Test: Korg iMono/Poly - so beeindruckend ist der Mono/Poly-Klon

Geschrieben von Kai Chonishvili
18.10.2017
08:26 Uhr

iMono/Poly ist die iOS-Version des legendären Korg Mono/Poly und zeigt einmal mehr, dass das iPad ein fester Bestandteil im Studio sein sollte.

(Bild: Korg)Korg iMono/Poly

Korg macht fleißig weiter und portiert Stück für Stück die eigenen Synth-Klassiker ins iOS-Format. iMono/Poly heißt der neueste Streich und will den fetten Sound dieses Vintage-Boliden für iOS-Mucker authentisch reproduziert und clever erweitert haben. Ist das gelungen?

Korg iMono/Poly: Vorgeschichte

Der Mono/Poly kam zeitgleich mit dem Korg Polysix im Jahr 1981 auf den Markt und war kein klassischer polyphoner Analog-Synthesizer wie sein Bruder, sondern ein ausgefuchster Mono-Synth mit polyphonen Zusätzen. Gelang dem Polysix der große Wurf, musste sich der Mono/Poly mit geringeren Verkaufszahlen zufriedengeben. Dennoch ist dieser ein richtig beeindruckender Synthesizer mit einem charaktervollen Sound und mehrstimmigen Möglichkeiten. Fette Chords und Pads konnte dieser ebenso mühelos zaubern wie knackige Bässe und Leads oder abgefahrene Soundeffekte.

Klassiker mit Charakter

Genau wie das Original erzeugt iMono/Poly seinen Sound durch vier Oszillatoren mit gängigen Wellenformen. Das dahinter geschaltete Tiefpass-Filter inklusive Resonanzfähigkeit formt den Sound und erwacht durch eine ADSR-Hüllkurve zum Leben. Oszillator-Synchronisation und Cross-Modulation erweitern das Klangspektrum enorm und fördern metallisch-kühle Sounds zutage. Mögen diese Eckdaten wenig spektakulär klingen, so bietet der Key Assign Mode Spielmöglichkeiten, die das Original und die App so spannend machen: So kann das Instrument beispielsweise beim mehrstimmigen Spiel jeden Oszillator unabhängig triggern. Wenn diese dann mit unterschiedlichen Wellenformen arbeiten, klingen Arpeggios gleich doppelt spannend. Oder man nutzt den Unison-Modus, verteilt alle Stimmen im Stereo-Panorama, stimmt die Oszillatoren zu einem Akkord und erhält einen richtig fetten Sound. Generell lohnt es sich, dieser Abteilung viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Über das Original hinaus

Schön ist, dass Korg auch moderne Features integriert hat, wie beispielsweise ein duales XY-„KaossPad“, mit dem sich Noten direkt anspielen und zwei Synth-Parameter modulieren lassen. In Verbindung mit dem Eingrenzen auf eine bestimmte Skala – zum Beispiel d-Moll – ist die Performance besonders intuitiv und musikalisch. Gegenüber dem Original ist die Modulations-Matrix ein echter Mehrwert, da man schlicht und einfach Klänge realisieren kann, die das Original nicht beherrscht. So können die beiden LFOs auch die Filterfrequenz und Resonanz beeinflussen, um typische Dubstep-Wobbles zu erzeugen.

Zudem ist die vierfache Polyphonie auf 32 Stimmen aufgestockt, wodurch auch gewaltige Pads, Chords oder Trance-Wände ohne Weiteres machbar sind. Die duale Effekt-Einheit bietet pro Slot ganze 19 Effekte, wovon Multitap Chorus/Delay, Polysix Ensemble und Stereo/Cross Delay besonders hängen geblieben sind. Diese machen den Sound nicht nur breiter, sondern auch lebendiger und passen ausgezeichnet zum Klangcharakter des iMono/Poly.

So locker die Bedienung der App auch ist, so wünschenswert ist eine Reset-Möglichkeit der Parameter. Aktuell vergeudet man viel Zeit beim Suchen des Nullpunktes. Etwas verwundert war die Redaktion über das Fehlen der AUv3-Schnittstelle, da dieses Plug-in-Format auf dem Vormarsch ist und eigentlich Standard sein sollte.

Korg iMono/Poly: Beeindruckender Klang

Was beim Anspielen der mitgelieferten Presets sofort auffällt, ist der hervorragende und hochauflösende Klang. Gerade geschichtete Chords- oder Pad-Sounds mit Ensemble-Effekten profitieren von der ausgezeichneten Engine und lassen einen vergessen, vor einem iPad zu sitzen. Selbst schnörkellose Dreieck-Zupfer nehmen den Hörer beim mehrstimmigen Spiel auf eine wunderschöne Klangreise mit. Auch schwierige Disziplinen wie Cross-Modulation und Sync können ohne Beanstandungen begeistern. Bässe klingen untenrum richtig fett, während polyphone Pads inklusive Chorus- und Hall-Effekte immer noch differenziert musizieren und keinen Klangbrei erzeugen.

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Fazit

Korg iMono/Poly ist ein atemberaubendes Instrument für iOS-Geräte, das in puncto Bedienbarkeit, Performance-Möglichkeiten und Klangqualität kaum Wünsche offen lässt. Diese App ist kein Spielzeug für zwischendurch, sondern ein ernstzunehmender Synthesizer, der sich in einer Studio-Umgebung mit MIDI-Controllern und guten Wandlern am wohlsten fühlt. Oder man integriert iMono/Poly direkt in Korg Gadget. Von klassischen Brot- und Butter-Sounds über eigenwillige Soundeffekte bis zu gewaltigen Pads kann iMono/Poly mehr, als der erste Blick vermuten lässt.

Dieser Artikel ist in unserer Heft-Ausgabe 143 erschienen.

Testergebnis
ProduktnameiMono/Poly
HerstellerKorg
Preis21,99
Webseitewww.korg.com
Pro
  • ausgezeichneter Sound
  • moderne Features integriert
  • polyphon spielbar
  • Performance-Funktionen
  • Modulations-Matrix
  • Korg Gadget-Integration
Contra
  • Regler-Ansprache teilweise ungenau
  • kein AUv3-Format
  • kein Sequenzer
Bewertung
1sehr gut
 
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