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Test: Nur ein neuer PPG-Klon? Nein, der 3rd Wave 8M kann mehr!

Bob Coover war augenscheinlich einer der Shooting Stars auf der Superbooth. An seinem Stand von Groove Synthesis gab es permanent großen Andrang und er hat sein Publikum förmlich mitgerissen mit seiner Begeisterung bei der Vorstellung des 3rd WAVE Synthesizers. Cool!

Und es war nicht zu übersehen, dass Bob das Publikum liebt. Die Leichtigkeit und vor allem Ungezwungenheit, mit der umstehende und vorbeischlendernde Personen direkt in seine Vorzeigeshow integriert wurden, lässt erahnen, dass er darin nicht nur Profi ist, sondern das auch von Herzen gern genau so tut. Aber nicht nur, denn seine Liebe gilt ebenso dem Synthesizer, den er und sein Team mit großem Hang zu Waldorf PPG gebaut haben.

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Entsprechend waren wir eine lange Weile am Stand von Groove Synthesis zu Gast und haben Bobs Worten und den Klängen des 3rd WAVE gelauscht. Und obwohl wir diesen neulich schon im Test hatten, erlebten wir den Synth nochmal von einer ganz anderen Seite. Das weckte sofort die Neugier auf den neuesten, kompakteren Ableger der Edelschmiede: den 3rd Wave 8M.

Mit dem 3rd Wave überraschte die kleine Firma Groove Synthesis mit einem an den legendären PPG Wave angelehnten und sehr umfangreich ausgestatteten Hybrid-Synthesizer, allerdings zu einem sehr hohen Preis. Die kleinere Version 3rd Wave 8M ist mit ca. 2.000 € deutlich günstiger. Wir haben getestet, wie gut der 3rd Wave im etwas kleineren Format funktioniert.

Die Klangqualität und Engine des 3rd Wave 8M entsprechen weitgehend dem 24-stimmigen Flaggschiff, aber mit nur 8 Stimmen und etwas reduzierter direkter Bedienbarkeit. Der Desktop-Synthesizer ist auf Wavetable-Synthese spezialisiert, bietet aber zusätzlich VA-Synthese, FM und Sampling sowie analoge und digitale Filter.

Hochwertige Verarbeitung

Der kompakte Synthesizer kann sowohl auf den Desktop gestellt als auch per mitgelieferten Winkeln in ein Rack geschraubt werden. Das Modul vermittelt sofort den Eindruck eines hochkarätigen Instruments. Das Gehäuse ist komplett aus Metall gefertigt, mit verschraubten Aluminiumseiten und einer tiefblauen Frontplatte in Anlehnung an den Klassiker aus den 80ern. Trotz der geringeren Breite wirkt das Interface nicht gedrängt. Groove Synthesis hat die wichtigsten Parameterbereiche wie Oszillatoren, Filter, Hüllkurven klar voneinander getrennt, und das große farbige Display liefert eine gute Übersicht.  

Schalter und Encoder laufen präzise, das OLED-Display reagiert schnell, und selbst beim Durchsteppen der Menüs ist kaum Latenz wahrnehmbar. Mit etwa 5 kg Gewicht und 5 HE Bauhöhe ist der 8M kein Leichtgewicht, aber robust genug, um auch auf Tour oder in professionellen Studio-Racks bestehen zu können.

Wavetable trifft Analog

Die Basis der Klangerzeugung bilden drei Oszillatoren, wobei du bei jedem Oszillator zwischen Wavetables, Samples, digitalen und virtuell-analogen Wellenformen wählen kannst. Das Besondere daran: Die Wavetables wurden nicht einfach aus alten PPG-ROMs übernommen, sondern sind zusätzlich in hochauflösender Qualität vorhanden. Zudem lassen sich eigene Wavetables importieren oder sogar direkt im Gerät erstellen, was ein enormer Vorteil für Sounddesigner ist.

Hardware-Sampler

Auch ein Sampler ist integriert. Er wurde beim großen 3rd Wave per Firmware-Update nachgerüstet und ist beim 8M von Anfang an vorhanden. Sogar kleine Multisamples lassen sich erstellen. In Kombination mit dem großen Display mit Wellenformanzeige kommt richtig Hardwaresampler-Feeling auf, auch wenn der Speicher sowie die Möglichkeiten der Nachbearbeitung der Samples begrenzt sind. Da die Samples pur oder umgewandelt in Wavetables als Basis eines Oszillators genutzt werden können, steht die gesamte Palette an weiteren Klangerzeugungsmöglichkeiten (Filter, Modulation etc.) zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung.

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Flexible Oszillatoren als Basis

Jeder Oszillator besitzt eigenständige Parameter für Position, Detune und Modulationstiefe innerhalb der Wavetable. In Kombination mit Frequenzmodulation und Sync eröffnen sich klangliche Möglichkeiten, die weit über klassische Wavetablesynthese hinausgehen. Der Grundcharakter des 3rd Wave ist wie beim großen Bruder eine Mischung aus digitaler Brillanz und analoger Tiefe: Er kann kristallklare Pads, gläserne Texturen und metallische Digitalsounds ebenso erzeugen wie klassischen Synthbrass und fette, druckvolle Bässe, die an Sequential-Klassiker erinnern. Grundsätzlich ist der Klang eher HiFi im Vergleich z.B. zum frühdigitalen LoFi Sound des original PPG Wave und dessen Klon Behringer Wave. Allerdings kann man auch den 3rd Wave problemlos in diese Richtung biegen.

Die analoge Seele: Filter und Verstärker

Groove Synthesis spendiert auch dem 8M zwei Filter pro Stimme, die sich wahlweise im seriellen oder parallelen Modus betreiben lassen: Ein digitales State-Variable-Filter (SVF) und ein klassischer analoger 24-dB-Tiefpass auf Curtis-Basis. Letzterer sorgt für den vertrauten, warmen und transparenten Sequential-Sound mit der prägnanten Resonanz, den Prophet-Fans so lieben und der sich wunderbar mit den digitalen Wellenformen versteht. Das State-Variable-Filter hingegen ist vielseitiger: Es sorgt unter anderem für Bandpass- und Hochpass-Leads im Oberheim-Style und macht den 3rd Wave zu einer echten Sounddesign-Maschine.  

Überzeugender Hybrid-Sound

In Kombination mit den digitalen Oszillatoren entsteht ein außergewöhnlicher Sound, der zwischen digitaler Klarheit und Transparenz und analoger Wärme und Ungenauigkeit pendeln kann und dadurch ohne Frage den speziellen Charme des PPG Wave besitzt. Die Filter reagieren musikalisch, ihre Resonanz bleibt stets kontrollierbar und selbst bei hoher Modulation nie unangenehm scharf und spitz. Besonders zu erwähnen ist, dass das analoge Filter den Bassverlust kompensiert und dadurch im Gegensatz zum Prophet-5 auch Sounds mit hoher Resonanz noch ordentlich Druck haben!

Modulationsmatrix sorgt für Bewegung

Wenn du gerne tiefer in Klanggestaltung eintauchst, wird dir der Synthesizer gefallen! Der 3rd Wave verfügt über eine umfangreiche Modulationsmatrix mit 20 Slots, in denen fast jeder Parameter als Quelle oder Ziel verknüpft werden kann. Sechs LFOs pro Stimme und fünf Hüllkurven (darunter eine Loop-Envelope) machen komplexe Klangbewegungen möglich, die sich rhythmisch oder chaotisch entwickeln lassen. Das geht dann natürlich weit über die Möglichkeiten eines PPG Wave hinaus.

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Step-Modulator und MPE

Ein Highlight ist dabei der Step-Modulator. Diese in den Sequenzer integrierte Modulationsquelle kann pro Step verschiedene Parameter modulieren und erwies sich im Test als ein mächtiges Kreativwerkzeug für rhythmische Texturen, Morphing-Pads oder lebendige Leads. Nimmt man Aftertouch, MPE-Unterstützung und Velocity-Steuerung hinzu, lässt sich die Klangerzeugung umfangreich beim Spielen modifizieren, wodurch sich der 3rd Wave 8M wie ein Instrument und nicht wie ein elektronisches Gerät anfühlt. Das verbindet die kleine Kiste definitiv mit dem PPG Wave, der trotz des eindeutig digitalen Sounds auch eine unverwechselbare Organik aufweisen konnte. Es lohnt sich auf jeden Fall, als Masterkeyboard ein Modell mit MPE oder zumindest Poly-Aftertouch einzuplanen.

Multitimbralität und Stimmen

Der 3rd Wave 8M bietet acht Stimmen, hier wurde also gegenüber dem großen Modell mit 24 Stimmen ordentlich eingespart. Jede Stimme besitzt eigene Filter, Hüllkurven und Modulationsmöglichkeiten. Der Synthesizer ist zweifach multitimbral, du kannst also zwei unabhängige Sounds inklusive eigener Effekte gleichzeitig spielen. Im „Layer Mode“ lassen sich diese Parts bequem über das Display zu massiven Texturen kombinieren, wobei die Polyphonie dann aber natürlich aufgrund der maximal verfügbaren 8 Stimmen eingeschränkt ist. Die Stimmverteilung erfolgt aber intelligent und ohne hörbare Umschaltung. Bei komplexen Arrangements reagiert das System stabil, und auch im MIDI-Multimode überzeugt der 8M durch exzellentes Timing. Groove Synthesis setzt hier auf eine moderne Architektur und das spürt man auch beim Spielen.

Polyphoner Stepsequenzer

Der integrierte polyphone Step-Sequenzer zeigt sich ebenfalls sehr flexibel. Anders als bei vielen Konkurrenten lassen sich nicht nur Noten aufzeichnen, sondern unabhängig davon auch Parameterbewegungen aufzeichnen, wodurch der Sequenzer zu einem lebendigen Performance-Werkzeug wird.  

Mit Echtzeitaufnahme, Ratcheting und Swing-Funktion konnte ich im Test auch komplexe rhythmische Gebilde programmieren. Besonders in Verbindung mit dem Modulationssystem hat der Sequenzer dabei seine Stärken ausgespielt: Filterfahrten, Wavetable-Positionierungen und rhythmische Oszillatorenmodulationen wurden sauber umgesetzt. Der Workflow ist klar strukturiert und bleibt dank Display-Feedback bleiben auch übersichtlich.

Außergewöhnlicher Klang

Der wohl größte Trumpf des 3rd Wave 8M ist sein unverwechselbarer Sound. Schon das Durchsteppen der Presets zeigt die enorme Bandbreite von schwebenden Ambientflächen über metallische Digitalklänge bis hin zu analogen Brass- und Lead-Sounds, die mühelos an Vintage-Oberheims oder Prophet-5 erinnern.

Das Spektrum reicht von kalt und präzise bis warm und dreckig, immer mit einer gewissen „3D-Tiefe“. Besonders beeindruckend sind morphende Pads, bei denen mehrere Oszillatoren unterschiedliche Wavetables verwenden. Und perkussive Sequenzen und Hybrid-Leads profitieren von den schnellen Hüllkurven mit präzisem Attack und kräftigen Transienten.

Gut gelöste Bedienung

Bei einem derart komplexen Synthesizer besteht immer die Gefahr, dass sich das Sounddesign im Menü verliert. Doch Groove Synthesis hat spürbar viel Sorgfalt darauf verwendet, die Bedienung logisch und flüssig zu gestalten. Der 3rd Wave 8M verfügt über ein gut gegliedertes Interface, das wichtige Parameter direkt zugänglich hält, und auch die Navigation über das Hauptdisplay in Kombination mit den flankierenden Encodern und Tastern ist aus meiner Sicht gut gelöst.

Nachdem ich die Philosophie verstanden hatte, konnte ich beim Testen überraschend schnell durch Oszillator-Ebenen, Filtereinstellungen, Modulationsrouting oder Effektseiten navigieren. Damit steht der 8M in angenehmem Gegensatz zu vielen modernen Digital-Synths, deren Menüs überfrachtet wirken. Natürlich geht das beim großen 3rd Wave Keyboard mit seiner vielfachen Anzahl an Reglern noch einmal deutlich schneller und komfortabler, doch mit etwas Routine gewöhnt man sich schnell auch an den Workflow des Desktop-Moduls mit seiner begrenzten Reglerzahl.

Effekte und Dynamik

Der 3rd Wave 8M verfügt über eine interne Effektsektion mit Hall, Delay, Chorus, Ensemble, Phaser und Bitcrusher. Die Effekte sind gut auf die Klangerzeugung angepasst und klingen hochwertig. Insbesondere der Reverb überzeugt durch Tiefe und Transparenz und verschmilzt schön sowohl mit den digitalen als auch analogen Sounds. Wer lieber externe Effekte nutzt, kann dank separater Audioausgänge jeden Part flexibel auf externe Effekte routen. Eine digitale Kompressor- und Drive-Sektion ergänzt das Paket. Diese Werkzeuge dienen weniger dem „Veredeln“, sondern eher dem kreativen Sounddesign: Leichter Overdrive im Filterpfad kann den 3rd Wave in warme, vibrierende Flächen verwandeln, während ein gezielter Hall etwa aus Leads ätherische Sphärenklänge formt.  
Kurz gesagt: Der 8M klingt auch ohne externe Effekte ausgezeichnet, was ein echter Vorteil für kleine und mobile Studios oder die Live-Performance ist.

Einordnung im Synthesemarkt

Mit seiner Kombination aus 24-Oszillator-Architektur (drei pro Stimme), analogen Filtern und mächtiger Modulationsengine steht der 3rd Wave 8M in direkter Konkurrenz zu Geräten wie Waldorf M und Iridium oder ASM Hydrasynth. Während der Waldorf M stärker den Vintage-Charme betont, musst du beim Iridium auf das analoge Filter verzichten. Da die digitalen Filter des Iridium aber auch sehr gut klingen und der M durch diverse Firmware-Updates erweiterte Oszillatoren sowie Multimodefilter bekommen hat, würde ich diese beiden Waldorf-Synthesizer am ehesten als Alternative ansehen. ASM Hydrasynth deckt den transparenten digitalen Sound gut ab, der 3rd Wave ist aber klanglich anpassungsfähiger.

Deutlich günstiger ist der Behringer Wave, der den PPG Wave Bereich ebenso überzeugend nachbildet, aber auf die umständliche Bedienung des Originals setzt und den weiteren Funktionen des 3rd Waves nichts entgegenzusetzen hat.  Andere günstigere Alternativen wären Korg Modwave mkII oder Modal Argon8, die aber nicht an die Klangqualität und -möglichkeiten des 3rd Wave herankommen.

Fazit

Der 3rd Wave 8M überzeugt als kompakte Desktop/Rack-Version des großen 3rd Wave durch seinen charakteristischen hybriden Klang aus Wavetables und analogen Filtern. Die Soundqualität ist erstklassig, sowohl bei digitalen Sounds als auch bei warmen, druckvollen Analogklängen. Besonders positiv ist die enorme Klangtiefe und Flexibilität dank drei Oszillatoren, hochauflösenden Wavetables sowie Sampler und virtuell-analoger Klangerzeugung zu erwähnen, kombiniert mit einem klar strukturierten Bedienkonzept. Damit ist der 3rd Wave nicht nur für Liebhaber des PPG Wave interessant, sondern für jeden, der nach einem sehr gut klingenden und flexiblen Synthesizer mit Charaktersound sucht. Man merkt dem 3rd Wave einfach an, dass hier viel Praxiserfahrung und Liebe zum Detail in die Entwicklung geflossen, und das rechtfertigt dann zusammen mit der hochwertigen Verarbeitung auch den verhältnismäßig hohen Preis für einen 8-stimmigen Hybrid-Synthesizer.

Facts & Wertung

  • Hersteller: Groove Synthesis
  • Web: groovesynthesis.com
  • Bezug: Fachhandel
  • Preis: 1.999 Euro

Specs:

  • Desktop-Synthesizer
  • Wavetable, VA, FM und Sampling
  • 8-stimmig
  • 3 digitale Oszillatoren pro Stimme
  • Dual-Filter (analog/digital)
  • 2-fach multitimbral
  • integrierte Effekte
  • 7" Display
  • Abmessungen: 53 × 29 × 20 cm
  • Gewicht: 4,8 kg
  • inkl. Rackwinkel

Pro & Contra:

  • [+] Transparenter, detailreicher Klang mit breitem Sweetspot
  • [+] Extrem flexibel (Wavetable, Sampler, VA) und 20 Modulations-Slots
  • [+] Charakterstarke analoge Filterstufe (Curtis-Basis)
  • [+] Bi-Timbral, exzellente Verarbeitung & toller Stepsequenzer
  • [-] Nur 8 Stimmen im Vergleich zum Flaggschiff

Wertung:

  • Klang: 6 Punkte
  • Bedienung: 5 Punkte
  • Preis/Leistung: 4 Punkte
  • Gesamt: 5 Punkte
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