Test

Elektron Analog Rytm: Die unvergleichbare Drum Machine im Test

Elektron hat eigentlich schon einen Drum-Boliden im Programm, der die elektronische Musik entscheidend mitgeprägt hat. Nun stellen die Schweden das Analog-Monster Analog Rytm vor. Wird die legendäre Machinedrum, der digitale Drumcomputer aus gleichem Hause, damit zum Alteisen? 

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Kaum ein Hersteller hat die Welt der elektronischen Musik über die letzten Jahre so stark geprägt wie Elektron. Mit innovativen, flexibel einsetzbaren und nicht zuletzt auch wohlklingenden Instrumenten bewegt sich die schwedische Hardware-Schmiede immer wieder am Puls der Zeit. Ihr neustes Produkt hört auf den etwas sperrigen Namen Analog Rytm, ein Schlagzeug-Experte mit analoger Klangerzeugung und Sample-Sektionen. Dank acht umfangreich ausgestatteter Synthesestränge, Send- und Summen-Effekten sowie dem schon von anderen Elektron-Boliden bekannten Step-Sequenzer möchte er die Grenzen des Machbaren neu definieren.

Überblick Elektron Analog Rytm

Der Analog Rytm steckt in einem robusten Stahlgehäuse. Er besitzt die Maße 34 mal 18 mal 6 Zentimeter, sein Gewicht liegt bei etwas mehr als zwei Kilogramm. An Bedienelementen sind jede Menge Taster, insgesamt neun Endlos-Drehregler mit Druckfunktion und ein Lautstärke-Poti vorhanden. Ferner wurden dem Instrument zwölf anschlag- und druckempfindliche Pads spendiert, die sich neben dem Spiel von Noten auch für eine Vielzahl anderer Funktionen einsetzen lassen. Ihre mehrfarbige Hintergrundbeleuchtung zeigt an,welcher Modus gerade aktiv ist. Zur Darstellung von Parametern und Menüs besitzt der Drumcomputer ein Display, das zwar recht klein geraten, aber aus jeder Position gut ablesbar ist. Ergänzend sind diverse LEDs an Bord.

Verbindung

Als Audioanschlüsse hat der Analog Rytm zwei einkanalige Studio-Klinkenbuchsen für Summensignale sowie Zweikanal-Varianten zur Ausgabe einzelner Synthese-Stränge und einem Kopfhörersignal zu bieten. Des weiteren gibt es einen Stereo-Eingang, mit dessen Hilfe externes Audiomaterial durch den Master-Kompressor des Gerätes bearbeitet werden kann. Doch hierzu später mehr. Steuerdaten oder Sample-Material lassen sich durch einen USB-B-Port und ein MIDI-DIN-Trio senden beziehungsweise empfangen.

Anders als beim Analog Four ist der Sequenzer des Rytm allerdings nicht zum Spiel separater Hardware gedacht, nur die Pads und einige Bedienelemente senden MIDI-Daten. Die Synchronisation mit externen Synthesizern oder Drumcomputern ist natürlich trotzdem möglich, neben heute gebräuchlichen Daten kann auch das alte DIN-24 oder DIN-48-Format verwendet werden. Strom bekommt der Drumcomputer über ein externes Netzteil.

Ablaufplan

Der Analog Rytm verfügt über zwölf Instrumentenslots, namentlich Bassdrum, Snare, Rimshot und Clap sowie vier Toms, geschlossene / offene Hi-Hat, Cymbal und Cowbell. Einige der Klangfarben teilen sich eine physikalische Drum-Stimme, können aber unabhängig voneinander editiert werden. Die grundlegende Struktur der Synthesestränge ist bei allen Instanzen gleich. Ein analoger Percussion Sound Generator nebst digitalem Rauschgenerator erstellt das gewählte Schlaginstrument, welches dann mit der Sample-Sektion gemischt wird. Anschließend durchlaufen die entstandenen Signale eine Overdrive-Schaltung, Multimode-Filter und Verstärker. Danach geht es weiter in Richtung von Effekten und Mixer.

Analog Rytm Maschinen

Die Percussion Sound Generatoren sind in ihrer Technik auf das jeweilige Anwendungsgebiet zugeschnitten. Teilweise stehen mehrere sogenannte Maschinen für einen Instrumenten-Slot bereit, hinter dieser Bezeichnung verbergen sich unterschiedliche Parametersätze zur Steuerung der Schaltungen. Bassdrum und Snare bieten sechs Funktionsweisen, im Einzelnen BD Hard, BD Classic, BD FM sowie SD Hard, SD Classic und SD FM. Jeweils acht Optionen und Werte sind vorhanden, um das zugrundeliegende Dual-Oszillator-System auf die eine oder andere Art anzugehen. Eine detaillierte Liste aller Parameter würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Die Slots Rimshot und Clap bieten im Prinzip das gleiche Schwingkreis-Konzept, verfügen ergänzend aber noch über weitere Betriebsarten für die namensgebenden Klangfarben. Daher ist es möglich, auch mit ihnen Bassdrums oder Snares zu kreieren. Die Toms setzen hingegen ein Einzel-Oszillator-Design ein, um Schlagwerk zu erzeugen. Hi-Hats, Cymbals und Cowbells werden durch ein Multi-VCO-System mit sechs Oszillatoren geformt. Bei diesen Instrumentenplätzen ist die Auswahl an Maschinen und auch Parametern deutlich geringer.

Klanglich wissen die Percussion-Sound-Generatoren voll zu überzeugen. Klassische und moderne Drums sind in gleichermaßen großem Umfang möglich, Freunde experimenteller Stilrichtungen werden ebenfalls gut bedient. Alle Schaltungen tönen edel, nur ihr Grundrauschen ist im Vergleich zum Analog Four ein Stück weit höher. Im Betrieb stört dieser Umstand aber nicht.

Samples im Rytm

Neben den Percussion-Sound-Generatoren verfügt jeder Synthesestrang über eine Sample-Sektion. Sie kann ergänzend zur analogen Klangerzeugung oder auch im Alleingang eingesetzt werden. Ab Werk ist bereits eine gute Auswahl an Audiomaterial im Analog Rytm anzutreffen, der Speicherplatz beträgt 1 GB. Eigene Dateien lassen sich mit einem Windows- oder OSXRechner mit der Elektron C6 Utility-Software einspeisen. Das Programm versteht die Formate WAV und AIFF. Direkte Aufnahmefunktionen im Gerät gibt es nicht, hier sind lediglich Optionen zur Grob- und Feinstimmung, der Festlegung von Start und Endpunkten sowie Bitreduktion, eine Loop-Möglichkeit und ein Lautstärke-Parameter anzutreffen. Trotz dieses sehr übersichtlichen Umfanges besitzen die Sample-Sektionen großes Potenzial für kreatives Sounddesign, speziell in Verbindung mit den analogen Synthesestufen.

Overdrive und mehr

Nach der Klangerzeugung stehen Overdrive-Schaltungen im Signalweg eines jeden Synthesestranges, die einzelne Drums fetter gestalten oder verzerren können. Anschließend folgen Multimode-Filter, welche sieben Charakteristika bereithalten. Im Einzelnen sind Hoch- und Tiefpässe mit 6 dB oder 12 dB Flankensteilheit sowie Bandpass-, Bandstopp- und Peak-Modelle vorhanden. Die Resonanz reicht bis zu aggressiver Selbstoszillation, der Bassbereich wird durch hohe Werte deutlich ausgedünnt. Für Parameter-Fahrten haben die Filter ADSR-Hüllkurven dabei, die in positiver oder negativer Richtung auf ihre Grenzfrequenzen einwirken können.

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In den nachfolgenden Amp-Sektionen gibt es weitere Hüllkurven, diesmal mit Attack-, Hold- und Decay-Parametern. Ferner sind in diesem Abschnitt Panorama und Lautstärke regelbar. Für rhythmische Modulationen hat jeder Synthesestrang einen frei zuweisbaren LFO mit sieben Wellenformen im Gepäck. Er lässt sich über zwei Werte in seiner Geschwindigkeit regulieren, zudem sind Regelmöglichkeiten für Phasenlage, Ein- beziehungsweise Ausblendung und natürlich die Härte des Eingriffs an Bord.

Feinschliff

Bevor die Stimmen summiert werden, kann man sie einzeln in Richtung von zwei Send-Effekten schicken. Der erste ist ein Delay, welches normale oder Ping-Pong-Echos mit einstellbarem Zeitwert, Feedback und beliebiger Stereobreite erzeugt. Für Frequenzbeschneidungen sind Hoch und Tiefpassfilter an Bord, ergänzend können die Ergebnisse angezerrt werden. Der Ausgang des Delays lässt sich den Hauptkanälen und dem zweiten Send-Algorithmus zumischen. Bei ihm handelt es sich um einen Hall, der Parameter für die Raumgestaltung und erneut zwei einfache Filter mitbringt. Für Modulationen der Effekte gibt es einen weiteren LFO. Ihre Rückführung kann wahlweise vor oder hinter den Master-Bearbeitungsstufen erfolgen. Sie setzen sich aus einem subjektiv eher schlappen Verzerrer und dem schon erwähnten Master-Kompressor zusammen. Letzterer bietet mit Ratio-, Threshold-, Attack-, Release und Gain-Werten ein umfangreiches Parameterangebot, zusätzlich gibt es Sidechain-Funktionen und eine Mix-Option für Bearbeitungen im „New-York-Style“. Der Kompressor kann Pegel nicht nur sanft anpassen, sondern auch heftig pumpen. Hall und Echo sind ebenfalls vielfältig einsetzbar und klingen exzellent. Bei Verwendung der Einzelausgänge werden sämtliche Effekt-Algorithmen umgangen.

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Spielzeug

Der Sequenzer des Analog Rytm ist gewohnt umfangreich ausgestattet. Er verfügt über zwölf Instrumenten- und eine Effekt-Spur, in jedem seiner 128 Projekte kann das Gerät 128 Pattern mit bis zu 64 Schritten speichern. Neben Werten zu Spiel und Noten lassen sich auch Parameter-Fahrten beziehungsweise -Sprünge und komplette Soundwechsel festhalten. Ferner gibt es Accent- und Trigger-Mute-Funktionen. Das Tempo ist zwischen 30 und 300 BPM wählbar, mittels Taster sind temporäre Geschwindigkeits-Veränderungen um ±10 Prozent möglich. Das Verhalten bei Pattern-Wechseln kann mit Hilfe von drei Abspielmodi angepasst werden, Aufnahmen sind schrittweise oder in Echtzeit machbar. Für letztere Variante dienen die zwölf Drumpads. Aufgrund ihrer geringen Größe bieten sie zwar nicht den Komfort von etwa Akais MPC, insgesamt ist die Haptik dennoch exzellent. Im chromatischen Modus können Synthesestrang und/oder Sample-Sektion eines Sounds sogar über vier Oktaven tonal gespielt werden. 

Die Mute-Betriebsart erlaubt es, einzelne Instrumenten-Slots stumm zu schalten oder zu solieren. Für Remixe von Pattern beziehungsweise Sounds gibt es die Scene- und Performance-Makros. Ihnen können bis zu 48 Parameterveränderungen zugewiesen werden. Anschließend lassen sie sich durch die Pads an- und abschalten oder dank Druckempfindlichkeit der Bedienelemente auch nur kurzzeitig ein- und ausblenden. Für den richtigen Groove sorgen Quantisierungs- und Swing-Optionen. Und: Der Analog Rytm bietetMicro-Timing-Werte für jeden Schritt. Verschiedene Pattern-Längen und Zeitsignaturen sind problemlos nebeneinander verwendbar. Durch ein Trigger-Menü kann man bestimmen, welche Bestandteile eines Synthesestranges von Sequenzer angesprochen werden. Fertige Pattern lassen sich am Ende zu kompletten Songs verketten.

Fazit

Mit dem Analog Rytm ist Elektron ein weiterer Geniestreich gelungen. Seine umfangreiche Klangerzeugung nebst Sample-Verarbeitung und den weiteren Bearbeitungsstufen liefert eine breite Palette hochwertiger Schlaginstrumente, von herkömmlichen bis hin zu abgefahrenen Sounds ist alles leicht machbar. Der Klangcharakter setzt sich deutlich von dem der Machinedrum ab, so dass der Analog Rytm eher eine Ergänzung beziehungsweise Alternative als einen Ersatz darstellt. Die Bedienung geht nach kurzer Eingewöhnung flüssig vonstatten. Einsteiger sollten sich zu Beginn allerdings die Anleitung genau ansehen, um die Struktur des Gerätes vollständig zu verinnerlichen. Zu guter Letzt sei noch auf Elektrons sogenannte Overbridge-Technologie hingewiesen, die im vierten Quartal 2014 erscheinen soll. Mit ihr wird es möglich sein, den Rytm durch ein VST- oder AU-Plug-in direkt in eine DAW einzubinden. Hierunter fällt sowohl bi-direktionales Audio-Streaming als auch die Verwaltung von Parameter-Einstellungen.

Bewertung
Name
Elektron Analog Rytm
Pro
  • kompakter, robuster Aufbau
  • flexible Percussion-Sound-Generatoren
  • ergänzende Sample-Sektionen
  • sehr gut klingende Filter
  • hochwertige Effekte
  • qualitative Drumpads
  • umfangreicher Step-Sequenzer
  • Scene- und Performance-Makros
Preis
1489 EUR
Bewertung
(100%)
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