Endlich die verstaubte Studio-Hardware direkt in die DAW einbinden – wie ein Plug-in und latenzfrei! Unmöglich? Freqport hat sich genau das vorgenommen. Den freqport FreqInOut FO1 hatten wir bereits unter der Lupe (vollständiger Test siehe weiter unten) – ein unscheinbarer Kasten, der Hardware-Effekte latenzfrei zu VST-Plug-ins macht, die sich dann entsprechend flexibel in der DAW verwenden lassen.
Mit der neuen Rack-Variante FO1_RK2 verdoppelt sich die Zahl der Kanäle von vier auf acht, wobei die beiden FO1-Einheiten in ein robustes 1U-Gehäuse gepackt werden und damit endlich platzsparend ins Rack passen. Grund genug für ein Update ...

Räumen wir gleich zu Beginn mit einem Mysterium auf: Der FreqInOut FO1 sieht zwar aus wie ein Audio-Interface, ist aber keins – trotz seiner je vier Ein- und Ausgänge. Die Anschlüsse dienen dazu, externes Gear in die DAW einzubinden, ohne vorher kompliziertes Routing vornehmen zu müssen oder auf starre Konfigurationen angewiesen zu sein.
Sind die Geräte mal angeschlossen, lässt sich jedes davon einzeln oder als Vierer-Block als Plug-in an beliebige Stellen in der DAW einklinken. Soll der EQ also vor statt nach dem Kompressor kommen? Einfach per Drag-&-Drop zurechtschieben. Soll der Send-Effekt lieber zum externen Reverb statt Tape-Echo führen? Dazu genügen zwei Mausklicks.
Das Update: Der FO1_RK2
Die genaue Funktionsweise des FO1 findet ihr weiter unten in Sascha Blachs Testbericht zum FreqInOut FO1. Die Features der einzelnen Unit sind nach wie vor identisch. Die großen Unterschiede zum FO1_RK2 ist das Rack-Gehäuse, in dem zwei FO1 Platz finden.
Die große Frage, die wir uns vor unserem Date mit dem FO1 stellten, lautet: “Wozu brauche ich denn so ein Teil? Das Routing kann ich genausogut mit meinem Audio-Interface vornehmen und meine Hardware damit in die DAW einbinden”.
Das ist korrekt – größtenteils. Externes Gear lässt sich am Audio-Interface anschließen und beispielsweise in Ableton Live mit der “External Audio Effect”-Device einbinden. Für Nutzer anderer DAWs ist so ein Routing allerdings per se ein kleiner Albtraum und spätestens nach zwei Stereo-Units wird’s dann eng mit den verfügbaren Kanälen des Audio-Interfaces – auch für Live-User.
FreqInOut ist davon unberührt: bis zu vier Geräte lassen sich kaskadieren, das macht insgesamt 16 (!) zusätzliche Ein- und Ausgänge, unabhängig vom Audio-Interface und Beschränkungen der USB- und ADAT-Schnittstellen. Die Verwaltung läuft komplett über das Plug-in von FreqPort, es profitieren also Nutzer aller DAWs davon.
Wie auf einem der Fotos zu sehen, lassen sich damit sogar Synths und Pedals in den Renoise-Tracker einklinken. Zugegeben, mehr Nische geht wahrscheinlich nicht, aber es geht! Um die Nutzung visueller zu gestalten, findet ihr weiter unten eine kleine Übersicht möglicher Szenarien.
Mögliche Szenarien zum Einbinden von externe Hardware in die DAW
- Gitarren-Effekte einbinden: Vermutlich eine der naheliegenden Anwendungen: An einen FO1 lassen sich bis zu vier Mono-Pedals anschließen und im zugehörigen Plug-in in beliebiger Reihenfolge arrangieren. Perfekt für Re-Amping, denn beim Einspielen lassen sich die Pedals wie gewohnt bedienen, die Gitarre wird aber trocken aufgenommen.
- Outboard-Gear flexibel einbinden: Letztlich ein mit den Pedals vergleichbares Szenario, aber mit mehr Fokus aufs flexible Einbinden von externen Equalizern, Kompressoren und Reverbs. Erstere lassen sich so easy per Parallel-Processing einbinden und letztere können ohne umständliches Verkabeln als Send-Effekte verwendet werden.
- Plug-ins mit Hardware-Effekten nutzen: Der umgekehrte Weg: Wann hast du zum letzten Mal einen Softsynth durch ein Verzerrer-Pedal geschleift? Da steht die tollste Hardware im Studio, aber oft wird trotzdem “in the box” gewerkelt und gebaut. Durch die einfache Einbindung wird das Outboard-Gear als Plug-in verfügbar und kann im Bund mit den Software-Synthesizern verwendet werden.
- Hardware-Synth als Effekte nutzen: Mal ganz anders angegangen: Erstaunlich viele Hardware-Synthesizer besitzen einen Audio-Eingang, der meist aber ungenutzt bleibt oder nur andere Hardware angeschlossen wird. Mit dem FO1 lässt sich das auf einfachem Wege ändern. Und wer weiß, vielleicht schlummert ja noch ein Mega-Vocoder in einem deiner Synths?
Fazit zum FreqInOut FO1_RK2
Auf eine erneute Wertung für das Update verzichten wir übrigens, denn an der Funktionalität des FO1 ändert sich nichts und somit auch nichts an der Beurteilung. Wer sich ohnehin mehrere FO1 zulegen möchte, bekommt mit der FO1_RK2-Edition eine stabile Variante mit zwei bereits eingebauten Einheiten, die sich exakt so verwenden lassen wie zwei einzelne.
Test: FreqPort FreqInOut F01
Mit dem schlichten, schwarzen Kasten (B220 x T105 x H43 mm) füllen FreqPort in der Tat eine Marktlücke. Noch nie war es so unkompliziert, externe Kompressoren, Reverbs, Delays oder auch Synthesizer und Drummachines in eine DAW zu integrieren. Im Grunde erweitert der FreqInOut F01 das Audio-Interface einfach um zusätzliche Kanäle und eine Patchbay. Das Gerät wird über USB-C angeschlossen und mit Strom versorgt, alternativ lässt sich ein optionales Netzteil nutzen. Vier Ein- und Ausgänge stehen zur Verfügung – als vier Monowege, zwei Stereowege oder eine Kombination aus Mono und Stereo. Vier Einheiten lassen sich kaskadieren, wodurch insgesamt 16 Wege entstehen.
Hohe Flexibilität
Hardwareseitig verbindet man seine Geräte klassisch per 6,3-mm-Klinke, ähnlich wie in jedem Effekt-Loop. Auf Softwareebene wird das passende Plugin (VST3 oder AU) installiert. Im Plugin lassen sich die Kanäle auswählen, benennen und optional der Stereo-Link einschalten. Schon steht das Analog-Equipment im Plugin-Slot zur Verfügung. Besonders praktisch sind die Gain-Regler für Ein- und Ausgangspegel, mit denen sich beispielsweise ein Kompressor gezielt heißer anfahren lässt. Zudem ermöglicht das Plugin das Einstellen des Mix-Anteils für parallele Effekte sowie eine Mid-Side-Bearbeitung.
Das FreqInOut F01 kann sowohl auf einzelne Kanäle als auch auf Busse gelegt werden. Einzig, dass jedes Hardware-Gerät nur einmal geöffnet werden kann, schränkt die Nutzung ein – doch das ist aufgrund der Natur von Hardware naheliegend. Ein weiteres Highlight ist die Möglichkeit, die Reihenfolge der angeschlossenen Geräte im Plugin per Drag-&-Drop zu ändern, ohne Kabel umstecken zu müssen. Die Reihenfolge von EQ und Kompressor lässt sich so z.B. binnen einer Sekunde anpassen.
Komplett latenzfrei
Neben der einfachen Handhabung überzeugt das Gerät mit latenzfreier Signalverarbeitung. Wer bereits manuell versucht hat, Latenzen bei externen Effekten in der DAW auszugleichen, weiß diesen Vorteil sicher zu schätzen. Ein cooles Feature ist auch der Bild-Upload per QR-Code. Nach dem Scan kann ein Handy-Foto der angeschlossenen Hardware hochgeladen werden, das anschließend als Custom Skin im Plugin erscheint. Das hilft, Einstellungen für spätere Sessions zu reproduzieren, denn Total Recall ist mit Hardware natürlich nicht möglich. Eine Lupe lässt Details sogar noch besser erkennen. Digitale Parameter wie Name, Einstellungen der Kanäle und das Bild speichert man indes mit der Session in der DAW und im Gerät automatisch ab.
Hochwertige Wandlung
Klanglich überzeugt der FreqInOut F01 ebenfalls: Die Wandler arbeiten mit 32 Bit und einer Sample-Rate von 192 kHz, wobei hochwertige ESS-Digitalwandler für ausgezeichnete Signalqualität sorgen. Zu beachten ist lediglich, dass beim Einsatz externer Hardware nur noch in Echtzeit gebounct werden kann – eine logische Konsequenz der Arbeitsweise. Bounce In Place funktionierte in unserem Test in Logic ebenfalls nicht. Hier muss der Umweg über einen „richtigen“ Bounce genommen werden. Für die Zukunft wären größere Varianten wünschenswert, denn acht Kanäle dürften in vielen Studios schnell ausgereizt sein, oder eine Integration in Audio-Interfaces. Der Preis von 599 Euro ist zwar nicht günstig, aber angesichts der Qualität durchaus gerechtfertigt.
Fazit zum FreqInOut FO1
Der FreqInOut F01 ist eine praktische Lösung für alle, die Hardware in eine DAW einbinden möchten, denn analoge Geräte wie ein Plugin zu nutzen, war noch nie so einfach. Die unkomplizierte Handhabung, die flexiblen Routing-Optionen und die latenzfreie Verarbeitung sind ebenso vorbildlich wie die hochwertige Signalverarbeitung. Der Preis könnte auf Anhieb aufstoßen, geht für die gebotenen Optionen, Verarbeitungsqualität und zu alternativ benötigten Audio-Interfaces aber voll in Ordnung.
Features
- Hardware als Plugin einbinden
- 4 In/Outs (je 8 mit dem FO1_RK2)
- Custom Skins per QR-Code
- Gain-Regler für Ein/Ausgang
- Mix-Anteil, Mid/Side
- 32 Bit / 192 kHz ESS-Wandler
- VST3, AU
Fakten
- Hersteller: FreqPort
- Web: www.freqport.com
- Vertrieb: Audiowerk
- Preis: 599 Euro, 1.199 Euro (FO1_RK2)




