Der virtuelle Polymoog XILS-lab PolyM im Test

Quelle: https://www.beat.de/test/virtuelle-polymoog-xils-lab-polym-test-10072383.html

Autor: Jan Wilking

Datum: 22.09.17 - 15:48 Uhr

Der virtuelle Polymoog XILS-lab PolyM im Test

XILS-lab hat sich für das Plug-in PolyM den Polymoog zum Vorbild genommen und liefert eine authentische Nachbildung für prägnante analoge String- und Pianoklänge.

Features:

  • Polymoog-Emulation als Plug-in
  • zwei Oszillatoren
  • 71 Stimmen
  • 9er-Mod-Matrix
  • Resonatorbank
  • klassisches Moog-Ladder-Filter
  • Vintage-FX: Delay, Phaser, Reverb
  • für VST, RTAS, AU, AAX
  • Schutz: iLok (Dongle/Soft), USB e-Licenser

Der Polymoog, erschienen im Jahre 1975, war einer der ersten mehrstimmigen Synthesizer auf dem Markt. Bis zu 71 Stimmen (eine je Taste) wurden, ähnlich wie bei einer Orgel, durch entsprechende Frequenzteilung aus 12 Oszillatoren erzeugt. Dieses Konzept hat zwei Jahre später auch Korg mit dem PS-3100 in leicht geänderter Form übernommen. Aus Kostengründen besaß natürlich nicht jede dieser Stimmen ein eigenes Filter etc., lediglich einen eigenen Verstärker (VCA). Deshalb ist der Polymoog auch nur eingeschränkt mit heutigen voll-polyphonen Synthesizern vergleichbar. Dennoch oder gerade aufgrund dieser Einschränkung bot der Polymoog aber einen sehr eigenständigen Sound. Zum Beispiel hat der Polymoog bei geöffnetem Filter stets ein gewisses Maß an Nebengeräuschen durchgelassen. Genau dieser Klangteppich kann aber eine entsprechende Atmosphäre erzeugen, die blitzsauberen Digital-Synthesizern und Plug-ins oftmals fehlt.

Wer bei dem Namen Moog allerdings an fette Bässe und Leads denkt, wird eher enttäuscht sein, denn der Polymoog klingt ganz anders als alle anderen Moog-Synthesizer. Gute Beispiele für seine Stärken finden sich in alten Stücken von Gary Numan, allen voran die Strings im Synthpop-Klassiker „Cars“.

Neue Modulationsmatrix

Da der Klang virtuell-analog und nicht mit Hilfe von Samples erzeugt wird, nimmt Poly-M nur wenige Megabyte auf der Festplatte ein. Die Benutzeroberfläche des Plug-ins ist deutlich an das Original angelehnt und für unseren Geschmack etwas zu fotorealistisch, was die Bedienung erschwert.

Die Tonerzeugung basiert auf zwei Oszillatoren mit Sägezahn- und Rechteckwelle, deren Fußlage in zwei Stufen einstellbar ist. Die Oszillatoren lassen sich gegeneinander verstimmen, entweder grob in Halbtönen (für beispielsweise Quinten-Klänge) oder fein für schwebende und Phaser-artige Sounds. Auch PWM ist möglich. Mit dem Lock-Modus lassen sich die Oszillatoren phasenstarr schalten, bei Tonhöhenmodulation der Rechteckwelle erhalten sie dann eine Phasenmodulation ähnlich der Casio CZ-Serie anstatt Frequenzmodulation. Die Modulation ist ohnehin eine der Stärken des PolyM, ganze drei LFO stehen für diese Zwecke zur Verfügung. Beim PolyM gibt es auch eine Modulationsmatrix, um die Modulationsquellen wie LFO, Modulationsrad oder Aftertouch diversen Parametern einschließlich der eingebauten Vintage-Effekte zuzuordnen.

Die Filtersektion wurde beim PolyM deutlich flexibler gestaltet. Alternativ zu den Preset-Filtereinstellungen des Originals gibt es ein frei editierbares 12dB-Multimodefilter mit wählbarem Tief-, Hoch- und Bandpass. Zudem ist das Filter im PolyM polyphon, jede Stimme hat also ihr eigenes Filter. Auch der erweiterte VCA hinter dem Filter ist eine willkommene Ergänzung zum Original, ebenso wie die zuschaltbare Sustain-Stufe der Hüllkurven.

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XILS-lab PolyM: Resonatorbank und Moog-Filter

Bei einem klassischen subtraktiven Synthesizer wäre hier Schluss mit der Signalkette, aber beim Polymoog haben sich die Entwickler Pfiffiges ausgedacht, um die eingeschränkte Klangerzeugung aufzupeppen. Die Resonatorbank bietet drei parametrische Multimode-Filter (6 oder 12dB) mit getrennt regelbarer Frequenz, Resonanz und Lautstärke. Diese Resonatorbank hat einen so speziellen Klang, dass hiervon bereits Nachbauten für ein Modularsystem existieren, um externe Signale durchzujagen. Umso bedauerlicher ist, dass der PolyM nicht über einen Eingang für externe Signale verfügt. Zumal neben der Resonatorbank noch ein klassisches 24dB-Moog-Filter zur Verfügung steht und auf ein Eingangssignal wartet. Es wirkt auf alle Stimmen gleichzeitig und macht PolyM damit paraphon, aufgrund des speziellen Sounds der Oszillatoren hat es klanglich auch nicht die gleiche Bedeutung wie bei anderen Moog-Synthesizern wie dem Minimoog. Das Ladder-Filter verfügt über eigenen LFO und Hüllkurve, der spezielle Klangcharakter wurde im PolyM gut getroffen.

Als Besonderheit lässt sich das Keyboard des Polymoog splitten und so zweihändig mit verschiedenen Sounds spielen – beim PolyM sogar mit frei wählbarem Splitpunkt.

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Fazit

Wenn Sie einen polyphonen Minimoog erwarten, werden Sie sowohl beim Polymoog als auch dessen virtuellem Klon PolyM enttäuscht sein. Die Stärken des Polymoogs sind keine fetten warmen Bässe und Leads, sondern charaktervolle und eigenständige String- und Padsounds sowie analoge Chor-, Orgel- und Pianoklänge mit interessanten Modulationen und Schwebungen. Und diese speziellen Eigenarten des Polymoog-Sounds hat XILS-lab beim PolyM überzeugend authentisch in die digitale Welt übersetzt.

Dieser Artikel ist in unserer Heft-Ausgabe 142 erschienen.

Produktdaten
ProduktnamePolyM
HerstellerXILS-Lab
Preis149 €
Webseitexils-lab.com
Bewertung4.15/5 Sterne
Pro
  • authentische Nachbildung
  • polyphone Filter
  • wählbarer Splitpunkt
  • eingebaute Effekte
  • Modulationsmatrix
Contra
  • 3D-GUI erschwert Bedienung
Bewertung
1.9
gut