisierbar. Ein LFO wirkt global, der zweite LFO ist polyphon und steht damit für jede Stimme einzeln zur Verfügung, sogar mit einstellbarem Frequenzteiler.

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Modulationsmatrix

Die beiden LFO stehen gemeinsam mit zehn weiteren Modulatoren wie Notenwert, Mod-Envelope, Anschlagdynamik, Aftertouch, Modulationsrad und die vier Achsen des Joysticks als Quellen in der Modulationsmatrix zur Auswahl. Diese Modulationsquellen können auf 52 Modulationsziele verteilt werden, hierfür bietet die Modulationsmatrix acht zuweisbare Slots und vier feste Verknüpfungen. Auch die Parameter der eingebauten Effekte lassen sich als Ziel auswählen, was zum Beispiel rhythmisch modulierende Hallintensität, per LFO gesteuerte Delayzeiten oder das Einblenden eines Phasers per Aftertouch ermöglicht.

Drei Effekte gleichzeitig

Die Effektsektion des Argon8 ist durchaus üppig ausgefallen und wichtiger Bestandteil des Sounds. Drei Effekte sind gleichzeitig nutzbar. Jeder Effektslot kann einen Stereoeffekt aufnehmen, zur Auswahl stehen verschiedene Delays, Reverb, Flanging, Phasing und Chorus. Die Effekte lassen sich relativ umfangreich editieren. Auch an dieser Stelle verzichtet das Bedienkonzept auf Menü-Diving und setzt auf direkten Zugriff per Regler und Taster. Hierfür bietet Argon8 drei doppelt belegbare Regler, Sie haben also Zugriff auf bis zu sechs Parameter je Effekt.

Sequenzer mit Parameteraufzeichnung

Argon8 besitzt auch einen Sequenzer mit bis zu 512 Steps. Eingespielt wird in Echtzeit, ein Metronom und Quantisierung sorgen für das richtige Timing. Nachträgliches Editieren ist nicht möglich, auch nicht über den Software-Editor. Ehrlich gesagt haben wir dies aber im Test auch nicht wirklich vermisst, sondern bei Bedarf die Sequenz einfach schnell neu eingespielt. Es lassen sich bis zu vier Parameter zusätzlich zu den Noten aufnehmen, was sehr lebendige modulierende Sequenzen ermöglicht und an die Motion-Record-Funktion des Korg Minilogue erinnert. Das Ganze läuft derzeit aber noch im Blindflug, die Parameterverläufe werden nicht wie bei den Korg-Synthesizern im Display angezeigt. Auch ein Arpeggiator ist an Bord.

Eigenständige Digitalsounds

Der direkte Zugriff auf alle wichtigen Parameter ist über die Regler und die Taster möglich, die Erstellung eigener Sounds geht schnell und ohne Eintauchen in Menüs von der Hand. Für komplexere Funktionen wie die Zuordnungen in der Modulationsmatrix ist die kostenlose App für macOS, Windows, iOS und Android hilfreich.

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Zwar kann Argon8 auch klassische analoge Klänge emulieren, die Stärken des Synthesizers liegen aber ganz klar im Bereich digitaler Sounds. Die vielen morphbaren und generativen Wellenformen ermöglichen in Verbindung mit den verschiedenen Modifiers komplexe und bisher ungehörte Klänge, die sich gut gegen analoge Standard-Sounds durchsetzen und diese perfekt ergänzen. Das charakteristische Filter mit den speziellen Zwischenstufen der Morphfunktion sowie die eingebauten Effekte geben den zusätzlichen Feinschliff, die guten Effekte lassen Argon8 größer und teurer klingen als der Synthesizer tatsächlich ist.

Alternativen

Mit dem allerdings auch etwas teureren Hydrasynth hat der Argon8 aber durchaus einen ernst zu nehmenden Konkurrenten mit polyphonem Aftertouch und MPE-Unterstützung, und auch der neu vorgestellte Korg Wavestate scheint eine ähnliche Klangpalette bei direkter Bedienung zu bieten. Es lohnt sich daher ein Vergleich vor dem Kauf.

Fazit

Argon8 ist ein schicker und robust verarbeiteter Synthesizer mit sehr guter Tastatur und gradlinigem Bedienkonzept. Die Kombination aus morphbaren Wavetables, Filtern und LFOs mit modulierbaren Effekten und Sequenzer ermöglicht sehr eigenständige Digitalklänge. Schneidende Leads, trockene Bässe, Chipsound-Sequenzen und eiskalte Ambientpads sind schnell erstellt und wecken durchaus Erinnerungen an alte und neue Waldorf-Synthesizer.

Zweite Meinung gefällig? Bei unseren Kollegen von Amazona können Sie einen weiteren Testbericht zu diesem Produkt lesen.

Bewertung
Name
Modal Electronics Argon8
Pro
  • flexible Wavetables
  • acht Modifier
  • Morph-Filter
  • Sequenzer mit 512 Steps
  • Parameter-Record
  • drei Effekte gleichzeitig
  • analoge Sync-Anschlüsse
  • Joystick mit vier belegbaren Achsen
Preis
649 EUR
Bewertung
(83%)
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