Brainworx bx_console E im Test: Wie gut ist diese SSL-Emulation wirklich?

Geschrieben von Kai Chonishvili
10.11.2017
12:32 Uhr

Nachdem Brainworx mit bx_console erstmalig eine Neve-Konsole mit ganzen 72 Kanälen virtualisierte, folgt unter dem Namen bx_console E nun die Nachahmung des legendären Pults SSL 4000 E – wieder mit 72 Kanälen und zusätzlichen Features der SSL G-Serie. Lohnt sich der Kauf?

(Bild: Plugin Alliance)Kennt man doch: bx_console E sieht fast so aus, wie der Vorgänger bx_console, wirkt jedoch aufgeräumter und strukturierter.

Features:

  • „SSL 4000 E“-Emulation mit G-Features
  • analog-modellierte Komponenten
  • Kanalzug mit Kompressor/Limiter, Gate/Expander, EQ, Filter
  • E- und G-Kompressor
  • EQ mit Revision „Brown“ und „Black“
  • 72 unterschiedliche Kanäle verfügbar
  • AAX (DSP, Native, AudioSuite), AU, VST2, VST3 (32/64-Bit)

bx_console E emuliert Klassiker SSL-4000

Die Emulation von klassischen SSL-4000-Kanalzügen ist ja mittlerweile ein echter Volkssport geworden, denn zahlreiche Unternehmen wie Waves, Native Instruments, Universal Audio und so weiter haben einen Kanalzug der SSL 4000 E- und G-Serie im Programm. Kein Wunder, denn schließlich sind etliche Hits auf SSL-Pulten der E- und G-Serie gemixt worden. bx_console E orientiert sich am Original-Layout und bietet in der Dynamik-Sektion einen Kompressor - der mit unendlicher Ratio als Limiter arbeitet – sowie ein Expander/Gate-Modul. Durch simples Umschalten mimt der Kompressor entweder die E- oder G-Serie nach und eignet sich dadurch als hervorragender Bus-Kompressor oder zuverlässiger Partner für Einzelsignale wie Vocals, Bässe etc. Für die Frequenzbearbeitung gibt es einen parametrischen Vierband-Equalizer sowie Hoch- und Tiefpass-Filter inklusive dreifacher Verstärkung des Frequenzbereiches. Auch hier dient ein Umschalter für die Simulation der „Brown“ bzw. „Black“-Revision des SSL-Vorbildes. Die Unterschiede sind gewaltig, denn während „Black“ als transparentes Mix-Werkzeug brilliert, legt „Brown“ eine aggressivere Frequenzbearbeitung an den Tag und verleiht dem Signal Kontur und Charakter.

Geniale Idee

Bislang einzigartig in diesem SSL-Volkssport ist die Tatsache, dass die bx_console-Reihe immer 72(!) Kanäle emuliert und nicht nur einen einzigen, wie es die Konkurrenz macht. Damit trägt Brainworx dem Umstand Rechnung, dass analoge Toleranzen in einer Konsole jeden Kanal etwas anders klingen lassen. Und tatsächlich hört man bei einer großen Mix-Session einen detaillierten Unterschied, wenn alle Spuren bx_console E nutzen und im Plug-in unterschiedliche Kanäle eingestellt sind. Natürlich hört man die Unterschiede nur, wenn EQ, Kompressor etc. nicht auf Standard eingestellt sind. Manchmal sind es nur minimale Unterschiede im Stereobild, doch führen diese in der Summe zu einer Art „offeneres“ Klangbild. Besonders schön ist, dass bx_console E einen „Random All“-Button besitzt, der die Kanäle aller Instanzen randomisiert und den A/B-Vergleich erleichtert. Bei dem Nachbarprodukt bx_console muss man jeden Kanal noch mühsam von Hand umstellen, hoffentlich liefert Brainworx ein entsprechendes Update nach.

Tricks in der Anwendung

Klingen die technischen Details noch etwas nüchtern, so bringt das Zusammenspiel aller Komponenten das gesamte Potenzial zum Vorschein: mit dem „Randomize All“-Button kann man nach einer Mix-Session beispielsweise alle Kanäle gleichzeitig ändern, um eine weitere Mix-Version zu erhalten. Oder aber man schaltet die dreifache Verstärkung des Hoch- und Tiefpass-Filters ein und enthält eine Bandpass-Charakterstik, die mit hohem Input-Gain und zuzüglich Rauschen einen Vintage-Effekt für Vocals kreiert. Ebenfalls sehr clever: bx_console E ermöglicht das Speichern von vier Varianten, die sich anschließend automatisieren lassen. So könnte man für einen bestimmten Song-Part mit anderen Kompressor- und EQ-Modulen arbeiten, diese als B-, C- und D-Varianten abspeichern und an den entsprechenden Song-Stellen via Automation umschalten.

bx_console E: Klang und Konkurrenz

Verglichen mit den SSL-Emulationen von Waves, Acustica Audio und Native Instruments hat bx_console natürlich den Vorteil, das nicht nur ein Kanal, sondern eben 72 emuliert werden. Darüber hinaus ist der Sound gegenüber Waves und NI subjektiv betrachtet feiner in der Auflösung. Acustica Audio hat mit SAND in puncto Klang und Kompression jedoch die Nase vorn, büßt aber Abzüge in der Performance ein, die bei bx_console E wesentlicher effizienter ausfällt.

Fazit

Kurz und knapp: Für alltägliche und auch fortgeschrittene Mixing-Aufgabe brilliert bx_console E als zuverlässiger Partner mit einem ausgezeichneten Sound und einzigartigen Features, die man sich fortan öfters wünscht. Zudem haben die Entwickler aus den Kritikpunkten von bx_console gelernt und die Oberfläche sowie die Kanal-Änderungen intuitiver umgesetzt. Obwohl die Redaktion eine klare Empfehlung für anspruchsvolle Produzenten ausspricht, sollte man bei Interesse und nicht Besitzen eines SSL-E/G-Kanalzugs unbedingt die Demo ausprobieren, denn 299 Euro ist ein stolzer Preis.

Dieser Artikel ist in unserer Heft-Ausgabe 143 erschienen.

Testergebnis
Produktnamebx_console E
Herstellerbrainworx
Preis299 €
Webseiteplugin-alliance.com
Pro
  • sehr guter Sound
  • einfache aber umfassende Bedienung
  • 72 Kanäle werden emuliert
  • clevere Workflow-Funktionen
Contra
  • hoher Preis
Bewertung
1sehr gut
 
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