Dmitry Sches Thorn im Test: So genial ist dieser Spektral-Synthesizer

Geschrieben von Marco Scherer
29.01.2018
12:02 Uhr

Seit seinem letzten Plug-in Tantra ist schon eine geraume Zeit vergangen. Um so überraschender kommt sein neues Multitalent Thorn wie aus dem Nichts daher und attackiert mal eben die Platzhirsche Serum und Massive. Das lässt aufhorchen. Kann er's besser?

(Bild: Dmitry Sches)Dmitry Sches Thorn

Features:

  • Synthesizer Plug-in
  • Wavetables
  • FM/RM/PWM/Hardsync
  • 3 Oszillatoren + Noise
  • Harmonic Filter
  • 2 Multifilter
  • 16 Filtertypen
  • Glitch-Sequenzer
  • Arpeggiator
  • 9 Effekte
  • Modulationsmatrix
  • VST2/VST3/AU/AAX
  • 32/64bit

Einen Synth mit dem Umfang des Thorn programmiert man nicht mal eben in ein paar Tagen. Kein Wunder also, dass uns Dmitry Sches seit seinem letzten Plug-in etwas an Geduld abverlangt hat. Doch die Feature-Liste ist gigantisch und scheint das Warten wert zu sein. Gehen wir doch gleich in die Vollen.

Klangerzeugung

Die drei Oszillatoren des Thorn geben gewöhnliche Wellenformen oder Wavetables wieder, wobei sich beide entweder frei einzeichnen oder aus einem Sample importieren lassen. Eine große Auswahl wird mitgeliefert und deckt eine beachtliche Bandbreite ab. Jeder Oszillator bietet einen Unison-Modus mit Detune und Spread sowie Sub-Oszillator und Vibrato. Schon bis hierher ist der Sound enorm flexibel und in alle Richtungen offen, sowohl stilistisch als auch in der Breite.

Ein unscheinbarer Button namens OSCFX eröffnet eine Auswahl an 13 Modifikatoren für die Oszillatoren und deren Obertöne. Die meisten davon sind recht abstrakt, jedoch nach dem ersten Testen klanglich einschätzbar. Mit dabei sind ein Comb-Filter, Ringmodulation, Sync, Pulsweitenmodulation und FM. Vor allem die Frequenzmodulation macht ein weiteres großes Fass auf, ermöglicht sie doch harsche und kreischende Sounds oder Bässe in feinster Neurobass Manier für aktuellen Drum-&-Bass und EDM.

Zum Anreichern steht ein Noise Modul parat. Fast schon zu erwarten, dass hier nicht nur Rauschen in allen Farben zugemischt wird, sondern auf Wunsch auch eigene Samples. Diese lassen sich loopen und können auf die Tonhöhe der eingehenden Noten reagieren. Fast schon ein Sampler also. Klasse!

Filter und Effekte

Die nächste Station ist das Harmonic Filter, welches auf Basis eines Frequenzspektrums den bisherigen Sound modifiziert. Vereinfach gesagt: Zeichnet man im Spektrum Obertöne im unteren Bereich ein, werden Bässe betont. Eher höhenlastige Spektren resultieren in grelleren Sounds. Das Mischverhältnis lässt sich per Balance-Regler bestimmen und das Spektrum verschieben. Wie unschwer zu erkennen eine sehr experimentelle Abteilung, die zu außergewöhnlichen Sounds führen kann, aber Tüfteln voraussetzt. Modulationen sind hier Pflicht, denn statische Einstellungen resultieren meist zu dünnen, digitalen Sounds.

Es folgen zwei Multifilter mit jeweils 16 bekannten Typen wie Hoch- und Tiefpass in diversen Ausführungen von sanft bis knackig. Da sich die Oszillatoren wahlweise in ein oder beide Filter routen lassen, sind fiese Filtermodulationen beinahe Pflicht.

Effekte und Modulationen

Die neun Effekt-Module decken alles von Chorus über Reverb, Distortion und Kompressoren ab und erlauben massive Eingriffe in die klangliche Gestaltung. Alle Regler sind ausnahmslos modulierbar, was die Herzen von Sound-Designern höher schlagen lässt. Die Reihenfolge der Module wird per Drag-&-Drop bestimmt.

Als Basis für Modulationen sind zwei LFOs, drei gewöhnliche Hüllkurven und zwei Sequenzer an Bord. Die Zuweisung ist denkbar einfach: Entweder den Ausgang eines Modulators auf den gewünschten Parameter ziehen oder den Parameter rechtsklicken und eine Quelle wählen. Oder Sie gehen den Weg über die Modmatrix. Alle Wege gehen schnell von der Hand und machen das Basteln zur wahren Freude.

Arpeggiator und Sequenzer

Der Arpeggiator bietet bis zu 16 Schritte mit variabler Anschlagstärke, beliebiger Notenlänge und Tonhöhe sowie die Möglichkeiten, Noten zum Verlängern zu verbinden. Praktisch: Alle Parameter, inklusive Abspielrichtung, Shuffle und Anzahl der Oktaven sind modulierbar. Alleine damit mutiert ein noch so unspektakulärer Grundsound binnen Sekunden zur Monstersequenz. Doppeldaumen hoch!

Ähnlich ergiebig ist der Glitch-Sequenzer, in dem sich Note-Repeats, Hoch- und Tiefpassfilter, Bit- und Samplingrate, sowie Notenlängen in bis zu 16 Schritten programmieren oder per Zufall auswürfeln lassen. Sowohl Arpeggiator als auch Sequenzer kommen mit einer Menge Presets zum schnellen Abrufen.

Lesetipp

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Fazit

Es lässt sich schwer anders ausdrücken: Thorn ist eine Wucht! Knatternde Sequenzen, wuchtige Bässe, perlende Arpeggios, sanfte Pads … die Klangerzeugung ist schier unerschöpflich, die Modulationen laden zum Basteln ein und die Effekte sind weitaus mehr als nur Beiwerk. Arpeggiator und Glitch-Sequenzer sind unglaublich inspirierend und erweitern den Synth genau da, wo die direkte Konkurrenz passen muss. In Windeseile sind neue, tolle Sounds jedweder Richtung erstellt und klanglich gibt es nichts zu meckern. Trotz riesigem Umfang bleibt der Synth einfach bedienbar und die Prozessorlast human. Respekt!

Dieser Artikel ist in unserer Heft-Ausgabe 146 erschienen.

Testergebnis
ProduktnameThorn
HerstellerDmitry Sches
Preis119 $
Webseitewww.dmitrysches.com
Pro
  • klangliche Vielfalt
  • Glitch-Sequenzer
  • umfangreicher Arpeggiator
  • Bedienung
  • Modulationen
Bewertung
1sehr gut
 
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