Test

Test: Behringer Pro-1-Klingt so gut wie das Original

Der Pro-One hat zahlreiche Songs geprägt, von Synthpop-Perlen wie Yazoos „Don't go“ bis hin zu den frühen Werken der Industrial-Legende Skinny Puppy. Zum guten Sound gesellte sich beim Original aber eine eher schlechte Verarbeitung. Das hat zur Folge, dass trotz der damals recht hohen Verkaufszahlen heute nur noch wenige voll funktionsfähige Exemplare zur Verfügung stehen und zusätzlich zum nicht gerade günstigen Gebrauchtpreis auch zukünftige Wartungs- und Reparaturkosten eingeplant werden sollten. Behringer will hier mit dem originalgetreuen Nachbau namens Pro-1 für Abhilfe sorgen.

Eurorack-Format

Wesentlicher Unterschied zum Original ist neben einer allgemeinen Verkleinerung der Bedienoberfläche und -elemente die fehlende Tastatur. So lässt sich der Pro-1 platzsparend auf dem Desktop platzieren oder in ein Eurorack einbauen, was aufgrund der gegenüber dem Pro-One erweiterten CV-Anschlüsse durchaus Sinn macht. In Sachen Haptik schenken sich Original und Klon nicht viel, hier hat uns der K-2 mit seinem robusten Metallgehäuse besser gefallen. Allerdings wirken die Regler beim Pro-1 zuverlässiger als die Wackelkandidaten des Pro-One.

Aufgrund der Option des Eurorack-Einbaus sind alle Audio-Eingänge und -Ausgänge sowie der MIDI-Eingang von der Front aus zugänglich. Für den Desktop-Betrieb befindet sich auf der Rückseite noch eine USB-Buchse für USB-MIDI. Der Pro-1 ist class-compliant, wird also ohne Treiberinstallation sofort vom Rechner erkannt. Auch eine MIDI-Thru-Buchse ist vorhanden sowie vier DIP-Schalter zur Einstellung des MIDI-Kanals, auf dem der Pro-1 empfangen soll. Es verbleiben der zusätzliche Audioausgang in Form einer 6,3mm-Klinkenbuchse und der Anschluss für das externe Netzteil.

Duophon

Die Klangerzeugung wurde identisch vom Original übernommen. Zwei Oszillatoren stellen die Wellenformen Rechteck und Sägezahn zur Verfügung, die Pulsweite ist modulierbar. Oszillator 2 bietet zusätzlich noch eine Dreieckwelle. Als Besonderheit lassen sich für Mischformen auch mehrere Wellenformen gleichzeitig aktivieren. Oszillator 1 lässt sich hart synchronisieren, die sehr gut klingenden Sync-Sounds bei Modulation der Tonhöhe des Slave-Oszillators sind ein Markenzeichen des Pro-One und eines der Highlights des Behringer-Klons. Oszillator 2 lässt sich auch als zweiter LFO nutzen. Beim Pro-1 lassen sich für duophones Spiel beide Oszillatoren getrennt in der Tonhöhe steuern, eine sinnvolle Erweiterung gegenüber dem Original!

Digitale Hüllkurven

Gemischt mit weißem Rauschen oder einem externen Audiosignal wandern die Oszillatoren in das 24dB-Tiefpassfilter, für dessen Modulation eine ADSR-Hüllkurve zur Verfügung steht. Eine zweite Hüllkurve ist für den Lautstärkeverlauf zuständig. Während Oszillatoren und Filter klanglich kaum vom Original zu unterscheiden sind, gibt es bei den Hüllkurven gewisse Einschränkungen. Sie sind zwar gefühlt ebenso schnell wie im Original, aber man hört in gewissen Bereichen eine grobe Rasterung. Das dürfte daran liegen, dass Behringer wie im Crave digitale und keine analogen Hüllkurven verbaut hat. Gerade im sensiblen unteren Attack-Bereich kann das hörbare Stepping schon störend sein.

Sequenzer, Modulationen

Der Sequenzer mit 64 Steps wurde ebenfalls vom Original übernommen. Er ist sehr simpel aufgebaut, durch Variationen beim externen Triggersignal lassen sich aber auch spannende Grooves erzeugen.

Wenn Sie den Pro-One nicht kennen, wird Sie die Modulationsabteilung auf der linken Seite zunächst verwirren. Hat man das Konzept aber erst einmal verstanden, kann man sich über für damalige Verhältnisse relativ komplexe Modulationsmöglichkeiten inklusive FM freuen, die auch sehr musikalisch und organisch klingen. Einziger Haken: Um die Optionen voll auszunutzen, muss ein Modulationsrad oder eine entsprechende Steuerspannung angeschlossen sein.

Bewertung
Name
Behringer Pro-1
Pro
  • originalgetreuer Sound
  • Duophon
  • Sequenzer/Arpeggiator
  • CV-Anschlüsse
  • Eurorack-Format
  • Preis
Contra
  • digitale Hüllkurven
Preis
319 EUR
Fazit

Es ist erstaunlich, wie dicht der günstige und kompakte Nachbau des Sequential Pro-One klanglich an das Original herankommt. Selbst langjährige Nutzer des Pro-One werden im Blindtest Schwierigkeiten haben, den Vintage-Klassiker und dessen Klon auseinander zu halten. Duophonie, zusätzliche Patchbuchsen und MIDI/USB sprechen ebenfalls für den Pro-1. Lediglich bei den digitalen Hüllkurven müssen leichte Abstriche vorgenommen werden, die aber in den meisten Situationen nicht weiter stören. Wenn Sie einen flexiblen Synthesizer mit jeder Menge Kultfaktor suchen, der wie kaum ein anderer nahezu alle klassischen Analogsounds in Perfektion beherrscht, ist der Pro-1 die richtige Wahl.

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