Im Test: Native Instruments Komplete Kontrol MK2

Geschrieben von Jan Wilking
19.12.2017
11:36 Uhr

Neben dem Maschine-Controller ist auch die Komplete-Keyboard-Serie von NI überarbeitet worden. Konnten dabei wesentliche Kritikpunkte beseitigt werden?

(Bild: Native Instruments)Native Instruments Komplete Kontrol MKII
(Bild: Native Instruments)Native Instruments Komplete Kontrol MKII

Features:

  • Masterkeyboard mit 49/61 Tasten
  • Anschlagdynamik, Aftertouch
  • Light-Guide über den Tasten
  • 2 große hochauflösende Displays
  • 8 Endlosregler
  • 4-Wege-Push-Encoder
  • Scale/Arp-Funktion
  • USB-powered
  • Komplete Select Softwarebundle

Vor gut drei Jahren präsentierte das Berliner Unternehmen Native Instruments mit Komplete Kontrol S25, S49 und S61 die ersten Keyboards aus eigener Schmiede. Diese Masterkeyboards sind in erster Linie für die Steuerung des hauseigenen Komplete-Softwarepakets optimiert, als Verbindungsglied dient die Software Komplete Kontrol. Neben viel Lob gab es auch einige Kritik an der Produktlinie. Softwareseitig konnte NI einige Sachen zwar nachbessern oder zumindest entschärfen, hardwareseitige Beschränkungen wie die deutlich zu klein geratenen Displays und das Fehlen konventioneller Pitchbend- und Modulationsräder konnten aber nicht mehr nachträglich ausgeräumt werden. Gemeinsam mit dem Maschine-Controller MK3 präsentierte NI daher im September auch die zweite Generation der Komplete-Keyboards erstmals der Öffentlichkeit.

Richtige Räder

Komplete Kontrol S MK2 ist derzeit wahlweise mit 49 oder 61 Tasten erhältlich. Eine 25-Tasten-Variante wird es wohl nicht wieder geben, diese machte insbesondere in Anbetracht des elementaren Light-Guide-Systems ohnehin nie so richtig Sinn. Es ist aber durchaus denkbar, dass NI wieder etwas verzögert eine Variante mit 88 gewichteten Tasten für die Pianisten nachlegt. NI setzt erneut auf eine halb-gewichtete Fatar-Tastatur mit Aftertouch. Bei unserem Testgerät erschienen die Tasten einen Tick leichtgängiger als beim Vorgänger, ohne Frage spielt die Tastatur aber auch in der Neuauflage in der Oberklasse der Keyboards mit. Hier klappert nichts zu stark, alle Tasten reagieren schnell und präzise und von Piano über Leads und Basslinien bis hin zu Drums lässt sich hiermit alles angenehm einspielen. Über verschiedene Velocity-Kurven lässt sich die Anschlagdynamik an Ihre persönliche Spielweise anpassen. Um tatsächlich volle Anschlagwerte von 120 oder mehr zu erreichen, müssen Sie aber bei allen Kurven ordentlich in die Tasten hauen – hier kann NI gerne noch softwareseitig nachbessern. Ein neuer Taster wurde neben den Tastern zum Transponieren der Tastatur über den Handrädern platziert und schaltet die Anschlagdynamik auf einen festen Wert, was beispielsweise beim Einspielen synthetischer Drums oder statischer Bässe nützlich ist. Die ungeliebten vertikalen Touchstrips sind verschwunden. An ihre Stelle treten zwei klassische Räder für Modulation und Tonhöhe, die mit ungewöhnlicher Breite und angenehmer Haptik überzeugen. Darunter platziert ist der horizontale Touchstrip, der bereits vom Maschine-Controller MK3 bekannt ist. Vom Keyboard bzw. der Komplete Kontrol Software wird er bisher aber nur eingeschränkt unterstützt und sendet wie das Modulationsrad einen einfachen MIDI-CC, spezielle Funktionen des Maschine-Controllers wie das Schrammeln gehaltener Noten vermissen wir derzeit noch.

(Bild: Native Instruments)Native Instruments Komplete Kontrol MKII

Hochauflösende Displays

Auffälligste Änderung sind die zwei großen hochauflösenden Displays. Sie entsprechen in Größe und Funktion der Maschine Studio oder eben der Maschine MK3. Die Displays erlauben eine Anzeige der Thumbnail-Ansichten der Instrumente und Librarys beim Browsen, der Pianorolle der Maschine-Software oder des Mixers der DAW. Die acht Endlosregler wurden wie bei Maschine jetzt darunter platziert. Dies ist sinnvoll, da die zugehörigen Parameternamen und -werte im unteren Bereich der Displays angezeigt werden. Die acht neu hinzugekommenen beleuchteten Taster oberhalb der Displays sind ebenfalls von den Maschine-Controllern bekannt. Sie übernehmen neben verschiedenen Funktionen beim Browsen und der Maschine-Steuerung auch das Stumm- und Solo-Schalten einzelner Kanäle der DAW.

Dicker Pluspunkt ist, dass im Gegensatz zum Vorgänger kein externes Netzteil erforderlich ist. Zum Betrieb reicht der Strom, den der angeschlossene Computer über USB bereitstellt. Für den Stand-alone-Betrieb gibt es aber auch einen Netzteilanschluss sowie ein MIDI-Pärchen, hinzu gesellen sich zwei Pedal-Anschlüsse.

Maschine-Steuerung mit Komplete Kontrol MKII

Links neben den Displays verfügt Komplete Kontrol jetzt über fünf untereinander angeordnete Taster zur Steuerung der Maschine-Software. Hier wählen Sie Scenes und Pattern direkt aus, wobei wir uns die übersichtliche Ansicht und Auswahl der Ideas auch für den Maschine MK3 gewünscht hätten – hier bietet das Keyboard derzeit sogar mehr als der spezialisierte Maschine-Controller! Ein Druck auf Pattern zeigt die bekannte Piano-Rolle, sodass Sie eingespielte Noten unmittelbar optisch kontrollieren können. Tiefer gehendes Editieren des Pattern ist derzeit aber leider nicht möglich. Der KeyMode-Taster schaltet die Tastatur um. Entweder spielen Sie das jeweils angewählte Instrument chromatisch über die Tastatur, was bei gestimmten Toms, Basslinien oder natürlich auch bei Synthesizer-Pads hilfreich ist; mit dem Komplete-Kontrol-Keyboard können Sie dabei übrigens auch die aktivierte Akkord-Funktion und/oder den Arpeggiator der Maschine-Software nutzen, was mit Keyboards anderer Hersteller nicht möglich ist. Zweite Option ist die Verteilung der 16 Sounds einer Maschine-Group auf nebeneinander liegende Tasten, was durch den Light-Guide entsprechend visualisiert wird. So können Sie mit dem Keyboard quasi wie mit den Pads des Maschine-Controllers komplette Rhythmen mit Kick, Snare, Hi-Hat etc. gleichzeitig einspielen. Das jeweilige Instrument wird dabei allerdings derzeit noch nicht zur Bearbeitung angewählt.

Die links daneben angeordnete Transport-Sektion übernimmt die Steuerung von Start, Stop, Aufnahme, Metronom, Tempo und Loop-Wiedergabe. Weitere Taster sind für Undo/Redo, Quantisierung sowie Aufnahme von Automationen zuständig. Ist die Maschine-Software nicht ausgewählt, übernehmen die Taster die passenden Funktionen der DAW. Über der Transportsektion befinden sich neben der Shift-Taste für Zusatzfunktionen die Taster für Arpeggiator und Tonart/Akkorde, die in Funktionalität dem Vorgänger entsprechen.

Browser & Plug-in-Steuerung​

Sechs weitere Taster sowie der auch bei der Maschine MK3 vorhandene große vierdimensionale Push-Encoder übernehmen die grundlegende Navigation, ergänzt um vier weitere Taster zum Weiterschalten von Presets und Parameter-Seiten im linken Bereich unterhalb der farbigen Mute/Solo-Taster. Die Browser-Taste öffnet wenig überraschend den Browser in der gewählten Software (Maschine oder Komplete Kontrol). Plug-in erlaubt die Steuerung der einzelnen Parameter des gewählten Instruments, bei Nutzung von Maschine stellen sie hierüber auch die nachgeschalteten Effekte ein. Mixer legt acht Mixerkanäle von Maschine oder der DAW auf die Regler, unterstützt durch große Echtzeit-VU-Meter auf den Displays. Instance ermöglicht das Umschalten bei Nutzung mehrerer Maschine- und Konplete-Plug-ins. MIDI schaltet die Bedienelemente in den MIDI-Modus, Regler und Taster senden dann per Controller-Editor einstellbare MIDI-Befehle und ermöglichen das Ansteuern externer Hardware und Plug-ins unabhängig von der Komplete- und Maschine-Software. Setup schließlich ist für interne Einstellungen zuständig. Mit dem Encoder navigieren Sie durch die Browser-Liste und laden per Druck hierauf den gewählten Sound oder schalten zwischen Mixer-Kanälen um.

DAW-Integration mit Komplete Kontrol MKII

Die DAW-Integration wurde deutlich ausgebaut und ist dank der neuen Bedienelemente und den größeren Displays deutlich komfortabler ausgefallen. Wir haben das Ganze mit Ableton Live getestet. Diese DAW wird neben Logic und Garage-Band bereits tief gehender unterstützt, weitere DAW wie Cubase sollen zeitnah folgen. Hierfür haben wir nach ein paar notwendigen Voreinstellungen mehrere Instanzen des Komplete-Kontrol-Plug-ins sowie das Maschine-Plug-in auf mehrere Spuren verteilt. Ab diesem Moment geht alles Weitere über das Keyboard ohne Maus, Computertastatur oder Monitor. Mit dem Push-Encoder wechselten wir durch Klick nach rechts und links zwischen den Spuren, Regler und Displays des Keyboards folgten dabei zur jeweiligen Plug-in-Instanz. Über die Browse-Funktion am Keyboard haben wir ein Battery-Kit in die erste Komplete-Spur geladen, per Taster das Metronom eingeschaltet, Aufnahme aktiviert und die Drums eingespielt. Unsauberes Timing konnte durch Druck auf den Quantize-Button ausgeglichen werden. Mit einem Encoder-Klick nach unten wählten wir den nächsten Ableton-Clip an und spielten einen zweiten Groove ein. Weiter auf die nächste Spur, Monark geladen, einen Moog-Bass eingespielt und anschließend nach Druck auf den Auto-Taster per Regler eine Filterfahrt in Ableton aufgezeichnet. Auf der nächsten Spur wurde mithilfe eines Chord-Sets ein passender Flächensound aufgenommen und ebenfalls moduliert, auf der vierten Spur ein Arpeggio ergänzt und schließlich ein Maschine-Pattern hinzugefügt. Fertig war die Basis für einen Track. Zwischen Maschine und Komplete Kontrol müssen Sie per Druck auf den Instance-Taster umschalten, ansonsten folgt das Keyboard der angewählten Spur. Ein Klick auf den Mixer-Taster zeigt die Kanäle in Ableton an, inklusive Benennung. Mit den Reglern und Tastern konnten wir so die Lautstärke und das Panning der Kanäle in Ableton Live anpassen und diese stumm oder solo schalten, jeweils visuell unterstützt durch Display und beleuchtete Taster. Mit dem Push-Encoder lassen sich auch Scenes anwählen und starten oder durch den Song „scrubben“.

Light-Guide

Auch die neue Keyboard-Generation verfügt über den sogenannten Light-Guide. Mehrfarbige LEDs über jeder Keyboard-Taste zeigen dabei an, welche Noten gerade gespielt werden und welche Noten zur gewählten Tonart gehören. Bei Nutzung angepasster Plug-ins gibt der Light-Guide auch Hinweise auf die Belegung der Tastatur. So besitzen die einzelnen Instrumentengruppen wie Kick, Snare und Hi-Hat in Battery verschiedene Farben, was der Light-Guide entsprechend anzeigt. Kontakt-Librarys, die mit Keyswitches (z.B. Action Strings) oder Keysplits (z.B. Rise&Hit) arbeiten, signalisieren die Aufteilung ebenfalls optisch, und auch Instrumente wie Rounds und Polyplex spiegeln die Belegung und besondere Funktionen farblich auf der Tastatur wider.

Perfekt abgestimmt

Insgesamt ist die Komplete-Kontrol-Software natürlich optimiert für die Produkte von NI, deren Presets allesamt perfekt mit verschiedenen Attributen wie Instrument, Kategorie und Klangfarbe ausgestattet sind und das Auffinden eines passenden Sounds im Browser zum Kinderspiel machen – nicht zuletzt dank der neuen Vorhörfunktion, die ein kurzes Sample des Presets anspielt und so den Sound bereits vor dem Laden des jeweiligen Instruments hörbar macht. Auch die Parameter der Instrumente sind bereits passend auf die Regler verteilt, sodass Sie direkt losschrauben können. Diese perfekte Integration basiert auf dem hauseigenen NKS-Format, das mittlerweile auch von einigen Drittanbietern wie Arturia und U-He unterstützt wird. Wenn Sie eines der Komplete-Pakete oder andere NKS-kompatible Plug-ins auf Ihrem Rechner installiert haben, haben Sie direkten Zugriff auf Tausende perfekt angepasster Presets. Mitgeliefert wird Komplete Select, das bereits einen soliden Grundstock bietet und neben guten Sample-Librarys wie Drumlab und Gentleman Piano auch hochwertige Synthesizer wie Massive und Monark beinhaltet und mit dem allein Sie schon komplette Songs erstellen können.

Software unterstützt keine FX

Sehr schade und aus unserer Sicht der einzige wirkliche Kritikpunkt an Komplete Kontrol ist allerdings, dass die Software nach wie vor nur ein Instrument laden kann. Es sind daher weder individuelle Layer oder Splits möglich noch können Effekte eingebunden werden. Grundsätzlich dürfte dies technisch kein Problem sein, da bei Nutzung der Maschine-Software vom Keyboard aus Effekte geladen und editiert werden können. Allerdings bietet das Maschine-Plug-in kein automatisches Umschalten zwischen einzelnen Instanzen, kann also nicht einfach als Komplete-Kontrol-Alternative genutzt werden. Schaut man sich einmal an, welche guten und kreativen Effekte NI im Programm hat, ist dies umso unverständlicher. Es bleibt zu hoffen, dass diese Funktion noch softwareseitig nachgerüstet wird.

Zu erwähnen ist abschließend, dass auch Plug-ins anderer Anbieter ohne NKS-Kompatibilität in die Komplete-Kontrol-Software geladen werden können, hier müssen Sie die Anpassung der Presets und Parameterbelegung aber selbst vornehmen.

Fazit

Während die erste Generation der Komplete-Keyboards trotz innovativer Ansätze in der Praxis einen etwas unausgereiften Eindruck hinterließ, hat NI beim Komplete Kontrol MK2 ganze Arbeit geleistet und die meisten Kritikpunkte ausgeräumt. Die großen hochauflösenden Displays erleichtern das Browsen und Editieren enorm, sowohl die DAW- als auch Maschine-Integration wurde deutlich erweitert, die klassischen Handräder sind wieder da und das externe Netzteil ist überflüssig geworden. Geblieben sind der hilfreiche Light-Guide, Arp/Chord und Scale-Funktion sowie die nahezu perfekte Bedienung NKS-kompatibler Plug-ins, die teilweise vergessen lässt, dass es sich nicht um einen Hardware-Synthesizer handelt.

Dieser Artikel ist in unserer Heft-Ausgabe 145 erschienen.

Testergebnis
ProduktnameKomplete Kontrol MKII
HerstellerNative Instruments
Preisab 599 €
Webseitewww.native-instruments.de
Pro
  • sehr gute Tastatur
  • Light-Guide
  • zwei Displays
  • Maschine-Steuerung
  • intuitive Bedienung kompatibler Plug-ins
  • DAW-Integration
  • Handräder und Touchstrip
  • USB-Stromversorgung
Contra
  • keine Effekteinbindung
Bewertung
1.4sehr gut
 
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