Test

Test: Arturia V-Collection 8 - Stolze 28 Instrumente in einem Bundle

Neben den beiden analogen Klassikern OB-Xa (Test in BEAT 08-2020) und Juno-6 gibt es mit E-mu Emulator II einen weiteren Sampler sowie als sinnvolle Ergänzung der Kollektion einen 16-Kanal-Vocoder mit spannenden Extras. Der Jupiter-8-Nachbau wurde klanglich verbessert, und übergreifend gibt es jetzt vier frei belegbare Makro-Regler für den schnellen Zugriff auf die wichtigsten Klangparameter sowie integrierte Tutorials.

Anzeige

Roland Juno-6

Der Jun-6 V hat den Roland Juno-6 aus dem Jahre 1982 zum Vorbild. Das Original erfreut sich großer Beliebtheit, weil die Klangerzeugung trotz des simplen Aufbaus viele klassische Analogsounds in überzeugender Qualität abbilden kann und dadurch sowohl für Einsteiger als auch Profis geeignet ist. Arturia hat es richtig gemacht und das bewährte Konzept nahezu unverändert gelassen. Mehr Stimmen, eine weitere Hüllkurve und LFO sowie Delay erweitern das Klangspektrum sinnvoll, ohne den Synthesizer unübersichtlich zu machen. Auch klanglich überzeugt JUN-6V, diesbezüglich hat Arturias TAE True Analog Emulation beachtliche Fortschritte erzielt. Dies hört man auch beim überarbeiteten Jupiter8-Klon Jup-8 V4, der gerade in so sensiblen Bereichen wie Crossmodulation deutlich überzeu- gender als die Vorversion klingt. Jun-6V gefiel uns klanglich sogar einen Ticken besser als der bisherige Platzhirsch TAL U-NO LX, der im Direktvergleich schon extrem nah am Original war.

Emulator II

Fans von 80er-Synthpop muss der Emulator II wohl kaum näher erläutert werden. Insbesondere Depeche Mode lotete die Möglichkeiten dieses Sampling-Keyboards in ihrer Berliner Phase Mitte der 80er umfangreich aus. Nach CMI-V und Synclavier-V hat Arturia damit den dritten, für Normalsterbliche damals unbezahlbaren Kult-Sampler in der Kollektion. Auch hier wurde unter fotorealistischer Oberfläche sinnvoll erweitert. Mehr Regler für den Direktzugriff sowie umfangreiche Sampling-Optionen nach Klick auf den Apple-Monitor bieten jede Menge kreative Möglichkeiten. Es macht aber auch Spaß, einfach nur die integrierten Factory-Samples des Originals anzuspielen, denn dabei trifft man auf viele bekannte Sounds wie die berühmt berüchtigte Shakuhachi aus Peter Gabriels Sledgehammer und diversen Enigma-Hits. Eigene Samples lassen sich ebenso laden wie weitere Original-Sounds im EII-Format. Klanglich hat das Ganze den gleichen Retro-Charme wie beim CMI-V, überzeugt aber mit einfacherer Bedienung und ist damit eine sinnvolle Ergänzung der V-Collection.

16-Kanal-Vocoder

Der Vocoder-V orientiert sich am Moog Vocoder aus dem Jahre 1979, dessen aktuelle Neuauflage zu einem Neupreis von über 6.000 Euro für die wenigsten eine gangbare Alternative darstellen dürfte. Der 16-Channel-Vocoder bietet als Besonderheit die Option, die Frequenzen der Analyse- und Synthesebänder frei miteinander zu verknüpfen. In Verbindung mit den individuellen Lautstärkefadern für jeden Kanal ermöglicht dies Modulationen, die mit anderen Vocodern nicht möglich sind. Das Ergebnis lässt sich auch einfrieren und dann über die Tastatur spielen.

Im Gegensatz zum Original ist beim Vocoder-V der Carrier in Form eines simplen, aber für den Einsatz-Zweck ausreichenden Synthesizers mit zwei Oszillatoren inklusive Chord-Modus und Ensemble-Effekt bereits eingebaut. Es gibt leider keine Option, einen externen Carrier zu verwenden und so z. B. Ihre Stimme mit einer analogen Fläche oder einem Streicher-Sample zu kombinieren oder mit ganz anderen Klangquellen zu experimentieren. Auf Modulator-Seite zeigt sich Vocoder-V dagegen flexibler. Wenn Ihre DAW das Routing in ein Instrumenten-Plug-in erlaubt (eine reine Effekt-Variante von Vocoder-V gibt es nicht), können Sie jedes Audiosignal wie Stimme oder Drumloop einschleifen. Sinnvolle Funktionen wie Kompressor und EQ wurden ebenso integriert wie Envelope-Follower und Pitchtracking, um den eingebauten Synthesizer zum Singen zu bringen. Alternativ können Sie den Sample-Player nutzen und auf 12 Slots beliebige Samples ziehen, die dann über die Tastatur abgefeuert werden. So lassen sich z. B. einzelne Passagen einer Gesangslinie gezielt „ver-kraftwerk-en“ oder ausgefallene Science-Fiction-FX erzeugen.

Anzeige

Fazit

Der Schritt auf V8 ist mehr als gerechtfertigt. Die Analog-Emulationen haben mit dem Jun-6 V und dem Jup-8 V4 eine neue Qualität erreicht und sind damit in der Oberklasse angekommen. Auch die ohnehin schon immer überzeugende Bedienung wurde weiter verbessert. Mit dem Emulator II erhalten Sie einen Sampler mit Kult-Sound und zugänglicher Oberfläche. Das Highlight ist aus unserer Sicht der Vocoder-V, der mit sehr gutem Grundklang überzeugt und eigenständige kreative Möglichkeiten bietet, die ihn von der Konkurrenz abheben.

Bewertung
Name
Arturia Arturia V Collection 8
Website
Pro
  • kreativer Vocoder J Klang der Roland-Emulationen
  • Sampler mit Kult-Charakter
  • Makro-Regler
  • einheitlicher Browser
  • viele gute Presets
  • verbesserte Analog Lab
Contra
  • nur interner Carrier (Vocoder)
Preis
499 Euro (Upgrade 199 Euro)
Bewertung
(91%)
Mehr zum Thema
zur Startseite