Test: Elektron Analog Four MKII - Lohnt das Update?

Geschrieben von Jan Wilking
18.01.2018
11:45 Uhr

Elektron hat den vierstimmigen Analogen Analog Four rundum erneuert. Neben dem offensichtlichen Facelifting hat sich auch unter der Haube einiges getan. Lohnt sich das Update?

(Bild: Elektron)Die neue Version bietet vier Einzelausgänge. Auch eine digitale Übertragung der Audiokanäle ist per Overbridge möglich, das für Februar angekündigt ist und erfreulicherweise doch nicht kostenpflichtig wird.
(Bild: Elektron)Elektron Analog Four MKII Rückansicht

Features

  • 4-stimmer Synthesizer
  • mit Sequenzer
  • überarbeitete Analog-Schaltung
  • Stereo-Audioausgänge für jede Synth-Voice
  • OLED-Display
  • robuste, hintergrundbeleuchtete Buttons
  • präzise Hi-Res-Encoders
  • 4 CV-/Gate-Ausgänge
  • 2 CV-Eingänge,

Die Eckdaten der Klangerzeugung haben sich in Version MKII nicht geändert, weshalb sie auch patchkompatibel zum Vorgänger bleibt. Der Analog Four bietet vier Stimmen, die jeweils über 2 Oszillatoren, 2 Suboszillatoren, Rauschgenerator, ein 4-poliges Tiefpassfilter, ein 2-poliges Multimode-Filter sowie einen Overdrive-Schaltkreis verfügen. Der gesamte Signalweg ist analog ausgelegt. Zur Modulation stehen zwei LFO und drei Hüllkurven zur Verfügung, die digital berechnet werden. Der Analog Four kann polyphon gespielt werden oder vier Stimmen zu einem fetten Unisono-Sound schichten. Er lässt sich aber auch wie vier monophone Analogsynthesizer mit verschiedenen Sounds nutzen, was in Version MKII durch die neuen Stereo-Einzelausgänge für jeden Part noch deutlich erleichtert wird. Weitere Neuheit auf der Rückseite sind zwei CV-Eingänge, um Parameter des Analog Four per Fußpedal oder eine andere CV-Quelle zu steuern. Zur Veredelung des Klanges stehen Chorus, Delay und Reverb als Send-Effekte zur Verfügung. Hinzu gesellt sich der Elektron-typische Sequenzer, der insbesondere für die Live-Performance ausgelegt ist.

Mehr Bass und Verzerrung

Elektron hat die Klangerzeugung an zwei Stellen optimiert. Die erste Generation des Analog Four überzeugte zwar mit flexiblem und charaktervollem Analogklang, musste sich im Bassbereich aber anderen Synthesizern geschlagen geben. Schon beim Analog Keys hat Elektron daher erste Verbesserungen vorgenommen, um tiefe und definierte Bässe zu ermöglichen. Ähnlich wie beim ehrwürdigen Korg MS20, der vom reinen Grundklang her auch nicht unbedingt ein Bassmonster war, behilft man sich dabei eines kleinen Tricks: Das zweite Filter wird in den Hochpassbetrieb versetzt und die Resonanz auf einen mittleren Wert eingepegelt, was eine kräftige Bassanhebung zur Folge hat. Beim Analog Four MKII wurde das Filter dahingehend weiter optimiert, sowohl ultra-deepe Bässe als auch fette Bassdrums lassen sich mit der neuen Generation problemlos erzeugen.

Die zweite Verbesserung betrifft die Overdrive-Schaltung. Hier konnte Elektron in den letzten Jahren einiges an Erfahrung sammeln, schließlich haben die Schweden mit Analog Heat und Drive zwei hervorragend klingende Verzerrer herausgebracht. Das im Analog Four MKI verbaute Overdrive hatte, um es positiv auszudrücken, einen sehr speziellen Klangcharakter. In der neuen Version ist er immer noch vertreten, bei negativen Werten des Overdrive-Reglers erhalten Sie den typischen kratzigen und etwas undefinierten Klang des Vorgängers. Interessanter dürfte dagegen für die meisten Nutzer zukünftig der positive Regelbereich des Overdrive sein. Denn dies aktiviert einen Verzerrer-Schaltkreis, der deutlich erwachsener wirkt und endlich nach echtem analogen Drive klingt.

Analog Four MKII - Neues Design

Der Analog Four MKII steckt in einem komplett neu designten Gehäuse aus Aluminium, dessen Erhöhung im hinteren Bereich für eine zum Benutzer hin leicht angeschrägte Oberfläche sorgt und so die Bedienung erleichtert. Das Display arbeitet jetzt mit OLED-Technologie und lässt sich dadurch auch bei schlechten Lichtverhältnissen und aus allen Blickwinkeln deutlich besser ablesen als beim Vorgänger. Das Gehäuse ist ein ganzes Stück größer ausgefallen. Entsprechend bietet die Oberfläche mehr Platz für weitere Taster, was die Bedienung und den Workflow erleichtert. Der neue Quick-Performance-Regler erlaubt den Part-übergreifenden Zugriff auf mehrere Parameter gleichzeitig, ohne dass Sie vorher in den Performance-Modus wechseln müssen.

Alle Taster sind für einfache Bedienung mit Zahlen, Abkürzungen oder Symbolen versehen und hintergrundbeleuchtet. Sie entsprechen den in neueren Elektron-Geräten wie dem Digitakt verbauten Exemplaren und heben sich damit deutlich vom Analog Four MKI ab. Die Haptik erinnert an die Tastatur alter Heimcomputer wie dem Commodore C64 oder mechanische Gamer-Keyboards, was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist. In der Praxis funktioniert dies aber erstaunlich gut, zudem dürften die Taster auch jahrelangem Dauereinsatz gewachsen sein.

Lesetipp

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Fazit

Die auffälligste Änderung der Neuauflage des Analog Four betrifft das äußere Design, an dem sich bereits jetzt die Geister scheiden. Uns gefällt die abgeschrägte größere Oberfläche mit den robusten Tastern besser als beim Vorgänger, und der Workflow wird durch die zusätzlichen Bedienelemente und das OLED-Display deutlich verbessert. Unstreitig eine klangliche Bereicherung sind der optimierte Bassbereich sowie der neue Overdrive-Schaltkreis. Einzelausgänge und CV-Eingänge runden die Neuauflage ab.

Dieser Test wurde in unserer Heft-Ausgabe 146 veröffentlicht.

Testergebnis
ProduktnameAnalog Four MKII
HerstellerElektron
Preis1395 €
Webseitewww.elektron.se
Pro
  • robuste Verarbeitung
  • besser lesbares Display
  • optimierter Bass
  • neuer Overdrive
  • zusätzliche Taster
  • Einzelausgänge
  • CV-Eingänge
Bewertung
1.4sehr gut
 
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