Test

VCV Rack 0.6 im Test: Wie schlägt sich das kostenlose Modularsystem?

Krass: Der Code-Guru Andrew Belt liefert mit VCV Rack die Einstiegsdroge in die Welt des Modularen. Und das völlig kostenlos. Der Clou: Dank Bridge kann das System jetzt sogar in jeder DAW laufen.

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Features
  • virtuelles Modularsystem
  • DAW-Bridge
  • Orientierung am Eurorack-Standard
  • über 40 Module inklusive
  • über 100 Module kostenlos
  • auch kommerzielle Module erhältlich
  • kostenlos

Ein kostenloses Modularsystem für Windows, Mac und Linux mit etlichen Modulen und einer wachsenden Entwickler-Community? Genau: VCV Rack! Beat hat sich das derzeit wohl heißeste Soft-Rack näher angeschaut und untersucht, was es kann und wie es sich im Vergleich mit Softube Modular schlägt.

Kostenloses Modularsystem für Win, Mac & Linux

VCV Rack ist ein virtuelles (Stand-alone)-Modularsystem für Windows, Mac und Linux, welches kostenlos verfügbar ist. Nach der Installation hat man bereits einen Schwung an Modulen parat und kann direkt loslegen. Ein erstes Highlight sind die Befaco- und Mutable Instruments-Emulationen, mit denen kräftige Filter, spannende Texture-Oszillatoren, ein charaktervoller Federhall und auch Physical Modeling für Glocken, Percussions und Co. bereitstehen. Die Bedienung orientiert sich am Eurorack-Standard, sodass Einsteiger durchaus Schwierigkeiten bekommen können, dem System einen ersten Klang zu entlocken. Modular-Kenner werden hingegen sehr vertraut an die Arbeit gehen.

Module satt

Der Reiz steckt natürlich in den vielen überwiegend kostenlos erhältlich Modulen, um beispielsweise eine mächtige Drum Machine über die Vult-Module aufbauen zu können. Der interne Plug-in-Manager macht die Handhabung übrigens sehr einfach. Spannend: Der renommierte Plug-in-Spezialist Unfiltered Audio bietet für 29 US-Dollar abgespeckte Versionen von Instant Delay, Indent und Dent an, also sehr flexible Granular Delay-, Bitcrusher- und Distortion-Effekte. Blamsoft ist ebenfalls als bekannter Hersteller (u.a. VK-2 Moog Voyager Klon) mit dabei und bietet knallharte Distortion-Module oder auch Reverbs für einen geringen Preis.

VCV Rack "in" der DAW, dank Bridge

Mit Version 0.6 ist die lang ersehnte Bridge als Modul dazugekommen, die sich als Bindeglied zwischen dem Modularsystem und einer DAW erweist. Bridge ist ein gewöhnliches VST/AU-Plug-in, welches eine Audio- und MIDI-Verbindung herstellt. So lädt man Bridge beispielsweise in Ableton Live und aktiviert dieses in VCV Rack als Audio-Interface. Schon ertönen die Module in Ableton Live. Der Signalweg geht natürlich auch umgekehrt, sodass Samples, Synths und Co aus Ableton Live in VCV Rack erklingen. Ziemlich simpel! Darüber hinaus können auch MIDI-CCs über Bridge übertragen werden. Dies ermöglicht das Fernsteuern der Module mittels Automation aus der DAW. MIDI-Clock und -Noten-Befehle werden jedoch nicht übertragen, diese muss man also wie gewohnt über interne MIDI-Treiber (z.B. IAC Driver) oder einem externen MIDI-Interface senden.

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VCV Rack vs. Softube Modular

Wenn man die beiden Modularsysteme gegenüberstellt, wird man einige signifikante Unterschiede feststellen. Zunächst einmal ist Softube Modular als VST-Instrument/Effekt nahtlos mit der DAW verdrahtet. Zudem werden hervorragende Emulationen von Modulen aus dem Hause Doepfer, Intellijel Design und 4ms angeboten, die in Zusammenarbeit mit den Entwicklern entstanden sind. Leider ist der CPU-Verbrauch immens, was dem hervorragenden Klang geschuldet ist. VCV Rack hingegen ist stand-alone, läuft auch unter Linux und kann nur über Routings mit der DAW kommunizieren. Allerdings kommen wöchentlich neue, oftmals kostenlose Module auf den Markt, deren Qualität wiederum vom Entwickler abhängt. Während VCV Rack den Rahmen für ein nahezu grenzenloses Modularsystem darstellt, muss man bei Softube Modular mit wenigen Modulen pro Projekt auskommen, da der CPU-Verbrauch schnell die Limitierung darstellt. Klangpuristen werden mit Softubes Pendant vermutlich glücklicher werden, als mit VCV Rack. Doch wer seinen modularen Gedanken freien Lauf lassen will und qualitative Modul-Unterschiede in Kauf nehmen kann, sollte zu VCV Rack greifen. Für nahezu jede Idee hat die Community ein entsprechendes Modul im Angebot. Doch was ist aus musikalischer Perspektive konstruktiver? In der Modul-Masse versinken (VCV Rack) oder ein paar hervorragend klingende Module bestens beherrschen (Softube Modular)? Das muss man natürlich selber entscheiden!

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Fazit

Keine Frage: VCV Rack ist wohl die heißeste Veröffentlichung der letzten Monate, denn das kostenlose Modularsystem ist durchdacht, sehr flexibel und dank der Community massiv gewachsen. Die Mutable Instruments-Emulationen oder aber die Vult-Module klingen hervorragend und zeigen ungebremst das klangliche Potenzial auf. Dank der DAW-Einbindung mittels Bridge sind der Kreativität nun kaum noch Grenzen gesetzt – und wir sind erst bei Version 0.6!

Dieser Test ist in unserer Heft-Ausgabe 150 erschienen.

Bewertung
Name
Andrew Belt VCV Rack
Pro
  • kostenloses Modularsystem
  • Open Source
  • viele Module & Emulationen
  • Bridge als DAW-Schnittstelle
  • Bedienung wie beim Eurorack
Contra
  • Modulqualität schwankt
Bewertung
(100%)
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